Zuviel Salz in der Suppe

- Da gibt es doch gar keinen Zweifel: Theater, wenn's gut ist, hat immer auch psychotherapeutische Wirkung. Gar nicht so weit hergeholt also, dass Martin Östreicher jetzt Paul Watzlawicks kultigen Ratgeber "Anleitung zum Unglücklichsein" inszenierte. Passender Spielort, klar, Jochen Schölchs Freimanner Metropol, das sich mit seiner Politik "Das Stück zum Film/zum Buch" bisher so blendend profilierte.

<P>Und mit Jacques Breuer - nach vielen Jahren zurück in München - sogar eine Star-Besetzung. Breuer, in seinen 20ern der stürmische, unter die Haut gehende junge Held - von Schiller bis Osborne -, zeigt sich nun als grandioser Midlife-Komiker, irgendwo zwischen Loriot und Jack Lemmon. In der Meisterschaft seiner Mittel ist er es, der im Grunde - jetzt muss es heraus - diesen akademisch gebremsten Abend stemmt. Denn die Mühe, die Watzlawicks Wissenschaftsbrocken aus dem kalifornischen Palo-Alto-Forschungslabor der frühen 80er-Jahre (!) bereitet, können David Baalcke, Susanne von Medvey und Julia Koschitz (blasser, als man sie sonst kennt) nicht wegspielen - trotz mancher Schmunzel-Momente.<BR><BR>Es geht Watzlawick um die Bedeutung der - oft schräg laufenden - Verständigung in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Und so leitet hier auf nackt-öder Bühne Östreichers Schauspieler-Quartett ein Therapie-Seminar, in dem uns "Teilnehmern", Negativmuster verstärkend, all die Fehler anempfohlen werden, die wir ohnehin gerne machen, so dass Flirt, Sex, Ehe etc. hundertprozentig in die Binsen gehen. Die möglichen Anti-Lösungen der diversen Probleme blättern sich in kurzen Szenen vor uns auf. In sehr vielen Szenen, Titel und Therapie entsprechend, stets ironisch gestimmt. Ironie ist aber das Salz in der Suppe. Hier kriegen wir davon mächtig viel. Ab und zu schieben die vier eine Songnummer ein. - Vielleicht hätte man ein richtiges Musical daraus machen sollen.<BR><BR>Bis 17. Juli, Karten: Tel. 089/32 19 55 33.</P>

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