Die Zwei vom deutschen Pavillon

- "Oh, this is so contemporary", tönt's und schallt's, singt's und flüstert's, kaum dass man den Deutschen Pavillon in den Giardini der venezianischen Kunstbiennale betreten hat. Ältere und jüngere Herrschaften des Aufsichtspersonals, vorschriftsmäßig und seriös in blau und weiß gekleidet, rufen immer wieder ihre Begeisterung hinaus. Die zeitgenössische Kunst hat es ihnen angetan - und damit sind sie ja hier am richtigen Ort.

Im Auftrag von Tino Sehgal ironisieren sie das Ringen um aktuelle Kunst, nehmen Künstler, Kuratoren und Betrachter ein wenig auf den Arm. Die kleine Show spiegelt die große Biennale-Pose. Dass alle zusammen sich nicht so aufmandeln sollen, unterstreicht Sehgal, obwohl er im anderen Raum die Besucher ernsthaft fragen lässt, ob sie nicht ihre Meinung über die Präsentation kund tun wollen. Strahlten die Gesichter zuvor amüsiert, verkrampfen sie sich jetzt vor Verlegenheit.<BR><BR>Natürlich tratzt Sehgal, der nie eine seiner "Aufführungen" dokumentiert, sogleich seinen Pavillon-Genossen Thomas Scheibitz. Dessen Installation "Der Tisch, der Ozean und das Beispiel" trifft zuallererst das witzige "Oh, so zeitgenössisch". Aber auch der Maler, der gerne möbelartige Skulpturen zusammenbaut, hat Humor.<BR>Nicht nur die Titel seiner Arbeiten - inklusive der Gemälde -, sondern sie selbst sind von Vergnügen durchsetzt: Strahle-Farben, Formen-Spaß zwischen Konstruktivismus und Kinderbauklötzchen. Sie machen zusammen mit Sehgals Performances beim Publikum eine Superstimmung.<BR><BR>Die überdeckt teilweise, wie intensiv Scheibitz neue Wege für die Malerei sucht: Ob er dabei erfolgreich sein wird, lässt sich an der Ausstellung im Deutschen Pavillon nicht endgültig ablesen. Was wiederum durchaus zeitgenössisch ist . . .<BR><BR>(Katalog 7 Euro)

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