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Zwei Münchner in Bochum

- Der Herbst beginnt und damit auch der letzte Akt: Verwalter Schamrajev montiert am Landhaus der Arkadina in der russischen Provinz eine Satelliten-Schüssel. Ob die neuen Programme der egozentrischen Starschauspielerin und den übrigen Protagonisten beim Gefühls-Verdrängen helfen, bleibt offen. Genauso, wie mit dem Schlussvorhang offen bleibt, wie die von allen besorgt umsorgte Arkadina den konsequenten Selbstmord ihres Sohnes aufnimmt.

<P>Elmar Goerdens Bochumer Deutung von Anton Tschechows "Die Möwe" konzentriert sich auf die zeitlose Armseligkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen: Jeder liebt irgendwie. Aber was und wen? Und wozu überhaupt? "Am Ufer des Sees lebt von klein auf ein junges Mädchen; es liebt den See wie eine Möwe, ist glücklich und frei wie eine Möwe. Doch da kommt ein Mann, sieht es und stürzt es aus Langeweile ins Verderben."</P><P>Oliver Nägele als Sorin</P><P>Auf seine Art selbstverliebt lässt sich auf der Bühne der Schriftsteller Trigorin (Ernst Stötzner), Arkadinas Geliebter, von der Möwe Nina zu diesem Sujet inspirieren, um es gleichzeitig für sich zu inszenieren.</P><P>Der Stoff bietet Raum für unterschiedlichste Deutungen. Lena Schwarz hat als Möwe Nina in Bochums Schauspielhaus zwar die Titel-, aber doch eher eine Nebenrolle. Sie ist hier nicht wirklich Opfer, sondern schlicht ein junges Mädchen, das sich für das Wagnis entscheidet, seinen Traum zu verfolgen. Die gewünschten Ziele - Liebe, Ruhm - bleiben letztendlich unerreicht. Das tut weh. Na und?</P><P>Viel tragischer angelegt sind die meisten übrigen Rollen in dieser beispielhaften Komödie des Lebens. So der von Oliver Nägele wunderbar schwerfällig und depressiv verkörperte Sorin, Bruder der Arkadina. Am Ende seines Lebens betrauert er die trist verschwendeten Jahrzehnte im juristischen Staatsdienst. Und erhofft sich einen Ausgleich im späten, stellvertretenden Miterleben der Leidenschaften seines Neffen Konstantin (Alexander Maria Schmidt).</P><P>Der wiederum sehnt sich auch nach Ruhm und Liebe. Nach der Liebe Ninas aber nur ersatzweise für die vermisste Zuwendung durch seine Mutter Arkadina (Catrin Striebeck). Diese nimmt aber schon deswegen ihren Sohn nicht zur Kenntnis (und zieht jede mögliche Aufmerksamkeit anderer von diesem weg), weil sie dadurch mit ihrer eigenen, auch altersbedingten Unvollkommenheit konfrontiert wird. Als ihr Geliebter sich Nina zuwendet, bricht ihr selbstverliebtes Lebenskonstrukt zusammen.</P><P>"People Are Strange" - die Menschen bleiben sich fremd. Und so passt auch der in Goerdens Inszenierung eingesetzte Doors-Song ebenso wie die locker-leicht zitierte Filmmusik von Morricone, die sich Konstantin zum selbstbewusst selbst gewählten Ende seines Lebens so gern anhört: "My Name Is Nobody".</P><P>Elmar Goerden konnte einen zufriedenen Schlussapplaus des Bochumer Premierenpublikums ebenso genießen, wie die "schöne Vorläufigkeit" seiner Inszenierung, die schon fest stand, bevor der Spielleiter des Bayerischen Staatsschauspiels seinen Intendantenvertrag für Bochum 2005 unterschrieben hat. Noch ist der Mann aus München Gast, doch im nächsten Jahr schon wird er die Nachfolge von Matthias Hartmann antreten.</P>

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