Zwei Stars und ein neuer Stern

"La Bohème": - "Wir erzählen Geschichten und kommen glaubwürdig beim Zuhörer an, weil wir selber daran glauben", formuliert es Rolando Villazón. "Wie wir aussehen, spielt nur eine Nebenrolle ­ am Ende ist es die Stimme, die zählt."

Da hat der Herr Tenor etwas tiefgestapelt ­ oder den treuherzigen Idealisten gespielt. Denn längst hat sich das Phänomen Anna Netrebko/Rolando Villazón vom puren vokalen Ereignis entfernt. "Popstars" der Oper greift da zu kurz, einen solchen Rummel hat es zuletzt nicht einmal um das ­ medial bereits abgehakte ­ Duo Angela Gheorghiu und Roberto Alagna gegeben. Immerhin sind Letztere ein echtes Paar, bei Anna und Rolando wird solches mit Flitterwochen-Fotos ja nur behauptet.

Diese Woche kommt es nun zum lang erlechzten Münchner Ereignis: Giacomo Puccinis "La Bohème" als konzertante Aufführung im Gasteig am 12., 14. und 17. April ­ nur natürlich, dass die Karten (bis zu 193 Euro) innerhalb weniger Stunden vergriffen waren. Zunächst waren zwei Konzerte vorgesehen, angesichts der großen Nachfrage wurde großzügig ein weiteres angesetzt, das listigerweise längst geplant war. Bertrand de Billy dirigiert Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Die Aufführung wird für eine CD mitgeschnitten ­ eine der vielen Gesamtaufnahmen, die demnächst von Netrebko und Villazón zu erwarten ist. Sogar die Generalprobe am Dienstag um 13 Uhr ging in den öffentlichen Verkauf, dies allerdings mit Abzocker-Preisen bis zu 106 Euro.

Neben dem Super-Paar wird bereits der nächste Star aufgebaut: Nicole Cabell singt in München die Musette. Die Kalifornierin hat 2005 den BBC-Wettbewerb "Singer of the World" gewonnen und ist mittlerweile beim selben CD-Konzern wie Netrebko und Villazón. Die Sopranistin bringt alles für eine optimale Vermarktung mit: eine PR-wirksame Vita (Tochter des ersten afro-amerikanischen Polizeipräsidenten von Los Angeles), ein blendendes Aussehen und eine sehr ansprechende Stimme. Auf ihrer ersten CD (erschienen bei Decca) bietet sie einen extremen, sehr ambitionierten Querschnitt von der Musette über Gounods Juliette und Berlioz‘ "Benvenuto Cellini" bis hin zu Gershwins "Summertime" ­ übrigens ein ähnliches Fach wie Anna Netrebko. Nicole Cabell singt emotionaler, offensiver, ihr Sopran erscheint dabei größer, breiter und farbenreicher, müsste allerdings noch (das zu markante Vibrato, die nicht optimalen Koloraturen) geformt und kanalisiert werden. Auf jeden Fall eine vielversprechende Stimme. Wo bleibt der passende Tenorpartner?

Bayern 4 überträgt das Konzert am 14.04. ab 20.05 Uhr.

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