Teufelskerl Pollersbeck: U21 steht nach Elfer-Krimi im EM-Finale

Teufelskerl Pollersbeck: U21 steht nach Elfer-Krimi im EM-Finale

Der Zweifel bleibt

- Es hat einen inneren Nachhall, dieses Spielart-Wochenende: "Aalst, a true Story" aus Belgien und "Bigger than Jesus" aus Kanada, zwei Stücke, in denen sich die Grenzen zwischen Bühne und bitterer Aktualität, zwischen Vorgespieltem und wirklich Gemeintem auflösen. Wie kontrovers auch immer für manchen Betrachter: Endlich hat einem das sich letzthin öfters in Kunstfertigkeit und eitler Selbstreferenz verplempernde Theater wieder etwas zu sagen (Münchner i-camp und Muffathalle).

Kindermord und "Jesus"-Show

Eine Gerichtssaalszene: Der nicht sichtbare Verhörende richtet die Fragen (zu 70 Prozent nach authentischen Gerichtsprotokollen) an Lies Pauwels und Felix van Groningen - beide auf Stühlen frontal zum Publikum -, die hier ein Paar spielen, das im Januar 1999 in der belgischen Provinzstadt Aalst seine drei Monate alte Tochter und den achtjährigen Sohn getötet hat. Kindsmorde - zuletzt der furchtbare Hungertod der kleinen Jessica in Hamburg - eine Unbegreiflichkeit?

Dem Text-/ Regie-Duo Dimitri Verhulst/ Pol Heyvaert gelingt es hier einmal, auf höchst eindringliche Weise in die Psyche eines durch schwere eigene Kindheitstraumata geprägten Paares hineinzuleuchten. "Aalst" entschuldigt nicht, aber im Spiel der beiden eine große Demut aufbringenden Darsteller vermittelt sich zumindest die Ahnung eines psychisch-tragischen Tat-Komplexes.

Ganz anders, mit Jesus auf Jet-Trip über Breitwand-Wolken und sonstigen Live-Videofinessen ungleich glamouröser, jedenfalls auf gewisse provokante Art ebenfalls verstörend: die "Jesus"-Show von Regisseur Daniel Brook und seinem Performer. Rick Miller, dem das Entertainerblut nur so durch die Adern und Englisch, Französisch und Deutsch mühelos von den Lippen perlt, gibt auch US-Akzent-waschecht den schwadronierenden TV-Prediger, spielt im Sandkasten mit Jesus- und Pilatus-Figürchen, talkt den bis ins Film- und T-Shirt-Business reichenden Jesus-Kommerz durch und die in seinem Namen geführten Kreuzzüge. Und so zwischen wortflinkem Showmastertum und plötzlich wieder ganz ernstem Gebet zelebriert Miller hier seine eigene Messe.

Darf man das so machen? Dieser kleine Zweifel bleibt. Aber nachdenken tut man schon bei dieser kritisch hinterfragenden Geschichtsstunde (Jesus: nur politisch korrekter Sozialarbeiter oder der Messias?), die zugleich zurückwirft auf das Bedürfnis nach Spiritualität.

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