Zweigeteilte Lenbach-Gärten

München - Noch ist das neue StadtKarree zwischen der Münchner Luisen-, Karl-, Meiser- und Sophienstraße nicht ganz fertiggestellt, dennoch lässt sich das Wesen der sogenannten Lenbach-Gärten bereits gut erkennen.

Der Projektentwickler Frankonia Eurobau hatte sich bei der Planung der Lenbach-Gärten 2003/04 auf Luxus festgelegt. Für rund 300 Millionen Euro sollte ein Fünf-Sterne-Hotel (Rocco Forte) mit 160 Zimmern, Bürokomplexe mit 20 000 Quadratmetern und Wohnflächen von rund 27 000 Quadratmetern entstehen. Alte TU-Bauten ­ zum Teil wichtige Beispiele der Baukunst der 50er-Jahre ­ wurden dafür geschleift. Vielleicht geht's in 50, 60 Jahren den jetzigen Häusern genauso.

Das Quartier ist zwar in viele Baukörper aufgeteilt, dazwischen Durchgänge und Höfe, ästhetisch lassen sich aber deutlich zwei Zielsetzungen unterscheiden ­ ganz den beiden Architekturbüros entsprechend. Die Gebäude des Teams Hilmer & Sattler und Albrecht an der Luisen- und Karlstraße sind fast vollendet. Die der Steidle Architekten ­ Otto Steidle starb 2004 ­ sind noch mehr oder weniger im Rohbau. Dennoch ist augenfällig: Erstere laufen ganz auf der Retro-Schiene, zweitere formulieren sich in einer zeitgenössischen Architektursprache.

Hilmer & Sattler und Albrecht haben ihren großen Auftritt mit dem Hotelbau am Alten Botanischen Garten. Effektvoll schwingt sich Richtung Bahnhofsplatz ein Rundturm aus der Kante der gartenseitigen Fassade, die in ihrer Krümmung der Sophienstraße folgt. Ein schöner Akzent, der die öde Kreuzung Elisen-/Luisenstraße städtebaulich aufmöbelt; auch wenn der Platz mit dem gigantischen Ring von Mauro Staccioli nach wie vor ein ungelöstes Problem darstellt. Das Rocco Forte strahlt mit seinen vielen Lisenen, Gesimsen und dem Turm den Charme des Altmodischen aus. Er wird verstärkt durch kupferfarben gerahmte Fenster, die mal zwei, mal drei Längssprossen und geschwungene, hüfthohe Ziergitter haben.

So routiniert wie die Alten vermögen Heinz Hilmer und Christoph Sattler aber nicht mit solchen Schmuckelementen umzugehen. Im Wechsel von einer Fassadenfront zur anderen kommen sie bei den Proportionen ganz schön ins Schleudern. Da müssen Fenster plötzlich gestaucht werden, oder es tauchen große leere Wandflächen auf.

Den feinen, hellbeigen Steinton des Hotels nimmt auch der anschließende Büroblock auf. Er ist konsequenter gegliedert: in eine heftige Sequenz schmaler, vertikaler, sonst nicht weiter akzentuierter Fenster. Die Mauerblenden dazwischen sind außerdem quasi reliefplastisch betont. Dennoch wirkt der Bau öde. Er spult die Bau-Formen lediglich mechanisch ab.

Die Kuschel-Strategie des Rocco Forte setzen die Appartementhäuser (Max Palais) von Hilmer & Sattler und Albrecht fort. Hier wird fleißig Art Deco zitiert und der Baustil der 20er- und 30er-Jahre, wie sie in München etwa an der Neuhauser Nibelungenstraße oder an der Schwabinger Hiltenspergerstraße noch zu sehen sind. Das Heimelige wird im Gegensatz zur damaligen gemäßigten Moderne aber so richtig herausgestrichen: viele, viele Fenster mit vielen, vielen Sprossen und Ziergittern, verschiedene Balkon- und Loggien-Varianten, Terrassen und sogar putzig umzäunte Vorgärtchen.

All das gibt sich freundlich. Die diversen Durchgänge, Höfe ­ der zu Eingangs-Fassade von St. Bonifaz ist noch wilde Baustelle ­ und Bänke vermitteln Offenheit. Dem widerspricht allerdings die unangenehme Menge an Überwachungskameras.

Natürliche Heiterkeit strahlen hingegen die Steidle-Gebäude aus. Sie müssen nicht verbissen um urbane Gemütlichkeit ringen. Sie sind einfach voll von großstädtischer Gelassenheit. Protz muss nicht sein: Man weiß ohnehin, wer man ist. Beim Wohnhaus an der Sophienstraße ist noch kaum etwas zu erkennen außer der Lockerheit durch großzügige Fenster. Aber der Bau wirkt jetzt schon quasi gut durchlüftet und grazil. Diese Anmut unterstreicht der ebenerdige, langgezogene Trakt an der Meiserstraße, der zum Bürokomplex (Meiser-/Karlstraße) überleitet. Mit diesem eleganten Spiel aus unterschiedlichen Bauklötzchen erinnert das Steidle-Team an den alten TU-Bau. Am Bürohaus kann der Beobachter gut nachvollziehen, wie man Fensternischen, Mauerteile, Glaselemente auch setzen kann: Da entsteht ein wirklich einfallsreicher Rhythmus.

Das ist ein wahrlich fesches Ensemble. Schade, dass es versteckt nach hinten gerückt ist und von der doch uninspirierten historistischen Unsicherheit von Hilmer & Sattler dominiert wird.

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