Zweiter Frühling mit 68

Modena - 45 Jahre währte die Karriere des Luciano Pavarotti. Eine Karriere, in der es vor allem um die Kunst ging. Denn anders etwa als Maria Callas, deren Zicken, Affären und Probleme medial breitgetreten wurden, bediente der Italiener kaum Glamour-Bedürfnisse - abgesehen von den gewaltigen Einkünften, die Schallplatten-Tantiemen, vor allem die "Drei Tenöre" und sonstige Opern- sowie Konzertauftritte abwarfen.

Bis zum Jahre 1996 jedenfalls. Da interessierte man sich auf einmal nicht mehr allein für die hohen Cs, sondern für Pavarottis Privatleben. Nach einer längeren Krise ließ sich der Tenor von seiner Ehefrau Adua Veroni scheiden, mit der er drei erwachsene Töchter hatte. Im Alter von 68 Jahren erlebte er einen späten zweiten Frühling und heiratete seine langjährige Freundin und drei Jahrzehnte jüngere Sekretärin Nicoletta Mantovani.

Wenige Monate zuvor hatte sie die gemeinsame Tochter Alice zur Welt gebracht. Doch in die Vaterfreuden mischte sich eine tiefe, kaum zu stillende Trauer: Der Zwillingsbruder des Mädchens starb bei der Geburt, Pavarotti sagte damals: "Ich bin ein unglücklicher Mann, das ist einer der schlimmsten Tage meines Lebens."

Mag sein, dass nur die Musik den Tenor über den Schicksalsschlag hinwegtrösten konnte. Immer wieder raffte er sich auf, um durch Stadien und Hallen zu touren. Und als passenden Termin zum Aufhören nannte er selbst einmal den 12. Oktober 2005 - den Tag seines 70. Geburtstages. In seinen letzten Karrierejahren bewegte sich Pavarotti dabei weg vom typischen Klassik-Auftritt. Wobei hierunter nicht nur die "Drei Tenöre" fallen, sondern seine alljährlichen Benefizkonzerte Pavarotti & Friends. Millionen Euro wurden dabei für humanitäre Hilfsaktionen gesammelt.

Puristen runzelten zwar heftig die Stirn. Und manch einer schmähte die Mischung aus Oper, Pop und Geschäft gar als "Pavarotti AG". Doch der Italiener hatte einfach größte Lust, mit den Spice Girls, Stevie Wonder, Sting, Elton John, Bon Jovi oder B.B. King auf einer Bühne zu stehen. Mit ihnen nahm er Rock-Klassik-Platten auf und wurde auf einmal selbst eine Art (später) Popstar.

Seine Abschiedstournee "A Night To Remember" führte Pavarotti 2003 auch nach Deutschland. Trotz seiner weltweiten Präsenz blieb Pavarotti seiner Geburtsstadt Modena eng verbunden. Dort hatte er ein großes Anwesen. Und dort wird er auch bis Samstagmittag in der Kathedrale aufgebahrt, wo ihm Fans, Freunde und Bekannte die letzte Ehre erweisen. Die Beerdigung ist, dies wurde gestern festgelegt, am Samstag ab 15 Uhr.

Über seine schwere Krankheit hatte sich Pavarotti dabei keine Illusionen gemacht. "Den Tumor, den spürst du in dir drinnen." Und dennoch: "Ich bin optimistisch und werde es bis zum Tode sein."

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