Ein zweites Mal von vorn beginnen

- Er war gerade fertig mit dem Studium in Wien, als die Slowenische Philharmonie in Ljubljana einen neuen Chef suchte. Der bisherige verabschiedete sich Richtung Wien, wo eine Professur lockte, und Marko Letonja zog zurück in die Heimat. 29 Jahre war er, als er den renommierten Klangkörper, der 2001 sein 300-jähriges Bestehen feierte, übernahm: 1990 zunächst als ständiger Dirigent und künstlerischer Leiter, später als Chef. Jetzt ist er auf dem Absprung. "Zehn Jahre sind eigentlich genug", resümiert der 1961 in Maribor geborene Letonja, der den nächsten interessanten Posten schon in der Tasche hat. Er übernimmt im September die Leitung des Sinfonieorchesters Basel. Und jetzt, Sonntag, Montag und Mittwoch, gastiert Letonja bei den Münchner Philharmonikern.

<P>"Eigentlich wollte ich ja frei arbeiten, aber die Aufgabe in Basel hat mich gereizt, weil dort die Oper dazu gehört." Da sein Schwerpunkt bisher im sinfonischen Repertoire lag, möchte er in der Schweiz die Chance für intensive Opern-"Lehrjahre" nutzen. "Als ich meine erste ,Zauberflöte dirigierte, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Obwohl das ein Werk ist, was jeder Kapellmeister ,drauf hat." Dass Letonja sich in Basel nach der Fusion der Orchester (Sinfonie- und Opernorchester) als Chef einer schwierigen Integrations-Aufgabe stellt, spornt ihn nur an: "Ich möchte für die Identität des Orchesters und seine Motivation sorgen. Bisher hat es nur zu Hause gespielt, ich will ihm auch international Möglichkeiten eröffnen." Dafür gibt es animierende Vorbilder: Simon Rattle in Birmingham, Mariss Jansons in Oslo . . . Letonja lacht: "Ja, das muss ich nur nachmachen."</P><P>Ans Dirigentenpult geriet der sympathische Slowene eher durch Zufall. Zunächst war es das Klavier _ genauer gesagt ein riesiger schwarzer Flügel im Haus der Nachbarn, der den Zweijährigen faszinierte. So begann er auch sein Musikstudium an der Akademie in Ljubljana im Fach Klavier. "Ich spielte viel Jazz und Rock und ging, nur weil ein Freund mir den Tipp gab, mal in die Dirigierklasse." Nach dem ersten Konzert mit dem Hochschulorchester war es um ihn geschehen. Marko Letonja wechselte zu Otmar Suitner an die Wiener Akademie und schloss dort sein Dirigier-Studium ab.</P><P>Entscheidende Begegnung mit Marjana Lipovsek</P><P>Er weiß sehr genau, wie groß sein Glück war, dass er von dort sofort zur Slowenischen Philharmonie (einem der besten Orchester in Ex-Jugoslawien) berufen wurde. Eine weitere wichtige Weichenstellung in seiner Karriere war die Begegnung mit Marjana Lipovsek. "Sie hat sich enorm für mich eingesetzt, und die Zusammenarbeit mit ihr war, als ob ich ein zweites Mal von vorn beginnen dürfte. Für jeden jungen Künstler ist es wichtig, dass man einen guten Professor im Leben hat. Ich hatte sogar zwei!", strahlt Letonja und freut sich, dass Marjana Lipovsek bei seinem München-Debüt mit von der Partie ist.</P><P>In den Konzerten der Philharmoniker am Sonntag, 11 Uhr, Montag und Mittwoch, 20 Uhr, im Gasteig singt die Mezzosopranistin fünf Gesänge von Franz Schreker. Den Rahmen für diese Lieder bilden zwei ebenfalls nicht häufig gespielte Werke aus Russland: Mussorgskys "Johannisnacht auf dem kahlen Berge" in der Originalfassung und Tschaikowskys "Manfred"-Sinfonie.</P><P>Doch nicht nur das Ausgefallene lockt Marko Letonja, auch die Neue Musik. "Ich habe eine Vorliebe für sie, denn wenn man diese Werke uraufführt, hat man eine immense Verantwortung für das, was anschließend mit ihnen passiert." Der sich Marko Letonja mit allen Kräften stellt. Demnächst in Basel.</P>

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