Zwiesprache halten

- Ein karger, fremd schmeckender Zwischengang im Menü der Opern-Schlemmereien: Im Rahmen von Festspiel+ sang der Choir of Clare College Cambridge unter Ivor Bolton in der Herz-Jesu-Kirche englische Chormusik geistlicher Provenienz und aus nur zwei Epochen.

<P>Fast 500 Jahre trennten die zwei großen Werke voneinander, die "Western Wynde Mass" des Renaissance-Komponisten John Taverner und die "Missa Tiburtina" des 1946 geborenen Giles Swayne - im archaische Energiestrom des lateinischen Messetextes fanden sich beide Stücke wieder nebeneinander. Die Palme trug - trotz der aus einer anderen Welt herübertönenden Sprödheit ihrer Quart-, Quint- und Oktavfortschreitungen - die alte Messe davon: In ihr schienen, von dem präzise artikulierenden und kraftvoll intonationssicheren Chor in fast tänzerische Schwingung gebracht, die Sphärenharmonien mit sich selbst Zwiesprache zu halten.</P><P>Swaynes Messe hingegen hat ihr Haltbarkeitsdatum bereits überschritten. Gesetzt in den Kontext schon fast wieder komisch wirkender Öko-Lyrik aus den 80ern, mischt sie afrikanische Rhythmen, archaisierende Motettenformeln und verfremdeten Sprechgesang - und blieb mit diesem gebrauchsmodernen Stil-Mischmasch seltsam nichts sagend. </P><P>Das Magnificat für Chor und Violoncello von Tarik O'Regan bewies, dass sich gregorianische Melodiefragmente und zeitgenössische Ausdrucksmittel durchaus zu expressiver Sinnlichkeit verbinden können. Um den weiteren Werken des Abends mehr Verstehen abringen zu können, hätte es doch mehr Informationen gebraucht: Ohne Vorstellung über den mystischen Hintergrund der Lyrik John Donnes blieben die reichen Vertonungen von Andrew Carter oder William Harris nur eingeschränkt zugänglich. <BR></P>

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