Zwischen Bedrohung und Groteske

- Nicht immer ist das wirklich drinnen, was außen draufsteht. Sehe man sich also vor, wenn man von einem der großen Musikerneuerer des 20. Jahrhunderts eine "Serenade" vorgesetzt bekommt mit so unschuldig wie verheißungsvoll klingenden Satzbezeichnungen wie "Menuett", "Marsch" oder "Tanzszene". Beschaulichkeit und altväterische Idylle waren Arnold Schönbergs Sache nicht. In seiner selten zu hörenden Serenade op. 24 für sieben Instrumente und Bariton bleiben, wie im Kammerkonzert der Münchner Philharmoniker im Alten Rathaussaal zu erleben, von den überlieferten Formen wenig mehr als die Hüllen. Die hat Schönberg mit einer Musik gefüllt, deren Radikalität auch nach über 80 Jahre zu irritieren, gelegentlich zu quälen vermag.

<P>Als sinnstiftend im Strudel von Atonalität und Zwölftonreihen erwiesen sich vor allem die wenigen Momente lyrischen Innehaltens, etwa das dunkel-zarte "Lied ohne Worte". Das exzellente Kammerensemble unter James Levine zelebrierte sie hingebungsvoll, Michael Volle brachte mit gut fokussiertem Bariton überzeugende Unruhe ins Petrarca-Sonett.<BR>Ludwig van Beethovens Es-Dur-Quintett für Holzbläser und Klavier war in der Dramaturgie des zu dicht gepackten Programms der Gegenpol klassischer Ausgewogenheit: Herrlich weicher Bläser-Wohllaut und Levines romantisch-fülliges Klavierspiel ließen aber Aggressivität und Subversion des jungen Beethoven weitgehend unter den Tisch fallen.</P><P>Blieb nach Schönbergs Klavierminiaturen op. 19, von Levine verinnnerlicht-dicht vorgetragen, der "Pierrot lunaire", damit erneut nicht allzu viel Serenaden-Gemütlichkeit aufkam. Seinen doppeldeutigen Tonfall zwischen der Bedrohlichkeit "finstrer, schwarzer Riesenfalter" und der Groteske von Pierrots Bratschenständchen trafen die Musiker genau und mit sichtlichem Vergnügen an der Sache. Annegeer Stumphius' klangschöne Stimme erweckte den Sprechpart zu frivolem Leben, ohne übers Maß zu karikieren.<BR></P>

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