Zwischen Bond und Bühne

München - Karin Dor steht in München auf der Bühne. Am Mittwoch hat "Man liebt nur dreimal" an der Komödie im Bayerischen Hof Premiere.

"Ich bin vom Glück verwöhnt", sagt Karin Dor (70), blickt sie zurück auf ihre außerordentliche Karriere als Film- und Theaterschauspielerin. "Es fiel mir in den Schoß!" Mit einem "sehr, sehr guten Gefühl" erinnert sie sich an ihre Rollen in Edgar Wallaces Krimis oder als Winnetous geliebte Ribanna. Allerdings habe sie die filmischen Meilensteine, für die sie heute noch bewundert wird, damals gar nicht so geschätzt. "Wenn man jung ist, denkt man, das muss so sein."

Für Alfred Hitchcocks "Topas" (1969) wurde sie sehr spontan - die Dreharbeiten in Florida hatten schon begonnen - noch als Juanita engagiert und reiste unbeschwert mit einem viel zu kleinen Köfferchen an. "Da habe ich gesagt: ,Mr. Hitchcock, I have to go back. I have nothing to wear. Er sagte: ‚Dann gehen Sie doch einkaufen und schicken Sie uns die Rechnung. Welche Frau lässt sich das nicht gerne sagen?" Dor schmunzelt. "Aber ich war sehr bescheiden, ich hab's nicht ausgenutzt." Der Dreh mit Hitchcock sei ein unwahrscheinlicher Gewinn gewesen, schwärmt die lebhafte Schauspielerin. "Er war eine tolle Persönlichkeit und sehr intelligent." Nie wieder habe sie an einem Set solch eine totale, respektvolle Stille erlebt.

Und was ist mit ihrem Nachruhm als einziges deutsches Bond-Girl? Auch vor diesem Dreh habe sie eigentlich lieber in Urlaub fahren wollen: "Da war ich sauer!" Sie hatte noch nie einen Bond-Film gesehen, "weil ich gar keine Agentenfilme mag". Im Nachhinein sei es natürlich sehr schön gewesen, "Man lebt nur zweimal" (1967) mit Sean Connery zu drehen. "Aber das hält man für selbstverständlich, wenn man jung ist. Das habe ich gemerkt: Wenn man sich nicht danach drängt, dann klappt's immer. Das habe ich meinem ersten Mann zu verdanken, der immer gesagt hat, wenn es mal nicht klappte mit einer Rolle: ‚Wer weiß, wozu es gut war? Das ist eine gute Einstellung, die habe ich mein ganzes Leben beibehalten."

Aus dieser Einstellung und aus ihrer großen Liebe zum Theater zieht Karin Dor schier unerschöpfliche Energie. Gerade erst stand sie in Köln drei Monate lang auf der Bühne, mit nur zwei freien Tagen und doppelten Vorstellungen am Wochenende. Das sei auch eine Gewohnheitssache, winkt sie bescheiden ab. Nun wird sie zum dritten Mal in der Komödie im Bayerischen Hof auftreten, mit einem eigens für sie geschriebenen Stück, das schon im Titel dem einstigen 007-Liebling zuzwinkert: "Man liebt nur dreimal". Premiere ist am 27. August.

Die jung gebliebene Isabella hält sich darin gleich drei Liebhaber: einen Musikkritiker, einen Kardiologen und einen Haushälter. Das klappt für die Gegenwart ganz gut. Doch was, wenn diese Männer Zukunftspläne schmieden und noch dazu die Vergangenheit Isabella wieder einholt? Eine turbulente, pointenreiche Komödie nimmt ihren Lauf. Es sei aber kein Schenkelklopfstück, betont Dor, die sich im Werk ihres befreundeten Autorenpaars Gunther Beth und Barbara Capell durchaus wiederfinden kann: "Es bezog sich vom Titel her auch auf meine drei Ehen. Und Gunther Beth weiß, dass ich zwar ein sehr treuer, aber auch ein sehr freiheitsliebender Mensch bin. Er hatte ja jahrelang - wir sind seit 21 Jahren immer wieder auf Tournee - Zeit, mich kennenzulernen."

Das Rezept für Dors drei Lieben war die Distanz zwischen Kalifornien, wo sie bis zum Tod ihres dritten Mannes lebte, und Deutschland, wo sie meist drehte und spielte und wonach sie sich stets sehnte. "Ich liebe unser Land, es ist einfach ein Traumland." Wegen seiner gewachsenen, lebendigen Städte, wegen der unberührten Natur und der kleinen Bauerndörfer. Und Amerika - die Traumfabrik? "Diese Träume werden nicht alle erfüllt", gibt Dor zu bedenken. Als junger deutscher Schauspieler heute eine Karriere in den USA anzustreben, sei ungemein schwer. "Das Angebot ist so groß. Da muss jemand schon eine unwahrscheinliche Ausstrahlung haben und sehr begabt sein." Umgekehrt, als Dor es geschafft hatte, pro Jahr vier bis fünf (!) Filme drehte und dennoch den Wunsch äußerte, ans Theater zu gehen, riet ihre Agentin ab. "Und da hat sie Recht gehabt: Man wird ja nicht jünger, da muss man die Zeit nutzen, in der man gefragt ist."

"Die Jugend wird doch erst interessant ab fünfzig, wenn man sich jeden Tag neu erobern muss", sagt Isabella im Stück. "Es ist in jedem Alter wichtig, dass man versucht, sich neu zu erobern", sagt Karin Dor. "Aber gerade in einem gewissen Alter muss man schon einiges tun, um das Leben noch zu genießen. Dazu gehört auch, dass man sich nicht gehen lässt." Seit sie dies auf ihrer ersten Tournee erkannt hatte, ließ sie die Jeans zuhause. "Wir wurden dann auch das Kaschmir-Ensemble genannt, Biederstaedt, Beth und ich." Also spielt Alter keine Rolle - weder für Isabella noch für Karin Dor? "Nein. Und das finde ich ganz prima: Das Stück gibt vielen Frauen in meinem Alter Hoffnung, dass es noch möglich ist, Verehrer zu haben."

Karten:

Reservierung 089/29 16 1633.

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