Zwischen Chaos und Rettung

- Die Spielzeit 2006/ 07 wurde von ihm schon fertig geplant, auch Teile der darauf folgenden. Doch zu einer Intendanz von Christoph Albrecht an der Bayerischen Staatsoper wird es nicht kommen: Eineinhalb Jahre vor seinem Amtsantritt will sich das Kunstministerium von ihm trennen und sucht nun nach einem Ersatz - ein in der Opernszene bespielloser Vorgang.

<P>Während sich Ministerium und Albrecht zur "vorzeitigen Auflösung des Intendantenvertrags" in Schweigen hüllen, kursieren viel sagende Gerüchte: Albrecht, derzeit Präsident der Bayerischen Theaterakademie, sei mit der Führung eines Hauses wie der Staatsoper überfordert, Worte wie "Planungschaos" fallen, sodass die Notbremse gezogen werden musste.</P><P>Übergangsphase mit Kent Nagano als Direktor</P><P>Eigentlich sollte sich der Wechsel am Max-Joseph-Platz nahtlos vollziehen. Nach dem Abgang von Sir Peter Jonas (Intendant) und Zubin Mehta (Generalmusikdirektor) waren Christoph Albrecht und Dirigent Kent Nagano ab September 2006 als Nachfolger vorgesehen. Da nicht sofort ein Albrecht-Ersatz bereit steht, kommt es nun zu einer Übergangsphase: Das Direktorium mit Ronald H. Adler, Roland Felber und Ulrike Hessler plus Kent Nagano als geschäftsführendem Operndirektor bestimmen die Geschicke des Hauses. Bis der renommierte "Retter" verpflichtet ist.</P><P>Und hier bieten sich gleich mehrere Namen an: Eine höchst verführerische Alternative wäre Pamela Rosenberg, Ex-Chefdramaturgin in Stuttgart und nun kurz davor, die Oper von San Francisco zu verlassen. Auch Klaus Zehelein, Stuttgarter Opern-Prinzipal und eigentlich ab 2006 als Präsident der Bayerischen Theaterakademie vorgesehen, wäre denkbar. Aber heißester Kandidat ist wohl Klaus Bachler (53), Chef des Wiener Burgtheaters. Sein dortiger Vertrag läuft zwar bis 2009, doch zeigt Bachler schon länger Abwanderungsgelüste. Für den Chefposten bei den Salzburger Festspielen hat er sich beworben, worauf ihn das Wiener Kultusministerium, Salzburg traditionell in herzlicher Abneigung verbunden, zurückpfiff: Man werde Bachler nicht vor 2009 freigeben. Auch die Oper in Los Angeles umwarb den gebürtigen Steiermärker - vergeblich.</P><P>Seit 1999 ist Bachler, der sich als Schauspieler am Reinhardt-Seminar ausbilden ließ, Direktor der "Burg". Zuvor war er Chef der Wiener Volksoper und der dortigen Festwochen. An der Volksoper präsentierte er ein höchst ambitioniertes Repertoire, das er dem skeptischen Publikum mit Sängerstars schmackhaft machte. Um die Finanzen seines Burgtheaters steht es derzeit nicht zum Besten: Tarifsteigerungen und Sanierungen schlagen zu Buche, und der Staat hält das Haus weiterhin kurz. Angesichts dieser Tristesse wäre also ein Wechsel Bachlers durchaus vorstellbar - zumal er sich jüngst auf einer Wiener Pressekonferenz verplapperte: "Mein Vertrag läuft länger, als mir lieb ist."</P><P>Für Christoph Albrecht (60) ist diese Entwicklung ein großer persönlicher Rückschlag. 1991 kam er, früher Betriebsdirektor des Hamburger Balletts, als Intendant an die Dresdner Semper-Oper, die er bis 2003 führte. Danach folgte er einem Ruf an die Bayerische Theaterakademie und wollte seine Karriere mit dem Posten an der Staatsoper krönen.</P><P>Peter Jonas bleibt dem Haus als Berater erhalten<BR><BR>Die Trennungsverhandlungen werfen allerdings auch kein gutes Licht auf das Kunstministerium: Der frühere Amtschef Hans Zehetmair wollte Kent Nagano auf Biegen und Brechen nach München holen. Und suchte dafür einen "passenden" Intendanten, den er dem Star-Dirigenten  zur  Seite stellen konnte. Es gab mehrere Absagen. Und offensichtlich eine schnelle, wie sich jetzt zeigt, unüberlegte Verpflichtung von Christoph Albrecht, die letztlich zu Lasten des Steuerzahlers geht. Denn als sicher gilt, dass sich Albrecht nicht mit einer dürren Kündigung zufrieden geben, sondern auf eine Auszahlung und damit gut dotierte Entschädigung pochen wird - die ihm rechtlich auch zusteht.</P><P>Paradox an der ganzen Situation ist, dass Peter Jonas nun doch der Bayerischen Staatsoper erhalten bleibt. Immer wieder hatte er in den letzten Jahren betont, nach dem August 2006 sei für ihn unwiderruflich Schluss mit dem Kulturmanagement. Doch nun ließ er verlautbaren, er würde "einer interimistischen Leitung auch nach Beendigung seiner Intendanz ehrenamtlich beratend zur Seite stehen". </P>

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