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Szenisch eher konservativ, geht „Montezuma“ (mit Thomas Diestler in der Titelrolle und Nastasja Neumann als Montezumas Tochter Teutile) musikalisch neue Wege.

Zwischen Federschmuck und Elektro-Klängen

Halfing - Beim Opernfestival auf Gut Immling inszenierte Ludwig Baumann mit überzeugenden Solisten Vivaldis selten gespielte Oper „Montezuma“.

Mögen die Festspiele auf Gut Immling nach wie vor als Hochburg der italienischen Oper gelten, hat sich neben den Klassikern seit einiger Zeit eine Schiene mit Ausflügen in die Barockzeit etabliert. Wobei man heuer auf eine veritable Rarität setzte: Vivaldis 1733 in Venedig uraufgeführter „Montezuma“, basierend auf den historischen Ereignissen um die Eroberung Mexikos durch den Spanier Cortés und den legendären Aztekenherrscher. Ludwig Baumann stemmte das Stück in Personalunion als Regisseur und Ausstatter auf die Bühne.

Damals, als erste Oper mit dem exotischen Schauplatz Südamerika, eine kleine Sensation, geriet „Montezuma“ – wie die meisten Opern Vivaldis – bald in Vergessenheit. Erst vor Kurzem wurden Teile der Partitur wieder entdeckt, die man seither auf unterschiedlichste Weise vervollständigte. Wo sich die Immlinger Inszenierung szenisch mit viel Federkopfputz und Jaguarfell eher auf der konservativen Seite bewegt, geht man musikalisch ungewöhnlichere Wege, indem man die Originalmusik mit elektronischen Klängen der beiden Mittzwanziger Daniel Hermann-Collini und Camila de Laborde anreichert. Eine Art von „Vivaldi Remixed“, die mal mehr, mal weniger gut funktioniert. Denn selbst wenn die Neukompositionen den instrumentalen Passagen teils einen interessanten Beat verleihen oder das Geschehen mit Videoprojektionen und live gefilmten Nahaufnahmen der Sänger atmosphärisch verdichten, gibt es leider auch andere Momente, wie das kämpferische Terzett im zweiten Akt, in denen das Ganze unpassend wirkt. Was schade ist, da Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock nicht nur hier mit viel Elan an die Sache herangeht und mit historisch informiertem Klangideal ein flammendes Plädoyer für das Werk hält.

Über jeden Zweifel erhaben zeigen sich die Solisten. Wobei Anna Brulls männlich kraftvoller Cortés am Ende auch in vokaler Hinsicht über Titelheld Thomas Diestler triumphiert, dafür aber durch Aztekenkönigin Mitrena starke Konkurrenz erhält, in deren virtuosen Arien der warm timbrierte Mezzo von Antonela Barnat seine volle Strahlkraft entfaltet. Als Liebespaar zwischen den Fronten dürfen Derek Rue in der Rolle des Cortés-Bruders und Nastasja Neumann als Montezumas Tochter in Herzschmerz schwelgen, während Sarah Zhai Strauss als kämpferischer Asprano ein spektakuläres Feuerwerk von Koloraturen abbrennt.

Tobias Hell

Letzte Vorstellung

am 1. August;

Telefon 08055/ 90 34 0.

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