Zwischen Frauenwahlrecht und Trockenhaube

- Verraucht, verrucht, vergoldet. Und dann so jäh gedämpft in ihrer süßen Leichtigkeit durch einen bitterschweren Krieg. Die Luft, die die Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts umweht, ist nicht bloß erfüllt von nostalgischem Tabaknebel, doch nur allzu gern lässt man sich von diesem einlullen.

<P>Während die mondäne Dame mit dem Diamantring auf der Manoli Gold-Reklame genüsslich und auch ein bisschen lasziv an ihrer Zigarettenspitze zieht, drehen sich im Hintergrund glänzende, glitzernde Kleider um sich selbst; zwar stehen die Instrumente der Musiker verlassen, doch aus dem Off singt leise schwingende Musik.</P><P>Es ist wieder diese sehr private, die Sinne vereinnahmende Atmosphäre, welche den Präsentationen des Münchner Stadtmuseums ja häufig zu Eigen ist - auch in der Ausstellung "Die Zwanziger Jahre" im Modemuseum ist sie gegenwärtig. Hier klopft das Herz einer aufgeregten, fröhlichen, nun beinahe hundert Jahre alten Zeit.</P><P>Das Stadtmuseum hat es allein aus seinen eigenen großen Beständen wieder belebt; das historische Augenmerk liegt dabei "zugunsten des Charmes von Pailletten und Perlenfransen" vor allem auf der charakteristischen Damenmode der Zwanziger, aber auch auf Kunstgewerbe und Graphik. Auf einer großen Zeittafel behält der Betrachter zusätzlich das Zeitgeschehen im Auge.</P><P>Während 1919 das Frauenwahlrecht mit 21 und das Bauhaus, 1925 der Charleston und drei Jahre später auch Trockenhaube, Föhn und elektrischer Lockenwickler in Deutschland Einzug halten, werden die Kleider kürzer und die Schnitte raffinierter, entstehen feine Modegraphiken und elegante Kaffeeservices, berichten die "Elegante Welt" und "Die neue Linie" vom neuesten gesellschaftlichen Chic.</P><P>Neid auf die Kleider von gestern</P><P>Abend-, 5-Uhr-Tee-, Revue- und Tanzkleider aus Chiffon, Samt, Satin und Spitze, Seidencrê^pe-Georgette oder Viscosecrê^pe-de-Chine, gerafft, bestickt, ausgefranst und durchbrochen - in abenteuerlicher Fülle lässt das Modemuseum die augenscheinlich mal mehr, mal weniger "Roaring Twenties" wahrhaft Revue passieren. Da können einen heute, so kurz vor den nächsten Zwanzigerjahren, die Kleider von gestern nur neidisch machen. Vor den Vitrinen des Modemuseums ist aber nun wenigstens ein Schaufensterbummel möglich.</P><P>Bis 5. März 2006. Di.-So. 10-18 Uhr. Info: 089/ 23 32 23 70. Katalog: 23,90 Euro.</P>

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