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Seine andere große Leidenschaft: Lorin Maazel gilt als hochachtbarer Geiger.

Thielemann-Nachfolge

Zwischen Glamour, Geige und Rinderfarm

München - Er soll bald Chef der Münchner Philharmoniker und damit Thielmanns Nachfolger werden. Doch wer ist eigentlich Lorin Maazel, der am 6. März seinen 80. Geburtstag feiert?

Es gibt wohl keinen zweiten Dirigenten, der so unterscheidet zwischen Beruf und Privatleben. Beruflich ist Lorin Maazel (79) seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Dirigenten der Welt, berühmt für seine Technik, berüchtigt für seine Gagen. Knapp 2,5 Millionen Euro pro Saison soll Maazel beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks kassiert haben, dem er zwischen 1993 und 2002 vorstand.

Jetzt soll er der Nachfolger von Christian Thielemann werden, offenbar drei Jahre lang die Münchner Philharmoniker leiten, bis das Orchester den richtigen Neustart wagt. Noch wird verhandelt, aber ein Coup wäre die Verpflichtung des Altmeisters auf jeden Fall. Doch wie schaut es privat aus?

Maazel, der am 6. März 80 wird, hatte schon von klein auf mit Musik zu tun. Sein Vater war Sänger, die Mutter Pianistin, der Großvater Konzertmeister in Moskau und später an der Met in New York – also jener Stadt, wo Maazel bis letztes Jahr nach seinem BR-Engagement als Chef der dortigen Philharmoniker tätig war.

Atemberaubend: Schon als Neunjähriger stand er erstmals am Pult – und dirigierte Schuberts „Unvollendete“. „Little Maazel“ wurde zum Kinderstar, der große Toscanini lud ihn ein, zwei Konzerte des New Yorker Radioorchesters zu leiten. Da war Lorin gerade mal elf. Maazel gilt als Analytiker der Musik – oft genug klingt es kühl, wenn er die Großen interpretiert.

Der Mathematik gilt eine seiner vielen Interessen: Mit 16 begann er, in Pittsburgh Mathematik, Philosophie und Sprachen zu studieren. Auch für den geliebten Fußball war genug Zeit. Doch schließlich siegte die Musik. Und das zunächst mit den Verlockungen der Geige. Als Kind war Lorin Maazel auf diesem Instrument ausgezeichnet und erwog sogar eine Solokarriere, bevor er dann endgültig und gewinnbringend zum Taktstock griff.

Zweimal war der US-Pultstar verheiratet, bevor er 1986 der deutschen Schauspielerin Dietlinde Turban das Jawort gab – die mancher noch von ihren Auftritten aus dem Münchner Residenztheater kennt, wo sie mit 19 Jahren als Gretchen im „Faust“ debütierte. Nach der Hochzeit legte Turban eine lange Pause ein, zog die drei gemeinsamen Kinder Leslie, Orson und Tara groß.

Seit 2003 ist sie wieder fürs Fernsehen aktiv, so etwa in „Der Thronfolger“ mit Maria Schell oder einer „Soko 5113“- Folge. Die Familie lebt hauptsächlich in Virginia, wo die Maazels eine Farm haben. Das Gebäude umfasst acht Schlafzimmer, einen Swimmingpool und eine Bowlingbahn.

„Ich sah mich einmal als eine Art Solschenizyn der Dirigenten“, sagte Maazel vor vier Jahren der Baltimore Sun. „Ich baute eine Mauer, niemand würde mich sehen. Aber ich bin nicht wirklich der Typ, der sich von der Außenwelt abkapselt.“ Und so kam’s, dass Maazel auf seinem Anwesen immer wieder junge musikalische Talente fördert. Ort: das sogenannte Theatre House, ein ehemaliger Hühnerstall für 15 000 Tiere.

Heute ist alles mit Holz verkleidet – und ein Restaurant gibt es hier auch. Ein Idyll, dieser Platz mit rund 222 Hektar Fläche, auf dem es unter anderem auch ein Zebra, Lamas, Emus, einen Esel und einen „Zesel“ gibt – da kamen sich ein Esel und ein Zebra zu nah. Zudem tummeln sich, typisch für eine Farm in Virginia, auch 150 Rinder auf den Feldern. Weitere Wohnsitze haben die Maazels in München, Monaco und New York. Den Münchner Wohnsitz wird er wohl bald wieder häufiger aufsuchen.

Matthias Bieber

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