Zwischen Orient und Okzident

- Die Zeit der Entertainer ist vorbei. Auf der Frankfurter Buchmesse, die von heute bis zum 10. Oktober ihre Tore geöffnet hat, zieht wieder der Ernst des Lesens ein. Kein Bohlen mehr hinter irgendeiner Feldbusch, kein Küblböck auf 'nem Effenberg. Höchstens noch Jan Ulrich und Franziska van Almsick, die - genau wie mittlerweile im wirklichen Profi-Leben - nun auch mit ihren Büchern etwas verspätet durchs Ziel trudeln.

<P>Mit der Einladung der arabischen Welt als Gastland ist die Frankfurter Buchmesse wieder in ein verstärkt politisches Fahrwasser geraten. Die Veranstalter haben sich vorgenommen, den Dialog zwischen den Kulturen anzuschieben. Und Buchmessen-Chef Volker Neumann spricht angesichts wachsender Entfremdung zwischen Orient und Okzident vom "mit Abstand spannendsten Gastland". Und spannend war es bereits im Vorfeld. Jüdische Organisationen haben Demonstrationen angekündigt. Der Pavillon, in dem sich die arabischen Länder präsentieren, dürfte ein größeres Interesse beanspruchen als in all den Jahren zuvor.<BR><BR>Es war die Arabische Liga selbst, die die Initiative für diesen Auftritt ergriffen hatte. Generalsekretär Amre Mussa will Frankfurt als Gelegenheit nutzen, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass der arabisch-islamische Kulturkreis nicht nur gewaltbereite religiöse Fanatiker hervorbringt.<BR><BR>Insgesamt nehmen 22 Länder der Arabischen Liga an der Buchmesse teil. Nur Libyen, Marokko, Algerien, Kuweit und der Irak sind offiziell nicht dabei. Was nicht heißt, dass aus diesen Ländern keine Schriftsteller in Frankfurt wären. 200 arabische Autoren, Künstler und Politiker statten der Buch-Metropole einen Besuch ab. Darunter sind neben Literatur-Repräsentanten aus der Region wie zum Beispiel der Palästinenser Mahmud Darwisch auch im Exil lebende Künstler wie der Marokkaner Tahar Ben Jelloun oder die Algerierin Assja Djebar.<BR><BR>Natürlich wird es im Buchmessen-Programm diverse Veranstaltungen geben, die sich mit den Menschenrechtsfragen in der arabischen Welt befassen, die die Rolle der Frau in jenen Ländern diskutieren sowie viele andere Themen, die der Islam aufwirft. Das lässt die Messe - und das ist ihre Kehrseite - fast zu einer Festung werden. Die Sicherheitsvorkehrungen sind jedenfalls stärker denn je. Nicht nur wegen der inländischen politischen Prominenz mit Kanzler Schröder an der Spitze. Unter anderem auch, weil sich Ägyptens First Lady, Suzanne Mubarak, die Ehre geben wird.<BR><BR>"Die Arabische Liga ist das mit Abstand spannendste Gastland."<BR>Volker Neumann, Buchmessen-Chef</P><P>Die Veranstalter verbreiten Optimismus. Die Zahlen sprechen für sich: Etwa 6 700 Aussteller aus über 110 Ländern präsentieren rund 350 000 Bücher auf insgesamt 170 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Die Branche erwartet  in  diesem Jahr erstmals wieder eine "schwarze Null", verkündet Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Und Buchmessendirektor Volker Neumann hebt die Veranstaltung als "internationale Leitmesse" hervor. Aber man dürfe sich, wenngleich die Zahl der Aussteller erneut gestiegen ist, nicht auf dem Erfolg ausruhen. Noch immer, so Neumann, seien zu wenig chinesische Verlage vertreten. Und auch in Korea gebe es noch erhebliches Potenzial. Korea allerdings wird 2005 Gastland sein.<BR><BR></P>

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