Zwischen Sehnsucht und Resignation

- Hexensabbat, vergebliche Liebe und das dunkle Seelengemälde eines empfindlichen Helden - nicht gerade leichte Kost, die die Münchner Philharmoniker ihrem Publikum in der jüngsten Konzertfolge in der Philharmonie boten: Modest Mussorgskys "Johannisnacht auf dem Kahlen Berge", Franz Schrekers "Fünf Gesänge für tiefe Stimme und kleines Orchester" und Peter Tschaikowskys "Manfred"-Sinfonie h-moll.

Doch der slowenische Gastdirigent Marko Letonja, der erstmals am Pult der Philharmoniker stand, verlieh dieser schweren Thematik Spannung und Leichtigkeit. Erstaunlich, mit welcher Willigkeit und Präzision der städtische Renommierklangkörper dem hünenhaften Enddreißiger folgte, der ab August 2003 Chefdirigent beim Sinfonieorchester Basel wird. Letonja dirigiert elegant, aus dem Körper heraus federnd mit dezenter Kraft und Leidenschaft, aber nie aufdringlich.<BR><BR>Wunderbar transparent gelang es ihm in Mussorgskys einsätziger Johannisnacht-Schilderung, das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Klangebenen aus Seelenmalerei, Traum und Lebensgefühlen auszuloten. In Schrekers Gesängen, die auf einen Text aus "1001 Nacht" und vier Gedichten von Edith Ronsperger basieren, bewies Letonja viel Feingefühl im Umgang mit Orchester und Solistin. <BR><BR>Marjana Lipovsek, die wie Letonja aus Slowenien stammt, ließ er in der sensiblen Tonmalerei um Sehnsucht, Abkehr, Einsamkeit, Resignation und Tod viel Raum. Dass die Lipovsek mit ihrem angenehm rund geführten Mezzo in der Höhe teils metallisch klang und von der Artikulation nicht immer verständlich war, lag nicht in Letonjas Macht.<BR><BR>Nuancierter hätte ihm schließlich die Interpretation von Tschaikowskys klangfarbenreichem Selbstporträt in der "Manfred"- Sinfonie kaum gelingen können.<BR>

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