Zwischen Stilen und Zeiten

- Die zeitgenössische Musik bildet einen besonderen Schwerpunkt in der Orchesterarbeit der Kremerata Baltica unter Leitung ihres Gründers Gidon Kremer. Das beim Gastspiel des Ensembles in der Münchner Philharmonie mit Kremer und Tatjana Grindenko als Solisten gespielte Concerto grosso Nr. 3 von Alfred Schnittke aus dem Jahr 1985 war denn auch das spannendste Werk des Abends.

Schnittke zitiert hier Musik vergangener Zeiten, die er in zeitgenössische, die gefährliche und unsichere Gegenwart widerspiegelnde Klang-Ereignisse einbindet. Die Musik ist in diesem fünfsätzigen Werk keine klagende, sondern sie kreist häufig feinsinnig meditativ um den nostalgischen Kern. Dabei faszinierte der Schwebezustand zwischen den einzelnen Stil- und Zeitebenen und der präzise Wechsel zwischen Piano und Forte. Assoziationsfelder zu schaffen, das ist mit dieser Interpretation gelungen. <BR><BR>Aus der meditativen Stimmung herausgerissen wurde man anschließend durch das d-moll Konzert für Violine, Klavier und Streichorchester von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Auch hier übernahm Gidon Kremer den Geigensolopart und hatte diesmal die junge kanadische Pianistin Naida Cole zur Seite. Im Kontrast zu ihrer Zartheit stand ihr kräftiger Anschlag. Straffe Tempi kennzeichneten das Werk, Exaktheit und Ensemblegeschlossenheit dominierten in den drei Sätzen. Jedoch irritierte das mechanisch wirkende Spiel von Naida Cole. Gewiss verlangen die weitgehend rasanten Tempi hohe Konzentration, dabei muss es aber an Emotionalität nicht fehlen. Die sich im vierten Satz andeutende "Sommernachtstraum"-Musik war nicht zu vernehmen. <BR><BR>Franz Schuberts G-Dur-Streichquartett D 887 macht es vom Anspruch und der Komplexität her bereits in der Quartett-Version Instrumentalisten und Publikum nicht leicht. Die nach der Pause gespielte Orchesterfassung von Victor Kissine geriet der Kamerata Baltica zwar perfekt, offenbarte aber statt tieferer Details opulenten Flächenklang.

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