Roger Moore ist tot: James-Bond-Darsteller an Krebs gestorben 

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Zwischen Tanz und chiropraktischer Behandlung

- Sich nicht vortanzen lassen, sondern selber getanzt werden": mit diesem Credo, mit Stücken, die den Zuschauer aktiv bewegt in die Choreographie hereinholen, verstörte Felix Ruckert ab den frühen 90er-Jahren selbst das zeitgenössisch abgehärtete Publikum, traf andererseits direkt den Nerv der körperbewussten Fitness- und Wellness-Ära. Inzwischen hat Ruckert sich durchgeboxt zu internationaler Anerkennung. Zum vierten Mal ist der Wahl-Berliner Ruckert Gast in München, auf Initiative von Walter Heuns Joint Adventures diesmal als "Choreograph in Residence".

Sie haben bei Pina Bausch und Wanda Golonka getanzt. Man weiß von Ihren jüngsten Choreographien für das Ballet de l'Opéra du Rhin, für das Vietnam National Ballet und das Star Dancer Ballet in Tokio - aber so gar nichts über Ihre Herkunft . . .

Ruckert: Ich komme aus Bayern, aus Mespelbrunn. Mein Vater war Musiklehrer, meine Mutter spielt Orgel, immer noch. Bis zum Abi habe ich mit elf anderen jungen Leuten in einer Art Musik-Kommune gelebt, auf einem Hof, mit zwei Hektar Land und Kleinvieh. Nach Berlin bin ich eigentlich, weil man dort Zivildienst machen konnte. Nahm dann Unterricht in Jazz, Graham-Technik und auch Ballett. Für die Musik wäre ich zu ungeduldig gewesen. Und ich hatte immer schon Lust, etwas mit dem zu Körper machen.

Von 1984-88 dann die Essener Folkwanghochschule.

Ruckert: Eine interessante Periode. Leute wie Wanda Golonka und Joachim Schlömer waren Mitstudenten. Pina Bausch war ja damals Leiterin . . . Die tänzerische Präsenz in ihren Stücken, die Emotionen, das ist ein ganz wichtiges Element. Aber für mich ist ihre Arbeit zu tragisch, man kann auch auf anderem Wege auf diese Qualitätsebene kommen.

Wann passierte dieser Klick hin zu anderem?

Ruckert: Eigentlich schon während meines Bausch-Engagements. Wir hatten als Improvisationsthema den Begriff "fremd". Ich ging runter auf die Straße und schleppte in die Probe - bei Pina ja so etwas wie ein geheiligter Ort - einen wildfremden Menschen. Für die anderen Mitglieder ein totaler Schock. Das ist meine Stärke, dass ich relativ mutig bin und eingefahrene Codes aufbreche. Und das hat im Grunde die Idee zu "Hautnah" gegeben: Tanz jeweils nur für einen einzigen Zuschauer.

Später kam es dann schon zu Tänzer-Zuschauer-Interaktionen. In "Secret Service" wurden die Zuschauer bei verbundenen Augen bewegt und in "Deluxe Joy Pilot" erhielten sie sogar chiropraktische Behandlung. Grenzt das nicht an Therapie?

Ruckert: Und wenn . . . Kunst kann Therapie sein und umgekehrt. Ich mache keine Trennungen. Wenn jemand "Secret Service" als Therapie empfindet, dann, weil er eine solche sucht. Das Stück selbst hat keine therapeutische Funktion. Es vermittelt Tanz und zwar mit der Zugabe von "celebration" im Sinne von John Cage, von Feier, von Spaß. Der Zuschauer muss dazu etwas mehr mitbringen, als nur dazusitzen. Er gibt immerhin die Impulse, die jedoch von dem ihn führenden Tänzer verstärkt werden. Ohne dass es dem "Zuschauer" bewusst wird, lädt er sich gleichsam das Körpergefühl seines Tänzer-Führers herunter und bekommt so ein Gefühl, ein Bewusstsein von Bewegung in Zeit und Raum. Um diese direkte Vermittlung von Tanz geht es mir, genau so dringlich übrigens, wenn da auch rein über die visuelle Wahrnehmung, in meinen nicht-interaktiven Arbeiten. Die sind halt nicht so populär. Darum bin ich Walter Heun sehr dankbar, dass jetzt auch rein choreographische Arbeiten gezeigt werden.

Ihr "Love Zoo", das Sie jetzt mit Münchner Tänzern erarbeiten, versteht sich als "spielerische Promiskuität" . . .

Ruckert: Für mich ist Sex umfassender, als was man gewöhnlich damit meint: ein Kontakt mit den verschiedensten Menschen, auf spielerische Weise. In "Love Zoo" kann man zusehen oder mitmachen. Am Anfang sind es nur drei, vier Mutige. Aber erfahrungsgemäß werden es mehr und mehr, weil die Zuschauer sehen, dass es Spaß macht.

Und macht es denn Ihren Tänzern Spaß?

Ruckert: Die reißen sich drum; es ist eine Herausforderung. Ein Tänzer, der nach innen gehen kann, kann auch gut nach außen strahlen.

Das Gespräch führte Malve Gradinger

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