Zwischen Woityla und Loriot

- Man will's nicht glauben: das Boulevard-Theater als moralische Anstalt? Münchens Komödie im Bayerischen Hof hat sich eines Themas angenommen, das - in seinen prekären Problem-Aspekten - letzthin immer wieder für Schlagzeilen sorgt, nämlich der "drei großen ,K"". Um die "katholische Kirche in der Krise" geht es in dem Zwei-Personen-Stück von US-Autor Bill C. Davis. Soll(te) es gehen. Wo nicht, wäre "Blacky" Joachim Fuchsberger immer noch eine Attraktion als "Der Priestermacher".

<P>Klar: Wenn der Altstar mit dem schlohweißen Haar im Messgewand von der Kanzel dieses (von Marouan Dib hyperdröge protestantisch!) braun getäfelten Kirchenraumes unter seinen weihnachtsmännischen Brauenbuschen Gütig-Blicke ins (Gläubigen-)Parkett richtet - dann sehen wir, theatral gewertet, einen Bilderbuch-Hirten. Physiognomisch direkt zwischen Papst Woityla und Loriot.</P><P></P><P>Rein optisch gibt auch Ralf Bauer einen sauber gewaschenen Seminaristen. Der, noch voll jugendlichem Kraftüberschuss, muckt auf gegen alles, worin Fuchsbergers Pfarrer Fabricius und dito Klerus-Kollegen sich gemütlich eingerichtet haben: die Worthülsen-Predigten, die Bequemlichkeits-Kompromisse und -Lügen. Im erzieherischen Gerangel wird der fuchsschlaue Mentor schließlich von diesem unverdorbenen "Wahrheits-Freak" aus seinem wohl gepolsterten Pfründendasein zu neuem Kämpfergeist geweckt.</P><P>Ein klassischer Vater-Sohn-Konflikt, hier mal in Kasel und Soutane. Warum nicht, wenn so sympathisch verkörpert wie von Fuchsberger & Bauer? Nur: Die drei "großen K" schrumpfen da zu ganz kleinen. Gestreift wurden, gewiss: die Priesterweihe von Frauen, die Ehe zwischen gleichen Geschlechtern, das Zölibat. Jedoch: wie flüchtig-züchtig! Und sprachlich: auf bleiernen Füßen. Die deutsche Bearbeitung ist von Regisseur Helmuth Fuschl und dem Allrounder Joachim Fuchsberger selbst.</P><P>Offensichtlich hat ihr spürbar (allzu) ernstes Anliegen diese schwache US-Kirchenkritik in eine deutsche Bedachtsam- und Biederkeit absacken lassen. Film/TV-Ass Fuchsberger beweist sich ohne Zweifel, mit 75, als gewissenhafter, versierter Theaterschauspieler. Aber nur schwebeleicht hintergründiger Humor, nur spielerische Ironie hätten diesen so "frommen" Abend retten können.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gergiev und die Münchner Philharmoniker: Warum Bruckner?
Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker setzen ihren Bruckner-Zyklus mit der Achten fort. Eine Enttäuschung.
Gergiev und die Münchner Philharmoniker: Warum Bruckner?
Christine Nöstlinger ist gestorben
Die österreichische Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Dies bestätigte am Freitag der Residenz-Verlag in Wien. 
Christine Nöstlinger ist gestorben
Lebensprojekt München: Mariss Jansons bleibt bis 2024
Das ist auch eine kulturpolitische Entscheidung mit Blick auf den Konzertsaal: Mariss Jansons bleibt seinem Orchester ungewöhnlich lang erhalten.
Lebensprojekt München: Mariss Jansons bleibt bis 2024
Earth, Wind & Fire auf dem Tollwood: Im Boogie-Wunderland
Earth, Wind & Fire haben bei ihrem Konzert in der Toolwood-Arena eine mitreißende Show geliefert. Disco kann so einfach sein, findet unser Redakteur - eine Nachtkritik.
Earth, Wind & Fire auf dem Tollwood: Im Boogie-Wunderland

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.