Zwölf Jahre Qualität

- Gut, etwas handfester ist der Humor geworden. Direkter, auch routinierter. Doch zwölf Jahre nach der Premiere verströmt Dieter Dorns "Così fan tutte" noch immer unwiderstehlichen Charme. Eine delikat gezeichnete Tragikomödie bleibt diese Staatsopern-Produktion, aktuell gerade in ihrer Absage an jegliche Moden. Nur noch zwei aus der Ur-Besetzung sind dabei: Rainer Trost (Ferrando), der sich nach der Pause als "plötzlich erkältet" entschuldigen ließ.

<P>Und Dirigent Peter Schneider, der zwar weniger Mozart mit Biss bietet, dafür eine Deutung bester alter Schule: handwerklich souverän, mit milden Nuancierungen, dafür bedingungslos im Dienste der Sänger.</P><P>Die drei Neulinge fügen sich perfekt ins Konzept. Annette Dasch singt eine kontrollierte, stilistisch kluge Fiordiligi. Lyrisch grundiert ist ihre Stimme, gehaltvoll und ausbalanciert (auch in extremen Intervallen) und fähig zur dramatischen Expansion. So natürlich wie sie spielt, fällt sie keinen Deut hinter die bisherigen Besetzungen zurück, weckt vielmehr Wünsche: vielleicht mal eine Münchner Donna Anna? Auch Nikolay Borchev (Guglielmo), seit Herbst Ensemblemitglied, ist ein Naturtalent mit besten Prognosen. Der erst 24-Jährige erntet Sympathien als quirliger Sonnyboy, lässt überdies mit markantem, klangschönem und weich gefasstem Bariton aufhorchen.</P><P>Ann Murray, an diesem Hause sonst für Händel gebucht, gibt erstmals die Despina. Und das als lebensgestählte Zugehfrau, die durchblicken lässt, dass die Libido durchaus nicht erloschen ist. Ein Techtelmechtel mit Don Alfonso? Warum nicht, zumal der wieder von Thomas Allen mit der Grandezza eines ergrauten Don Giovanni über die Rampe gebracht wird.</P><P>Die herbe, aufgekratzte Dorabella von Daniela Sindram kontrastiert gut zur Schwester Fiordiligi. Sie kann am Ende ebenso viel Getrampel wie die Kollegen einheimsen. Als "Familienvorstellung" hatte die Oper den Abend annonciert. Die höchst interessierten Jugendlichen bewiesen: Auch ein solches Publikum goutiert vor allem Qualität. Und braucht gar keine billige Ranschmeiße à la Doris Dörries "Rigoletto"-Unfall.<BR></P>

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