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Sind Freunde einsam, sollte man sie auf jeden Fall darauf ansprechen. Es kann den anderen entlasten - und oft findet man zu zweit leichter einen Lösungsweg. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Lebenshilfe

Anfang 30 und einsam: Was Freunde tun können

Einsamkeit? Das wird doch erst im Alter ein Problem. Wenn die Kinder aus dem Haus sind und vielleicht der Partner stirbt. So könnte man denken. Tatsächlich fühlen sich laut einer Studie viele Anfang 30 einsam. Woran liegt das?

Bochum (dpa/tmn) - Viele kennen so etwas aus dem Freundeskreis: Da gibt es jemanden, der sehr viel allein ist. Manchmal ist es selbst gewählt: Jemand wohnt alleine, hat keinen Partner und ist bei Freunden sehr wählerisch.

Dann ist das Alleinsein oft gar kein Problem, derjenige braucht einfach nicht besonders viele soziale Kontakte, um mit sich und seinem Leben zufrieden zu sein. Es gibt aber auch die anderen, die zum Beispiel durch einen Umzug oder eine Trennung auf einmal den oder die Liebsten gar nicht mehr oder nur noch selten sehen und sich allein fühlen. Was können die wenigen Freunde und Bekannten in dem Fall machen? Müssen sie überhaupt etwas gegen Einsamkeit tun?

Laut einer Studie aus dem Jahr 2016 von Prof. Maike Luhmann von der Ruhr-Universität Bochum sind besonders Menschen zwischen 30 und 34 Jahren und über 65 Jahren einsam. Grundlage der Studie sind Daten von 16 132 Personen aus dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP). "Dass die Älteren einsam sind, hatten wir ein Stück weit erwartet", sagt Luhmann. Dass sich viele in der Altersgruppe zwischen 30 und 34 einsam fühlen, habe sie aber überrascht. "Es könnte daran liegen, dass viele dann in der Rush Hour des Lebens sind: Kinder, Aufstieg im Job, Hausbau, auf viele prasselt dann alles gleichzeitig ein." Für Freunde bleibe mitunter kaum Zeit. Eine andere Erklärung könnte sein, dass viele als Singles leben.

Auf längere Sicht kann Einsamkeit die Lebenszufriedenheit stark beeinträchtigen. "Man hat herausgefunden, dass Menschen, die chronisch einsam sind, krank werden", erläutert Luhmann. Sie leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Krankheiten und sterben mitunter früher als Personen, die sozial eingebunden sind. Wichtig ist allerdings, zwischen Einsamkeit und allein sein zu unterscheiden. Nicht jeder, der viel allein ist, leidet, sagt Luhmann. Sie definiert Einsamkeit als das Gefühl, dass man weniger soziale Kontakte hat, als man gerne hätte. Und wer darunter über längere Zeit leidet, wird häufig unglücklich.

Was also tun, wenn Freunde einsam sind? Zunächst sei es wichtig, sein eigenes Verhältnis zum Thema Einsamkeit kritisch zu hinterfragen, rät Psychologin Birgit Spieshöfer. Oft fielen einem an Freunden Probleme auf, die für einen selbst Thema sind. Dann aber kann es durchaus sinnvoll sein, Freunde darauf anzusprechen. Es kann den anderen entlasten - und möglicherweise findet man zu zweit leichter einen Lösungsweg für das Problem. "Einsame Menschen nehmen ihr Umfeld oft irgendwann als bedrohlich wahr", erläutert Luhmann. Typisch seien dann Gedanken wie: "Keiner mag mich." Andere suchten in Medikamenten, Alkohol oder in Essen eine Ersatzbefriedigung, erklärt Psychotherapeutin Marion Tacke. Im schlimmsten Fall führe Einsamkeit zu Depressionen oder Angststörungen.

Gibt es aber die Bereitschaft, darüber zu sprechen, ist allein das Gespräch für den Betroffenen häufig schon sehr entlastend. Oft fühlt man sich dann besser aufgehoben. Und zusammen kann man auch überlegen, welche Wege es gibt, um weniger einsam zu sein, erklärt Tacke. Das kann zum Beispiel sein, dass man versucht neue Menschen kennenzulernen - etwa über einen Chor oder einen Sportverein. Freunde können da auch unterstützen und zu ersten Treffen mitgehen. Natürlich können sie den Betroffenen auch selbst zu Verabredungen oder Veranstaltungen mitnehmen - aber nur, wenn beide es wollen.

Eins sollten Freunde sich aber auch klarmachen: Sie können jemanden, der einsam ist, dabei unterstützen, diese Phase des Lebens gut zu durchleben. Sie müssen es aber nicht. "Als Freund ist es nicht meine Aufgabe, die Bedürfnisse von anderen zu erfüllen", sagt Spieshöfer. Im Gegenteil: Ein Stück weit müsse die Person selbst dafür Sorge tragen, dass sie sich wohlfühlt.

Birgit Spieshöfer

Prof. Maike Luhmann

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