+
Egal ob neuer Job oder Scheidung - wer seine Immobilie vorzeitig verkauft, kann mit dem Erlös in der Regel den Kredit sofort tilgen. Doch Banken verlangen dann eine Entschädigung. Foto: Markus Scholz

Ausstieg aus der Baufinanzierung kann teuer werden

Hamburg (dpa/tmn) - Wer eine Immobilie erwirbt, rechnet in den meisten Fällen nicht damit, sie bald wieder verkaufen zu müssen. Manchmal lässt sich das nicht vermeiden. Dann wird die Baufinanzierung oft vorzeitig beendet - und das kann schnell ins Geld gehen.

Steigende Mieten und niedrige Zinsen: Das motiviert viele, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Doch manchmal ändern sich die Lebensumstände - und dann muss das Hypotheken-Darlehen vorzeitig beendet werden. Dafür verlangen Geldinstitute oft hohe Vorfälligkeitsentschädigungen.

Was ist eine Vorfälligkeitsentschädigung?

Kreditgeber rechnen für die Laufzeit des Vertrags mit einem Zinsgewinn. "Sobald ein Darlehensvertrag vor Ablauf der gesetzlichen oder vereinbarten Zinsbindung gekündigt wird, kann die Bank eine Entschädigung für den entstandenen wirtschaftlichen Schaden verlangen", erklärt Michael Knobloch vom Institut für Finanzdienstleistungen in Hamburg. Diese Vorfälligkeitsentschädigung soll den Zinsverlust ausgleichen.

Ist die Vorfälligkeitsentschädigung immer zu leisten?

Die vom Staat geregelte Laufzeit beträgt zehn Jahre, die Kündigungsfrist sechs Monate. Sobald Kreditnehmer vorzeitig aus ihrem Darlehensvertrag aussteigen möchten, darf der Kreditgeber eine Entschädigung verlangen.

Wann ist es möglich, vorzeitig aus der Baufinanzierung auszusteigen?

Es gibt keinen Anspruch, aus einem Darlehensvertrag herauszukommen, erklärt der Rechtsanwalt und Politikwissenschaftler Achim Tiffe. "Ein Sonderkündigungsrecht haben Verbraucher, die zum Beispiel wegen Umzugs oder Trennung die Immobilie verkaufen müssen." Wer seinen Vertrag wegen einer Umschuldung kündigen will, um Zinsen zu sparen, hat bei den meisten Banken dagegen schlechte Chancen.

Wie wird die Vorfälligkeitsentschädigung berechnet?

Standard ist der sogenannte Aktiv-Passiv-Vergleich. Dabei wird das zurückgezahlte Geld fiktiv am Kapitalmarkt angelegt. Die Differenzsumme zwischen der Rendite und dem nominalen Darlehnszins ergibt die Höhe des Schadens. Die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung hängt aber vom Einzelfall ab und richtet sich nach der Höhe der Restschuld und der Vertragskonditionen. "Dazu gehören Ratenhöhe, Zinsbindung, Kreditsumme und Zinshöhe", erklärt Knobloch.

Wie können Verbraucher prüfen, ob richtig gerechnet wurde?

Wer die Vorfälligkeitsentschädigung nachrechen will, kann sich Hilfe bei Verbraucherzentralen holen. Vor allem Hamburg und Bremen haben sich auf die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung spezialisiert. Gegen eine Gebühr von 70 Euro prüfen sie die Höhe der Summe nach. Das dauert rund zwei Wochen. "Verbraucher sollten sich sechs Monate vor dem Verkauf der Immobilie beraten lassen", empfiehlt Achim Tiffe. So haben sie genug Zeit, um bei Abweichungen mit der Bank zu verhandeln.

Wie kommen die Unterschiede zustande?

Bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung gibt es einige strittige Punkte. Dazu gehören die Sondertilgungsrechte, die bei der Berechnung laut Verbraucherschützern unzureichend berücksichtigt werden. Außerdem würden die Geldgeber beim Verwaltungsaufwand mit zu geringen Kosten kalkulieren. Die Verbraucherzentrale Hamburg zum Beispiel rechnet mit 50 Euro pro Jahr für Verwaltungskosten. Manche Banken gehen von nur 10 Euro aus.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sonnensegel und Sicherheitsglas: Ein Strand für Babys
Für Babys gibt es Yogakurse, Musikunterricht, Konzerte und Theater - und nun sogar einen speziellen Strand. Eltern finden's toll. Ob Babys das wirklich brauchen, ist …
Sonnensegel und Sicherheitsglas: Ein Strand für Babys
Wenn der Kürbis mehr als eine Tonne wiegt
Riesen-Tomaten, monströse Kürbisse und XXL-Zucchini halten seit einigen Jahren in immer mehr deutschen Gärten Einzug. Einer der Höhepunkte der Szene ist jedes Jahr in …
Wenn der Kürbis mehr als eine Tonne wiegt
Frau lebte auf nur acht Quadratmetern - für knapp 600 Euro
Nicht nur in deutschen Großstädten hat man Grund sich über Mietpreise zu beschweren: In New York bezahlte ein Frau umgerechnet 600 Euro für eine Mini-Wohnung.
Frau lebte auf nur acht Quadratmetern - für knapp 600 Euro
Darum können Sie Scheidungskosten nicht von der Steuer absetzen
Eine Scheidung ist nicht nur eine emotionale Belastung. Sie kann auch teuer werden. An den Kosten konnte bisher oft das Finanzamt beteiligt werden. Bis jetzt.
Darum können Sie Scheidungskosten nicht von der Steuer absetzen

Kommentare