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Drehmoment versus Kosten: Kaufkriterien bei Dieselmotoren

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An der Zapfsäule freuen sich Besitzer von Dieselfahrzeugen, denn der Sprit ist billiger als Benzin. Allerdings stoßen Diesel oft mehr Schadstoffe aus. Foto: Markus Scholz
An der Zapfsäule freuen sich Besitzer von Dieselfahrzeugen, denn der Sprit ist billiger als Benzin. Allerdings stoßen Diesel oft mehr Schadstoffe aus. Foto: Markus Scholz © Markus Scholz

Dieselmotoren verkaufen sich in Europa gut. Durch den Skandal um die Abgasmanipulationen von Dieselfahrzeugen in den USA ist jetzt allerdings ein Schatten auf die Selbstzünder gefallen. Zu Recht?

Flensburg(dpa/tmn) - Keine Frage: Der Diesel ist beliebt. Allein von Januar bis August waren fast die Hälfte der in Deutschland neu zugelassenen Autos mit einem Dieselmotor ausgestattet.

Der Anteil von Dieselfahrzeugen lag nach Angaben des Kraftfahrt Bundesamtes (KBA) bei 46,5 Prozent, während 51,8 Prozent der Neuwagen Benziner waren. «Es ist vor allem der Fahrspaß, der Dieselmotoren attraktiv macht», beschreibt Friedhelm Schwicker von der Sachverständigenorganisation Dekra einen der Vorzüge. Allerdings zeigen die Manipulationen von Volkswagen in den USA auch: Bei Dieselfahrzeugen ist es technisch aufwendig, den Schadstoffausstoß zu verringern. Was spricht für und was spricht gegen Dieselmotoren? Ein Überblick:

Vorteile:

Kraftentfaltung: Ein Vorteil liegt im Drehmoment. «Bei gleichem Hubraum hat der Diesel ein höheres Drehmoment», erklärt Christian Heinz, Fahrzeugexperte vom Tüv Thüringen. Der Fahrer fühlt also mehr Kraft, wenn er auf das Gaspedal tritt. Und das im Vergleich zu Benzinmotoren schon relativ schnell: «Der Drehmomentvorteil besteht schon bei niedrigen Drehzahlen.»

Verbrauch: Ein Punkt, den vor allem Vielfahrer schätzen: «Dieselmotoren haben einen geringeren Verbrauch bei gleicher Leistung», erklärt Tüv-Experte Heinz. Mit einer Tankfüllung kommen Dieselautos also oft weiter als vergleichbare Benziner. Dieselmotoren haben außerdem einen besseren Wirkungsgrad. Bei mittlerer und höherer Last steigt der Verbrauch weniger stark an als bei Benzinern. So produzieren Diesel auch rund 20 Prozent weniger CO2 als ein vergleichbares Fahrzeug mit Ottomotor.

Kraftstoffkosten: Dieselkraftstoff genießt bisher noch einen Preisvorteil gegenüber Benzin. Allerdings schwankt der Abstand zu den Benzinpreisen. So lag die Differenz zwischen Diesel und Super E10 nach Angaben des ADAC zum Beispiel im Januar bei etwa 13 Cent, im Juni aber bei 26 Cent je Liter. Ab wann ein Diesel wirtschaftlicher als ein Benziner fährt, hängt vom Modell und der individuellen Fahrweise ab. Lange Zeit galt die Faustregel: Ein Diesel lohnt sich ab 15 000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr. «Das stimmt so pauschal aber heute nicht mehr», sagt Heinz.

Nachteile: 

Kosten: Fahrspaß und niedrige Verbrauchswerte haben ihren Preis. «Dieselfahrzeuge sind oft schon in der Anschaffung teurer als Benziner», erklärt Dekra-Experte Schwicker. Und dabei bleibt es nicht. «Auch die Kfz-Steuer und Kfz-Versicherung sind in der Regel teurer», ergänzt Christian Heinz. «Auch der Verbrauchsvorteil des Diesels ist inzwischen zurückgegangen», sagt Tüv-Experte Heinz. Denn die Hersteller haben auch Benzinmotoren immer effizienter gemacht.

Winterbetrieb: Extreme Kälte halten Selbstzünder nicht so gut aus wie Benzinmotoren. «Im Winter brauchen Sie Kraftstoffzusätze, damit der Dieselmotor nicht einfriert», erklärt Dekra-Experte Schwicker. «Auch bei Kurzstrecken wird der Diesel nicht so schnell warm wie bei einem Benziner», ergänzt Tüv-Thüringen-Experte Heinz. Das kann sich negativ auf den Verbrauch auswirken.

Schadstoffausstoß: Egal ob Benziner oder Diesel - Autos produzieren Schadstoffe. Allerdings ist es beim Diesel nach Angaben des Tüv Thüringen technisch aufwendiger, den Schadstoffausstoß zu verringern. «Größere Probleme machen beim Diesel die Stickoxid-Emissionen», erklärt Heinz. «Hier sind oft Zusatzsysteme nötig, die den Stickoxid-Ausstoß reduzieren, wie zum Beispiel die Harnstoffeinspritzung.» Auch der Rußausstoß muss durch Partikelfilter reduziert werden.

Sparsam und durchzugsstark - für viele Autokäufer sind das gute Gründe, sich für einen Diesel zu entscheiden. Allerdings hat die Manipulation der Abgaswerte in VW-Dieselmodellen in den USA das Vertrauen vieler Besitzer erschüttert. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums sind auch Fahrzeuge in Europa von dem Skandal betroffen. Grund, von einem Kaufvertrag zurückzutreten, ist das aber noch nicht ohne weiteres.

«Kunden haben zunächst nur einen Anspruch auf Nacherfüllung», erklärt, Daniela Mielchen, Fachanwältin in der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Laut Gesetz muss der Verkäufer die Möglichkeit haben, Mängel zu beseitigen. Dafür muss dem Verkäufer eine angemessene Frist eingeräumt werden. Wie lange diese Frist ist, hängt vom Einzelfall ab. Ein Rücktritt soll grundsätzlich nur das letzte Mittel sein. Wichtig hierbei zu beachten: «Sowohl für den Rücktritt als auch den Anspruch auf Nacherfüllung gilt eine Verjährungsfrist von zwei Jahren ab Übergabe des Fahrzeuges.»

Bevor ein Rücktritt überhaupt in Betracht kommt, muss klar sein, dass ein Sachmangel im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) vorliegt. In diesem Fall kommt es also unter Umständen auch darauf an, ob im Vertrag eine ausdrückliche Vereinbarung getroffen oder ob ausdrücklich mit den Abgaswerten geworben wurde. «Sollte dies nicht der Fall sein und die Betriebserlaubnis bestehenbleiben, dürfte kein Mangel bestehen.» Anders kann es aber sein, wenn erhöhte Abgaswerte dazu führen, dass das Fahrzeug gegebenenfalls in Umweltzonen nicht mehr genutzt werden kann. Auch wenn die Betriebserlaubnis erlöschen sollte, dürfte dies einen Sachmangel darstellen.

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