+
Viele Lehrer und Schulleiter unterstützen das digitale Lernen. Doch nur wenige glauben, dass dieses das Lernergebnis auch verbessern. Foto: Jens Wolf/dpa

Bertelsmann-Studie

Fehlende Konzepte und Technik bremsen digitales Lernen aus

Computer und Smartphones im Einsatz in der Schule: Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung stehen auch immer mehr Lehrer und Schulleiter dem digitalen Lernen positiv gegenüber. Ein Experte aber übt scharfe Kritik.

Gütersloh (dpa) - Der Wille zum digitalen Lernen ist laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung nicht nur bei den Schülern längst angekommen. Auch Lehrer und Schulleiter begrüßen demnach die neuen Technologien im Klassenzimmer.

Etwa 70 Prozent der Schulleiter und Lehrer sind davon überzeugt, dass digitale Medien ihre Schule attraktiver machen. Allerdings glauben nur 23 Prozent, dass diese das Lernergebnis auch verbessern. Und nur 10 Prozent der Lehrer setzen auf digitale Medien, die individuelles Lernen fördern.

Für besseres digitales Lernen in der Schule fehlt es laut Studie an Konzepten, Weiterbildung und der nötigen Technik - nicht nur bei der Stärke der drahtlosen Internetverbindung (WLAN) in der Schule. Nur jeder dritte Lehrer ist mit der Bandbreite des Internet-Zugangs zufrieden. 20 Prozent geben an, kein WLAN an der Schule zu haben.

80 Prozent der Schüler dagegen geben laut Studie an, dass sie durch Lernvideos, Internetrecherche und digitale Präsentationen aktiver und aufmerksamer sind.

"Schule nutzt das pädagogische Potenzial des digitalen Wandels noch nicht", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. "Digitale Medien können dabei helfen, pädagogische Herausforderungen wie Inklusion, Ganztag oder die Förderung lernschwacher Schüler zu bewältigen."

Scharfe Kritik an der Studie äußert der Hochschulprofessor und Buchautor Gerald Lembke ("Die Lüge der digitalen Bildung: Warum unsere Kinder das Lernen verlernen"). Nach seiner Auffassung beleuchtet die Stiftung das Thema zu einseitig. "Die Haltung der Bertelsmann-Stiftung zum Thema Digitales ist grundsätzlich positiv. Auch in dieser Studie finden Sie auf 60 Seiten nur die Vorteile, nicht die Nachteile des digitalen Lernens", sagt Lembke. "Es gibt aber keine wissenschaftlichen Beweise. Die OECD hat 2015 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Einsatz von digitalen Hilfsmitteln kritisch zu sehen ist. Und zwar je jünger die Schüler sind, um mehr ist davon abzuraten, wenn es um den Lernerfolg geht."

Auch bei der Interpretation der Zahlen der Studie meldet der Wissenschaftler der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Zweifel an. "Für jeden Schulleiter ist eine möglichst gute digitale Ausstattung ein Werbefaktor im Kampf um neue Schüler. Eine moderne Schule lässt sich besser verkaufen." Digitale Inhalte will Lembke nicht generell verteufeln. Er rät aber zum gezielten und ausgewählten Einsatz.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Diese vier Pickelarten sollten Sie niemals ausdrücken
Pickel sind lästige Begleiter. Sie haben unterschiedliche Ursachen - und genau deshalb sollten Sie nicht jeden Pickel ausdrücken, den Sie unter die Finger kriegen.
Diese vier Pickelarten sollten Sie niemals ausdrücken
Rund jeder Sechste kann sich keine Urlaubsreise leisten
Ferienzeit - Urlaubszeit. Viele Bundesbürger müssen aber zu Hause bleiben - aus finanziellen Gründen. Empfänger von Hartz IV müssen noch mehr beachten.
Rund jeder Sechste kann sich keine Urlaubsreise leisten
Ryanair sagt für kommende Woche 600 Flüge ab
Bei Ryanair spitzt sich der Konflikt mit dem fliegenden Personal zu. Nach den irischen Piloten streiken nun die Flugbegleiter in mehreren europäischen Ländern. Die …
Ryanair sagt für kommende Woche 600 Flüge ab
DHL, Hermes & Co.: Darum klingeln Paketboten immer seltener
Die Deutschen bestellen immer häufiger in Online-Shops. Doch die Leidtragenden sind die Paketboten - ihr Job wird immer härter und der Druck immer größer.
DHL, Hermes & Co.: Darum klingeln Paketboten immer seltener

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.