+
Bei Verträgen unter Bekannten und der Familie schaut das Finanzamt ganz genau hin, ob der Abzug der Werbungskosten in der Steuererklärung wirklich gerechtfertigt ist. Foto: Kai Remmers

Finanzamt prüft genau: Fallen bei Verträgen in der Familie

Egal ob Mietvertrag oder ein Kredit - bei Verträgen innerhalb der Familie schaut das Finanzamt genau hin. Damit die Vereinbarungen auch steuerlich anerkannt werden, müssen strenge Kriterien erfüllt werden.

Berlin (dpa/tmn) - Bei Verträgen zwischen Familienangehörigen ist das Finanzamt sehr genau. Grund für die Skepsis sind die Gestaltungsmöglichkeiten, die bei solchen Verträgen entstehen können.

"Solche Möglichkeiten ergeben sich zum Beispiel im Bereich von Arbeitsverträgen, Mietverträgen und Darlehensverträgen", erklärt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL). Hier können unter Umständen ein Abzugsverbot privater Ausgaben umgangen oder die Freibeträge der Kinder voll ausgenutzt werden.

Damit die Finanzverwaltung solche Verträge anerkennt, muss die Rechtsbeziehung deshalb klar und ernsthaft im Vorhinein vereinbart sein. Das bedeutet unter anderem: Der Vertrag ist zivilrechtlich wirksam zustande gekommen und entspricht inhaltlich dem Üblichen. "Bei der Wirksamkeit gilt es ein besonderes Augenmerk auf die Formerfordernisse zu legen", erklärt Nöll. So ist bei Verträgen mit minderjährigen Kindern oft die Einschaltung eines Ergänzungspflegers notwendig, damit der Vertrag wirksam wird.

"Größter Knackpunkt ist aber regelmäßig, dass die Verträge nicht so vollzogen werden, wie sie vereinbart wurden", erklärt der Rechtsanwalt. "Insbesondere die vertraglichen Hauptpflichten müssen von beiden Vertragsparteien penibel eingehalten werden." So entschied das Finanzgericht München, dass ein Mietvertrag mit dem Bruder nicht anerkannt werden kann, wenn der Mieter seiner Hauptpflicht - der Zahlung der Miete - nicht nachkommt (Az.: 5 K 873/12). In diesem Fall zahlte der Bruder nur unregelmäßig "nach Kassenlage". Daneben zweifelte das Gericht auch die uneingeschränkte Nutzungsüberlassung durch den Vermieter an. Im Ergebnis wurde der Abzug der Werbungskosten beim Vermieter versagt.

"Gerade bei Familienangehörigen sollte auf die Einhaltung der Vertragspflichten geachtet und dies entsprechend dokumentiert werden", rät Steuerexperte Nöll. "So eignen sich Barzahlungen oft nicht, weil sie kaum nachvollziehbar sind." Kommt es zu Zahlungsunregelmäßigkeiten, ist eine dokumentierte Zahlungserinnerung bis zur Kündigungsandrohung des Vertrages sinnvoll, um die Ernsthaftigkeit der Rechtsbeziehung zu untermauern.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ratgeber-Charts: Alexandra Reinwarth zurück an der Spitze
Sich von lästigen sozialen Verpflichtungen zu befreien, fällt vielen schwer. Alexander Reinwarth schildert in ihrem Buch, wie einfach es geht, und landet damit erneut …
Ratgeber-Charts: Alexandra Reinwarth zurück an der Spitze
Richtig waschen: Sieben Tricks, die Sie noch nicht kannten
Wäsche waschen ist nicht schwer. Doch Vorsicht: Bei der Waschmaschine muss man einiges beachten. Mit diesen Tipps wird die Wäsche strahlend sauber.
Richtig waschen: Sieben Tricks, die Sie noch nicht kannten
Welche Nebenjobs bringen mir richtig viel Geld?
Egal, ob Student, Senior oder Teilzeitbeschäftigter: Ein Nebenjob kann helfen, die Kasse etwas aufzubessern. Doch welche Nebenjobs bringen wirklich viel Geld?
Welche Nebenjobs bringen mir richtig viel Geld?
Krass: Kaufen Sie in diesem Laden, sparen Sie 250 Euro im Jahr
Wo kaufen Sie am günstigsten ein? Ist es doch die Eigenmarke beim Supermarkt - oder noch immer bei Lidl & Co.? Das Ergebnis wird Sie überraschen.
Krass: Kaufen Sie in diesem Laden, sparen Sie 250 Euro im Jahr

Kommentare