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Über Messengerprogramme lassen sich Bilder und intime Nachrichten schnell austauschen. Was dort landet, ist aber nicht sicher, und kann an Dritte weitergeschickt werden. Foto: Silvia Marks

Für immer nackt im Netz: Sexting verfolgt Kinder lange

Stuttgart (dpa/tmn) - Ob als Spielerei oder Liebesbeweis: Viele Jugendliche verschicken per Smartphone Nacktbilder von sich selbst. Noch Jahre später müssen sie mit unangenehmen Konsequenzen rechnen. Manches Nacktporträt verfolgt sie dabei bis zum Vorstellungsgespräch.

Sie war verliebt und wollte ihrem Schwarm imponieren: Doch das Oben-Ohne-Foto, das die 13-jährige Hope aus Florida einem Jungen schickte, landete in den Händen eines anderen Mädchens und wurde von diesem an Bekannte weitergeschickt. Eine Kettenreaktion, die Hope zur Zielscheibe von extremem Cybermobbing machte. Und sie in den Selbstmord trieb. Hope erhängte sich.

Ein extremes Beispiel - doch mittlerweile verschicken Jugendliche beim sogenannten Sexting nicht nur erotische Nachrichten per SMS, sondern auch Nacktselfies. "Schon immer haben Paare sich intime Fotos geschenkt", sagt Harald Schmidt von der Kriminalprävention des Bundes und der Länder in Stuttgart. "Früher hatte man allerdings die Negative zu Hause in der Schublade, heute landet jedes Foto per Klick auf irgendwelchen internationalen Servern oder wird, wenn es dumm läuft, in den sozialen Medien weiterverbreitet."

Was die wenigsten wissen: Wer ein Bild über Whatsapp verschickt, tritt seine Nutzungs- und Bildrechte automatisch an den Anbieter ab. So steht es in den AGBs.

"Was im Internet landet, bleibt im Internet: Das ist eine Regel, die jedes Kind kennen sollte", sagt Olivia Förster vom Verein Blickwechsel in Hamburg. Die Medienpädagogin gibt Workshops zum Thema Cybermobbing an Schulen. Sexting sei dabei immer wieder Thema.

"Die Schweizer James-Studie hat gezeigt, dass rund sechs Prozent der jungen Handybesitzer schon mal erotische Bilder von sich selbst verschickt haben", bestätigt Laurent Sédano, Medienexperte bei der Stiftung Pro Juventute aus Zürich. Jugendliche seien sehr offen und nutzten die technischen Möglichkeiten mit einer großen Naivität.

Fast selbstverständlich sei es dabei schon, dem festen Freund oder der festen Freundin Nackt- oder sogar Selbstbefriedigungsbilder zu schicken. "Das gilt als großer Vertrauensbeweis", sagt Sédano. Leider würden die Jugendlichen nicht daran denken, dass so eine Beziehung irgendwann mal vorbei sein kann. Harald Schmidt nennt konkrete Risiken: "Nacktbilder können Jugendlichen auch noch viele Jahre später Probleme machen, zum Beispiel bei Bewerbungen." Fatal, wenn der Arbeitgeber nach dem Namen googelt und dann auf die Aufnahmen stößt.

Werden die Bilder der Kinderpornografie zugerechnet, zeigen sie also Geschlechtsorgane oder eindeutige Handlungen von Personen unter 14 Jahren, kann sich jeder, der die Bilder weiterleitet, strafbar machen. Außerdem bestehe immer das Risiko, Persönlichkeitsrechte zu verletzen, sagt Schmidt. Eindeutige Gesetze gebe es dazu aber nicht.

Eine Anzeige gegen die Whatsapp-Freunde erstatten - diesen Weg gehen noch nicht viele Eltern betroffener Kinder. "Wichtig ist es, per Screenshot Beweise zu sammeln: Wer hat die Bilder wann und an wen weitergeleitet?", sagt Schmidt. Mittels Anzeige und Strafbestand könne dann der Anbieter gezwungen werden, die belastenden Fotos vom Server zu löschen.

Olivia Förster ist skeptisch: "Für das betroffene Kind ist es extra beschämend, wenn die Nacktfotos von den Eltern zur Polizei gegeben werden und das Kind dort unangenehme Fragen beantworten muss." Sie rät Eltern deshalb, sehr behutsam vorzugehen. Sie könnten beispielsweise direkt bei den Freunden darum bitten, dass diese die Bilder löschen oder mit den Eltern das Gespräch zu suchen. "Auch Schulsozialarbeiter und Vertrauenslehrer an Schulen können dabei helfen, das Problem einzudämmen."

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