+

Abrufkredit - die clevere Alternative zum Dispo?

Kommen ungeplante Ausgaben dazwischen, kann der Kontostand schnell mal ins Minus rutschen. Hierfür verlangt die Bank meist hohen Zinsen. Eine Alternative zum teuren Dispo kann der Abrufkredit sein, wenn man ihn verantwortungsvoll nutzt.

Ist das Budget für den laufenden Monat schon knapp, darf nichts mehr dazwischen kommen. Streiken dann noch die Waschmaschine oder das Auto, kann es eng werden. Viele Bankkunden rutschen dann auf ihrem Girokonto ins Minus. Der Dispokredit erlaubt zwar Verfügungen über das Guthaben hinaus, kostet in der Regel jedoch hohe Zinsen. Eine günstigere Möglichkeit kann ein Ratenkredit sein, der jedoch zunächst zu beantragen und vor allem in festen Raten zurückzuzahlen ist. Was viele Verbraucher nicht wissen: Auch ein sogenannter Abrufkredit kommt als Alternative in Frage.

Was ist eigentlich ein Abrufkredit?

Der flexible Abruf- oder Rahmenkredit wird unabhängig vom Girokonto wie ein Dispo-Rahmen eingerichtet, der sich ganz nach Bedarf in Anspruch nehmen lässt. Die Handhabung ist einfach: Ist das Budget auf dem Girokonto knapp, kann der Nutzer Geld vom Kreditkonto anfordern. Das funktioniert per Online-Überweisung oder auch per App über das Smartphone. Eine Inanspruchnahme ist bis zu einem Höchstbetrag möglich, der zu Beginn mit der Bank vereinbart wird. Mit dem nächsten Gehaltseingang wird der beanspruchte Geldbetrag zurückgezahlt. Natürlich verlangt die Bank für die Nutzung Zinsen. Diese sind jedoch deutlich niedriger als beim Dispokredit.

Wo bekomme ich den Abrufkredit?

Wer jetzt denkt, man bekommt den Abrufkredit so ziemlich überall, sieht sich schnell getäuscht. Das Produkt fristet in Deutschland nach wie vor ein Nischen-Dasein. Viel mehr als eine Hand voll Anbieter gibt es tatsächlich nicht. Meist sind es Direktbanken, die sich darauf spezialisiert haben. Doch auch wenn man im Verhältnis zum Dispo Geld spart, lohnt sich auch hier ein Vergleich. Ein vermeintlich günstiges Angebot erhält man aktuell mit 3,99 Prozent pro Jahr bei der Deutschen Bank. Der Zinssatz ist jedoch abhängig von der Bonität, und kann bei schlechterer Kreditwürdigkeit des Antragstellers auf bis zu 10,85 Prozent ansteigen. Faire Zinsen unabhängig von der Bonität des Antragstellers bieten die InG-DiBa mit 5,99 Prozent sowie die Volkswagenbank mit höchstens 6,65 Prozent. Auch den Kreditrahmen gibt es je nach Anbieter in unterschiedlicher Höhe. Die InG gewährt bis zu 25.000 Euro, bei der Ikano-Bank sind es 50.000 Euro. Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst können bei der ABK-Bank sogar bis zu 100.000 Euro erhalten. Der vollständige Kreditrahmen wird jedoch meist nicht gleich zu Beginn gewährt. Funktioniert die Kunde-Bank-Beziehung gut, lässt sich die Summe jedoch später noch erhöhen. Wie beim Dispokredit spielen bei der Höhe des Limits natürlich auch das Einkommen und die Bonität eine Rolle. Die Basis für eine Entscheidung sollte wie bei Krediten üblich, immer der effektive Jahreszins sein.

Es gibt auch Nachteile

Natürlich spielen die Kosten bei der Entscheidung eine Rolle: Da ein Dispo nach wie vor weit über zehn Prozent effektiv pro Jahr kosten kann, lässt sich also mit einem Abrufkredit durchaus Geld sparen. Doch der günstige Kredit kann auch dazu verführen, mehr Geld aufzunehmen als geplant. Auch kann der Zins dazu verleiten, sich mit der Rückzahlung mehr Zeit zu lassen. In diesem Fall hebt sich der Kostenvorteil schnell auf. Nicht nur das: Wer leicht den Überblick über seine Finanzen verliert, kann auch doppelt im Minus landen. Nämlich dann, wenn sowohl der Kreditrahmen des Abrufkredit als auch der Dispo ausgereizt wurde. Wichtig ist für Kreditnehmer, auch die Zinsentwicklung im Blick zu behalten. Denn die Zinsen sind wie beim Dispokredit variabel, und können daher von der Bank jederzeit nach oben oder unten angepasst werden.

Wichtig sind Disziplin und eine konstante Rückzahlung

Wer die nötige Disziplin mitbringt, kann mit dem Abrufkredit Flexibilität und günstige Zinsen in einem Produkt nutzen. Um bei der Rückzahlung auf Nummer sicher zu gehen, lohnt es sich einen höheren monatlichen Betrag auf das Kreditkonto zu überweisen, auch wenn es von Bank nicht verlangt wird. Wer sich mit den eigenen Finanzen eher schwertut, sollte bei Bedarf eher auf einen Ratenkredit zurückgreifen. Hier wird die Tilgung von der Bank genau vorgegeben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Heiraten: Darum zoffen sich Paare oft ums Geld - die größten Ehe-Irrtümer
Bei vielen verheirateten Paaren ist Geld leider ein Streitthema. Die häufigsten Irrtümer und was jeder schon vor der Hochzeit wissen sollte. 
Heiraten: Darum zoffen sich Paare oft ums Geld - die größten Ehe-Irrtümer
Joghurt-Panne im Supermarkt - wer bezahlt den Schaden? Die größten Geld-Irrtümer
Beim Einkaufen kommt es immer wieder zu Missgeschicken, aber auch zu Missverständnissen - weil Verbraucher nicht die Regeln kennen.
Joghurt-Panne im Supermarkt - wer bezahlt den Schaden? Die größten Geld-Irrtümer
Kinderbonus von 300 Euro beschlossen: Wann und wie wird das Geld an Eltern ausbezahlt?
Millionen Familien in Deutschland können sich freuen: Wegen der Corona-Krise sollen Familien mit Kindern finanziell unterstützt werden. Wann und wie kommt der …
Kinderbonus von 300 Euro beschlossen: Wann und wie wird das Geld an Eltern ausbezahlt?
Spar-Trick: So verbessern Sie Ihre Rente und können dabei kräftig Steuern sparen
Mit zusätzlichen Zahlungen können Arbeitnehmer ihr Rente aufbessern und gleich­zeitig eine Menge Steuern sparen. Stiftung Warentest erklärt den Spar-Trick.
Spar-Trick: So verbessern Sie Ihre Rente und können dabei kräftig Steuern sparen

Kommentare