Zwei Rentner sitzen auf einer Bank.
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Bei Angeboten zur Altersvorsorge sollten Kunden viele Anbieter vergleichen.

Auf dem Prüfstand

Altersvorsorge mit „Volks-Rente“? Stiftung Warentest fällt deutliches Urteil

  • Franziska Kaindl
    vonFranziska Kaindl
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Mit der „Volks-Rente“ bewerben die Bild-Zeitung und ihr Kooperationspartner Neue Leben eine Altersvorsorge, die „einfach“, „flexibel“ und „günstig“ sein soll. Stimmt das?

Altersvorsorge ist ein wichtiges Thema – schließlich sorgt die Inflation dafür, dass das Geld, das wir heute sparen, später deutlich an Wert verliert. Darum sollten sich Verbraucher nicht leichtfertig für ein Angebot entscheiden und viele Modelle und Anbieter vergleichen. Die Bild-Zeitung bewirbt in diesem Zuge aktuell die „Volks-Rente“ – eine Altersvorsorge* in Kooperation mit Sparkassen und dem Versicherer Neue Leben. Mit Sophia Thomalla als Werbegesicht und Amazon-Gutschein als Lockmittel soll das Angebot an die Kunden gebracht werden. Dabei wird die Altersvorsorge als „einfach“, „flexibel“ und „günstig“ deklariert. Die Stiftung Warentest hat sich das Produkt genau angesehen – und ein klares Urteil gefällt.

Stiftung Warentest nimmt Altersvorsorge unter die Lupe: Wie funktioniert die „Volks-Rente“?

Die „Volks-Rente“ kann sowohl als reine private Rentenversicherung – für Kunden, die gerne auf Nummer sicher gehen – als auch als fondsgebundene Rentenversicherung für risikofreudigere Sparer abgeschlossen werden. Zudem ist eine Kombination aus beiden Varianten möglich. Das Produkt kann entweder in der Sparkasse oder direkt online abgeschlossen werden. Bei Letzterem werden den Kunden verschiedene Fragen nach den persönlichen Anlagewünschen und Risikofreudigkeit gestellt, sodass ein passendes Angebot gemacht werden kann.

Altersvorsorge „Volks-Rente“: Wie gut ist die sichere Variante?

Kunden, die ihr Geld innerhalb der „Volks-Rente“ möglichst sicher anlegen wollen, landen bei einer klassischen privaten Rentenversicherung des Versicherers Neue Leben. Die Stiftung Warentest hat diesen Tarif in einem früheren Vergleich von Rentenversicherungen bereits auf den Prüfstand gestellt und mit der Note Ausreichend bedacht. Vor allem die „hohen Kosten“ und der „schlechte Anlageerfolg“ würden das Produkt unattraktiv machen.

Dass die „Volks-Rente“ mit einem „günstigen Einstieg“ angepriesen wird, kann die Stiftung Warentest ebenfalls nicht nachvollziehen. Es sei „besonders ärgerlich bei einem Produkt, dessen Kosten wir mit der Note Ausreichend bewertet haben.“ Die Bild-Zeitung wirbt nämlich mit einem Beitrag von 25 Euro im Monat bei Kunden unter 28 Jahren – laut Stiftung Warentest würde ein geringer Beitrag nichts darüber aussagen, wie günstig ein Produkt ist. „Je geringer die Beiträge dieses Tarifs sind, desto höher sind die tatsäch­lichen Kosten in Prozent des Beitrags“, so die Einschätzung. Zudem wird bemängelt, dass der Kunde Informationen zu den Kosten erst in den Antragsunterlagen erhält, wenn Kontakt- und Bankdaten bereits angegeben wurden.

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Stiftung Warentest prüft „Volks-Rente“: Was taugt die fondsgebundene Rentenversicherung?

Wer etwas risikofreudiger ist und Wertschwankungen akzeptieren kann, kann bei Neue Leben auch die fondsgebundene Rentenversicherung abschließen. Aber auch hier sieht die Stiftung Warentest das Angebot kritisch: Wichtig sei, dass die entsprechende Versicherung eine „breite Auswahl an guten Fonds anbietet“. Das sei bei der „Volks-Rente“ aber nicht der Fall. Hier könnten Sparer nur „aus deutlich teureren aktiv gemanagten Investmentfonds wählen“. Stattdessen rät die Stiftung Warentest bei langfristigen Geldanlagen zu ETFs (Exchange Traded Funds).

Einen Pluspunkt bekommt die „Volks-Rente“ allerdings: Flexibel sei sie nämlich tatsächlich, weil sich die Aufteilung zwischen einer klassischen und einer fondsgebundenen Rentenversicherung hier leicht anpassen lasse.

Insgesamt lautet das Fazit von Stiftung Warentest aber: „Eher nicht!“ Sowohl bei der klassischen als auch bei der fondsgebundenen Rentenversicherung gäbe es bessere Angebote. Verbraucher sollten sich nicht durch Amazon-Gutscheine oder vorgegebenen Zeitdruck zu einem Vertrag hinreißen lassen, der sie über viele Jahre bindet. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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