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Je früher man beginnt, fürs Alter vorzusorgen, desto geringer ist bei einer fixen Zielsumme die Belastung durch die monatlichen Raten. Ein längerer Sparzeitraum ermöglicht es auch, für höhere Rendite mehr Risiko zu wagen.

Altersvorsorge

Zeit ist Geld – vor allem beim Sparen

Frühzeitig vorsorgen lohnt sich: Sparer profitieren von langen Laufzeiten. Wer die Zeit bis zur Rente nutzt, kann kleinere Monatsraten einzahlen und mehr Risiko wagen.

Im Alter von 30 Jahren haben viele ganz andere Dinge als die Rente im Kopf: das Berufsleben, weite Reisen oder etwa die Gründung einer Familie. Trotzdem ist es wichtig, für das Alter vorzusorgen. „Wer dies gänzlich außen vor lässt, dem droht später unter Umständen die Gefahr der Altersarmut“, warnt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Denn die gesetzliche Rente allein reicht bei den meisten nicht aus, um im Ruhestand den Lebensstandard zu halten. Deshalb sollten junge Menschen frühzeitig vorsorgen.

Beispielrechnung

Eine Berechnung der Stiftung Warentest zeigt, wie wichtig der Faktor Zeit beim Sparen ist: Wer ein Guthaben von 100 000 Euro erreichen will, muss bei einer Durchschnittsverzinsung von drei Prozent monatlich 172 Euro einzahlen. Voraussetzung: Die Person hat bis zur Rente noch 30 Jahre Zeit. Beginnt der Sparer erst zehn Jahre vor seinem Ruhestand damit, steigt der monatliche Sparbetrag auf 715 Euro. „Je früher man mit dem Sparen anfängt, umso kleiner können die Raten ausfallen“, sagt Theo Pischke von der Stiftung Warentest.

Bedarf ermitteln

Um den Bedarf im Alter zu ermitteln, können junge Menschen sich an einer Faustregel orientieren: Wollen sie den gewohnten Lebensstandard halten, reichen etwa 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens aus. „Verbraucher können diesen Wert als Grundlage verwenden, um die spätere Rentenlücke zu ermitteln“, erklärt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Im Internet gibt es dafür zahlreiche Rentenlücken-Rechner. „Sie sollten aber hinterfragen, ob 80 Prozent im eigenen Fall ausreichend sind. Gerade junge Menschen sollten bei ihrer Kalkulation auf jeden Fall genügend Puffer einbauen“, rät er. Denn man will auch gut aufgestellt sein, wenn im Leben unerwartete Ereignisse wie ein Jobverlust oder eine Berufsunfähigkeit eintreten.

Flexibel sparen

Oelmann empfiehlt gerade in jungen Jahren flexible Anlageformen. Die Vorteile: Sparraten können auch mal ausgesetzt werden. Und eine anfangs kleinere Sparrate lässt sich je nach Einkommensverhältnissen in der Höhe anpassen. Denn zu starre Altersvorsorgeprodukte sind der Expertin zufolge notfalls nur mit Verlusten kündbar.

„Niemand sollte sich in die Pleite sparen, denn es gibt schließlich auch ein Leben vor der Rente“, sagt Oelmann. Deshalb rät sie jungen Menschen: „Sie sollten zunächst Schulden abbauen, existenzbedrohende Risiken wie Haftpflicht, Krankheit oder Berufsunfähigkeit absichern und sich einen Notgroschen ansparen.“ Als finanziellen Puffer für unvorhersehbare Ausgaben empfiehlt Oelmann drei Nettomonatsgehälter. „Damit sie in so einem Fall nicht gleich das Ersparte für die Altersvorsorge plündern müssen.“

Wer flexibel spart, kann auf Zinsveränderungen schneller reagieren. Gerade während der Niedrigzinsphase ist das ein Vorteil. Da fragen sich manche: Lohnt es sich derzeit überhaupt zu sparen, wenn man kein Risiko eingehen will? „Für das Alter vorzusorgen, ist immer sinnvoll“, sagt Pischke. Zumal sich der Unterschied des Zinssatzes erst über einen längeren Zeitraum durch den Zinseszinseffekt stark auswirkt.

Der Zinsunterschied

Pischke rechnet vor: Wer monatlich 100 Euro in einen Sparplan einzahlt, erhält nach zehn Jahren bei einer Verzinsung von einem Prozent 12 600 Euro. Liegt die durchschnittliche Verzinsung hingegen bei vier Prozent, sind es nach zehn Jahren 14 700 Euro. Der Unterschied beträgt 2100 Euro. Nach 30 Jahren sieht das anders aus: Dann ergibt sich ein Unterschied von 26 750 Euro. Langfristig gesehen wirkt sich die Höhe der Verzinsung also stärker aus.

Rendite und Risiko

Mehr Rendite heißt meist mehr Risiko. Scherfling warnt: „Sparer sollten gerade bei ihrer Altersvorsorge keine Geschäfte mit Totalverlustrisiko eingehen.“ Bei dem Balanceakt zwischen Risiko und Rendite spielt der Zeitfaktor Sparern erneut in die Hände. Denn wer frühzeitig beginnt, kann mehr Risiko eingehen. „Je langfristiger der Anlagezeitraum ist, umso leichter können Anleger Schwankungen an der Börse aussitzen“, erklärt Scherfling. Beim Dax, dem Index der 30 größten Aktienunternehmen in Deutschland, lag die durchschnittliche Rendite in der Vergangenheit bei rund 8 Prozent pro Jahr – bei einer Haltedauer von 20 Jahren. „Wer hingegen kurzfristig investierte, musste in ungünstigen Zeiten auch Verluste hinnehmen“, sagt er. Natürlich ist ein historischer Rückblick kein Garant für eine künftige Wertentwicklung. Umso wichtiger, dass die Altersvorsorge auf mehreren Säulen steht.

Staatliche Förderung

Gerade bei knappem Budget lohnt es sich, nach staatlich geförderten Produkten sowie Zulagen vom Arbeitgeber zu suchen. „Junge Verbraucher sollten zunächst prüfen, ob ihr Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen anbietet“, sagt Oelmann. Dann gibt es bis zu 40 Euro vom Arbeitgeber monatlich geschenkt dazu. Auch die betriebliche Altersvorsorge kann laut Oelmann eine gute Altersvorsorge sein – insbesondere wenn diese vollständig oder zum Teil durch den Arbeitgeber finanziert wird.

Welche Altersvorsorge am besten passt, hängt von mehreren Faktoren ab – den individuellen Bedürfnissen, dem finanziellen Spielraum, der konkreten Anlagedauer, der eigenen Risikoneigung und der weiteren Lebensplanung. „Wer etwa eine Familie gründen will, kann als eine Säule der Altersvorsorge über die staatlich geförderte Riester-Rente nachdenken“, sagt Pischke. Pro Kind erhalten Sparer dann zusätzlich eine Zulage von bis zu 300 Euro pro Jahr – wenn das Kind im Jahr 2008 oder später geboren wurde. Auch Fonds- oder Banksparpläne eignen sich als weitere Säule der privaten Vorsorge. „Hier sollten Verbraucher neben den Zinsen auch auf mögliche Kosten wie Verwaltungsgebühren und Ausgabeaufschläge achten“, rät Scherfling – damit hohe Kosten nicht die Rendite schmälern.

Von Isabelle Modler

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