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Besonders für Familien, aber auch Senioren stellt sich die Frage: Welche Versicherung brauchen wir, um rundum geschützt zu sein?

Was ist wichtig?

Brauche ich das? So checken Sie Ihre Versicherungen richtig

Welche Versicherung brauche ich wirklich - und welche nicht? Viele Deutsche bringt diese Frage zur Verzweiflung. Ein Experte hat für Sie zwei Fälle analysiert.

Für Annemarie Weigel kam der Aufruf in der tz wie gerufen. "Liebe tz, das muss eine göttliche Eingebung sein", freute sich die 79-jährige Münchnerin. Tatsächlich hatte der Versicherungsexperte bei der Münchner Rentnerin einiges zu tun.

Versicherungscheck: Welche Versicherungen sind notwendig - und welche nicht?

Denn Frau Weigel hat eine große Kiste, in der sie alle Policen sammelt. "Welche brauche ich, welche nicht", fragt sie und bittet um Hilfe. "Ich hab’s alleine versucht –es geht einfach nicht", so die 79-Jährige.

Eines wird der Rentnerin bei der ersten Durchsicht der Akten bereits klar: "Ich habe scheinbar manche Versicherung doppelt." In der "Versicherungskiste" finden sich gleich zwei Unfall Sterbegeld-Versicherungen und eine weitere Sterbegeldversicherung. Doch nicht nur das – Frau Weigel fehlen auch einige elementare Absicherungen.

So findet Frau Weigel zwar eine Haftpflichtversicherung – diese ist aber schon längst abgelaufen. In der tz bringt der Versicherungsexperte Sascha Straub endlich ein wenig Ordnung in Frau Weigels "Versicherungskiste".

Folgende Versicherungen wären hier notwendig:

Privathaftpflichtversicherung

Eine einmal bestandene Privathaftpflichtversicherung ist seit 2008 abgelaufen. Es sollte wieder eine Versicherung abgeschlossen werden. Für eine Privathaftpflichtversicherung mit sehr guten Bedingungen ist eine Monatsprämie von sechs Euro zu erwarten.

Auslandsreisekrankenversicherung

Die Verbraucherin hat hier keinen Versicherungsschutz. Sie verreist jedes Jahr zwei bis drei Wochen ins Ausland, sodass eine Auslandsreisekrankenversicherung als Jahresversicherung wichtig wäre. Die Kosten liegen bei ca. 55 Euro im Jahr. Darüber hinaus wurde noch diese sinnvolle Versicherung abgeschlossen.

Unfallversicherung

Für Rentner ist die Berufsunfähigkeit nicht mehr versicherbar. Es bleibt für den Fall einer dauerhaften Invalidität nur die Unfallversicherung. Hier besteht zwar noch Versicherungsschutz, der läuft jedoch in einem Jahr aus.

Für Senioren gibt es besondere Unfalltarife. Wichtig ist eine möglichst lange Laufzeit. Die Verbraucherin kann sich derzeit noch für ca. 100 Euro pro Jahr entsprechend unfallversichern. Ich rate zu einem Termin in unserer Versicherungsberatung.

Folgende abgeschlossene Versicherung ist nicht erforderlich: 

Sterbegeldversicherung

Wer sie hat, braucht sie nicht. Wer sie braucht, bekommt sie nicht in sinnvoller Form. Frau Weigel hat gleich drei Sterbegeldversicherungen abgeschlossen. Diese sollen die Kosten rund um die Beerdigung abdecken. Dabei handelt es sich letztlich um Kapitallebensversicherungen mit geringen Versicherungsleistungen, die aber verhältnismäßig teuer sind. Wirtschaftlich nicht zu empfehlen, haben Sterbegeldversicherungen einen emotionalen Wert.

Die Betroffenen möchten häufig nicht die Angehörigen mit ihrer Beerdigung finanziell belasten. Dies ist dann unbegründet, wenn man noch so viel zu vererben hat, dass davon auch die Beerdigung bezahlt werden kann. Dann braucht man keine Sterbegeldversicherung.

Wer nichts zu vererben hat und sogar Schulden hinterlässt, kann zwar eine pfändungsfreie Sterbegeldversicherung abschließen. Diese sollte aber nicht mehr als 3579 Euro auszahlen, andernfalls können die Gläubiger wieder pfänden. Bleibt man unterhalb des Pfändungsbetrages, reicht dies kaum für eine würdige Beerdigung aus. Im Ergebnis eine überflüssige Versicherung.

Fazit: Eine Privathaftpflichtversicherung sollte abgeschlossen werden. Auch eine Auslandsreisekrankenversicherung wäre sinnvoll. Zur Seniorenunfallversicherung sollte sich Frau Weigel beraten lassen. Die Sterbegeldversicherungen gehören kritisch auf den Prüfstand.

Zu diesen Versicherungen rät der Experte

Wer seine Finanzen in Ordnung hält, kann eine Menge Geld sparen. Besonders kompliziert ist das bei der Bewertung der Versicherungen. Welche Police braucht man wirklich, welche ist überflüssig?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich Sascha Straub, der Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Bayern täglich. Er hat die Verträge von tz-Lesern analysiert – und empfiehlt auch anderen Verbrauchern, ihre Policen auf den Prüfstand zu stellen. "Ich empfehle eine Versicherungsberatung in unserem Haus wahrzunehmen", rät Straub.

Nicht nur in Bayern hat die tz treue Leser. Eine spannende Zuschrift erreichte uns aus dem Schwarzwald. "Ich bin immer froh, wenn ich am Bahnhofskiosk Eure tz bekomme. Eine unglaublich tolle Zeitung", lobt Uwe Pitters aus dem schwarzwäldischen Oberwolfach.

Der 45-jährige Glaser hat seine Verträge zwar in guter Ordnung, ist sich aber nicht sicher, ob er wirklich alle Policen braucht und ob ihm nicht vielleicht sogar die ein oder andere wichtige Versicherung fehlt.

"Da lasse ich es immer etwas schleifen", sagt der Handwerker, der seine sonstigen Finanzen gut im Griff hat. Tatsächlich ist Pitters in Sachen Versicherungen ganz gut aufgestellt.

Eine kombinierte Unfall-Privathaftpflicht-Hausrat-Glas-Versicherung bildet den Grundstock der Absicherung. Rechtsschutz, Auslandsreisekrankenversicherung und Zahnzusatzversicherung runden den Policen-Mix des Schwarzwälders ab.

Versicherungsexperte Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern entdeckt bei Pitters mehr Licht als Schatten. Trotzdem hat der 45-Jährige einige Versicherungen, die nicht unbedingt nötig wären.

Folgende notwendigen Versicherungen liegen vor:

Berufsunfähigkeitsversicherung

Hier wurde nur eine Rentenleistung von 700 Euro abgeschlossen. Dies ist sehr wenig und der Verbraucher gibt selbst an, dass die Absicherung mindestens 1000 Euro betragen sollte. Entsprechend günstig ist die Prämie mit 21,49 Euro im Monat.

Würde der Verbraucher heute eine BU-Versicherung mit sehr guten Bedingungen abschließen, läge die Prämie nicht unter 200 Euro im Monat.

Der alte Vertrag sollte zwar in jedem Fall fortgeführt werden, da aber die Leistungen nicht einsehbar sind, ist eine Prüfung der Absicherung in unserer Versicherungsberatung zu empfehlen.

Privathaftpflicht (PHV) und Kfz-Haftpflichtversicherung

Diese wurde in einem Kombipaket abgeschlossen. Die konkreten Leistungen sind hier nicht überprüfbar. Für eine Privathaftpflichtversicherung mit sehr guten Bedingungen ist eine Monatsprämie von sechs Euro zu erwarten.

Die PKW-Haftpflicht ist eine Pflichtversicherung mit vorgegebenen Leistungen. Die gewählte Absicherung von 100 Mio. Euro ist zu empfehlen.

Gegen einen geringen Selbstbehalt ist bei Haftpflichtversicherungen nichts einzuwenden.

Auslandreisekrankenversicherung

Für jeden, der jedes Jahr im Ausland Urlaub macht, ist dies ein Muss. Darüber hinaus wurden noch diese sinnvollen Versicherungen abgeschlossen

Hausratsversicherung

Sinnvoll, auch wenn man den Totalschaden an seinem Hausrat, beispielsweise nach einem Wohnungsbrand, aus eigener Tasche nachkaufen könnte. Eine sehr gute Absicherung einer 60-Quadratmeter-Wohnung ist bereits für 10 Euro im Monat erhältlich.

Unfallversicherung

Wichtig für diejenigen, die ein erhöhtes Unfallrisiko in der Freizeit haben oder die nicht über die Berufsgenossenschaft versichert sind (zum Beispiel Rentner, Hausfrauen). Für alle anderen hat die Absicherung der Berufsunfähigkeit Vorrang und ist auch ausreichend.

Hier werden Sportaktivitäten angegeben, sodass die Absicherung sinnvoll sein kann. Da hier aber auch ein Abschluss im Paket vorliegt, kann die konkrete Versicherungsleistung nicht beurteilt werden. Auch hier wäre eine Versicherungsberatung nötig.

Vergleichsweise müsste man hier für eine leistungsstarke Unfallversicherung monatlich mindestens 43 Euro bezahlen. Dies ist mehr als das ganze Kombipaket des Verbrauchers (aus Hausrat, Unfall und PHV) kostet.

Rechtsschutzversicherung

Mit Blick auf den Verkehrsrechtsschutz sowie den Arbeitsrechtsschutz ist diese Absicherung sinnvoll.

Zahnzusatzversicherung

Die gewählte Absicherung ist sinnvoll.

Folgende abgeschlossene Versicherungen sind nicht unbedingt erforderlich: 

Glasversicherung

Eine gesonderte Glasversicherung ist nur sinnvoll, wenn auch größere oder teure Glasflächen zu versichern sind. Viele mögliche Glasschäden sind bereits durch andere Versicherungen z.B. PHV oder Wohngebäudeversicherung abgedeckt.

Krankenhaustagegeld

Hat nur einen geringen Anwendungsbereich. Sie zahlt nur für die Dauer des stationären Krankenhausaufenthaltes ein Tagegeld. Kategorie: Nice to have. Mehr aber nicht.

Kaskoversicherung (PKW)

Diese kommt für bestimmte Schäden am eigenen Fahrzeug auf. Je älter der Pkw, desto weniger lohnt sich diese Absicherung, da man die Schäden aus eigener Tasche zahlen kann. Letzteres gab der Verbraucher an.

Fazit: Die notwendigen und sinnvollen Versicherungen sollten unbedingt beibehalten werden. Eine unabhängige Prüfung der Berufsunfähigkeits-,Unfall-und Privathaftpflichtversicherung schadet aber nicht.

Außerdem wird eine Beratung zum Thema Pflegezusatzversicherung empfohlen, da diese wichtige Absicherung noch nicht besteht. Die nicht unbedingt erforderlichen Versicherungen können natürlich auch fortgeführt werden, wenn sie finanziell nicht ins Gewicht fallen.

Die zehn kuriosesten Versicherungen

tz

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