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Vererben oder schenken? Die Möglichkeiten sollten sinnvoll gegeneinander abgewogen werden.

Tipps vom Erbrechtsexperten

Schenken statt vererben - das sind die fünf goldenen Regeln

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Beim Erben hat der deutsche Staat einige steuerliche Fallstricke eingebaut. Deshalb lohnt sich die Vermögens-Weitergabe via Schenkung oftmals mehr. Wir geben Ihnen Tipps, worauf zu achten ist.

Geben ist seliger denn nehmen, heißt es in der Bibel. Analog dazu heißt es im wenig christlichen Steuerrecht: Schenken ist besser als Erben. Denn Schenkungen vermeiden nicht nur Streit zwischen Erben - mit ihnen lassen sich auch üppig Steuern sparen. Der Fiskus räumt insbesondere bei nahen Verwandten hohe Freibeträge ein. Die tz erklärt, wie Sie richtig schenken, egal ob Geld oder Immobilie, welche Steuervorteile Sie nutzen können - aber auch, welche Fallstricke lauern. 

Dr. Thomas Fritz ist Erbrechtsexperte.

Erbrechtsexperte Dr. Thomas Fritz erklärt fünf Tipps zum Sparen

Tipp 1: Die Zehn-Jahres-Frist

Der Staat gewährt Menschen, die zum Schenken bereit sind, erhebliche Steuerfreibeträge. Vor allem im nahen Verwandtenkreis können hohe Summen verschenkt werden, ohne dass der Fiskus Ansprüche anmelden kann. Der besondere Kniff: Die Freibeträge sind nicht einmalig, sondern können in einem steten Rhythmus ausgeschöpft werden. Der Tipp von Erbrechtsexperte und Anwalt Dr. Thomas Fritz: „Haben Sie so viel Vermögen, dass bei Ihrem Erbfall Steuern anfallen werden, sollten Sie über lebzeitige Schenkungen nachdenken. Denn die Freibeträge können alle zehn Jahre erneut ausgeschöpft werden.“

Beispiel: „Das Vermögen von Friedrich Blauauge setzt sich zusammen aus einer Wohnung im Wert von 400.000 Euro und einer Million Euro Barvermögen. Als sein Sohn Wilhelm ein Start-up-Unternehmen gründen möchte, schenkt er ihm steuerfrei 400.000 Euro (Freibetrag). Wilhelm schafft es jedoch, dieses Unternehmen in einem Zeitraum von zehn Jahren in den Ruin zu treiben, und kommt mit einer neuen bahnbrechenden Idee erneut auf den Vater zu. Da bereits zehn Jahre vergangen sind, kann der Vater, der seinem Sohn auch dieses Mal völlig blind vertraut, Wilhelm erneut 400.000 Euro steuerfrei schenken. Bald darauf erkennt der Vater, dass sein Sohn auch dieses Unternehmen wohl früher oder später ruinieren wird. Deshalb verbraucht er seine übrigen 200.000 Euro selbst. Als er weitere zehn Jahre später verstirbt, erbt der Sohn die Wohnung im Wert von 400.000 Euro ebenfalls steuerfrei. Letztlich hat der Vater somit an seinen Sohn 1,2 Millionen Euro steuerfrei übertragen.“

Tabelle zur Schenkungssteuer

Personenkreis

Freibetrag

Schenkungssteuerklasse

bis 75.000 Euro*

bis 300.000 Euro*

bis 600.000 Euro*

bis 6 Mio. Euro*

bis 13 Mio. Euro*

bis 26 Mio. Euro*

über 26 Mio. Euro*

Ehegatte, eingetragener Lebenspartner

500.000 Euro

I

7 %

11 %

15 %

19 %

23 %

27 %

30 %

Kinder

400.000 Euro

I

7 %

11 %

15 %

19 %

23 %

27 %

30 %

Stiefkinder

400.000 Euro

I

7 %

11 %

15 %

19 %

23 %

27 %

30 %

Enkelkinder von verstorbenen Kindern oder Stiefkindern

400.000 Euro

I

7 %

11 %

15 %

19 %

23 %

27 %

30 %

Enkelkinder

200.000 Euro

II

15 %

20 %

25 %

30 %

35 %

40 %

43 %

Geschwister, Schwiegereltern, Nichten, Neffen, Stiefeltern, geschiedene Ehegatten

20.000 Euro

II

15 %

20 %

25 %

30 %

35 %

40 %

43 %

andere Personen (Freunde, nicht angetraute Lebenspartner)

20.000 Euro

III

30 %

30 %

30 %

30 %

50 %

50 %

50 %

*Steuersatz, berechnet nach dem Wert des aus einer Schenkung resultierenden steuerpflichtigen Erwerbs

Tipp 2: Der Nießbrauchs-Vorbehalt

Um sich gerade im Alter finanziell abzusichern, erfolgt eine Immobilienschenkung meist unter einem Nießbrauchsvorbehalt: Das Eigentum an der Immobilie wird dabei zwar an die Kinder übertragen, den Eltern steht gleichwohl bis zu ihrem Tod weiterhin der Nutzen daran zu. Das wird im Grundbuch verankert. Die Eltern können weiterhin darin wohnen oder Mieteinnahmen behalten, wenn sie die Immobilie vermieten – und das ein Leben lang. Praktisch: Diese Variante bietet zugleich eine weitere Steuersparmöglichkeit, denn der Nießbrauchsvorbehalt reduziert gleichzeitig den Wert einer Schenkung. Je nach Alter des Schenkers und je nach Nutzwert der Immobilie wird ausgerechnet, wie viel der Nießbrauch wert ist.

Beispiel:

„Uwe Unsicher (62) hat neben einem beträchtlichen Barvermögen noch ein Einfamilienhaus im Wert von einer Million Euro. Um Erbschaftsteuer zu sparen, sollen die Kinder Karl und Frieda bereits jetzt das Eigentum daran erhalten. Da Uwe jedoch den Verdacht hat, dass seine Kinder ihn möglicherweise eines Tages vor die Türe setzen könnten, behält er sich einen Nießbrauch vor. Würde er die Immobilie ohne Nießbrauch verschenken, müsste jedes seiner Kinder 11.000 Euro Schenkungsteuer bezahlen. Der Wert des Nießbrauchs ist jedoch vom Gesamtwert der Immobilie abzuziehen. Nimmt man an, dass die Immobilie für monatlich 1500 Euro vermietet werden könnte, beträgt der Wert des Nießbrauchs bei einem 62-jährigen Mann 220.842 Euro. Der Gesamtwert der Schenkung an beide Kinder fällt damit unter 800.000 Euro, die Kinder müssen folglich keine Schenkungsteuer bezahlen, da jeder von ihnen einen Freibetrag von 400.000 Euro hat.“

Tipp 3: Die Kettenschenkung

Eine weitere Möglichkeit zum Steuernsparen bietet sich an, wenn das Vermögen innerhalb einer Familie ungleich verteilt ist. „Gerade bei Alleinverdienerehen sammelt sich das Vermögen häufig einseitig an. Verstirbt nun der Alleinverdiener, wird dieses Vermögen nur von ihm vererbt, mit der Folge, dass möglicherweise die Freibeträge nicht ausreichen und dass auch die Steuersätze steigen“, sagt Dr. Thomas Fritz. In solchen Fällen sei es ratsam, unter Umständen einen Teil des Vermögens schon zu Lebzeiten auf den anderen Ehegatten zu übertragen. Der Vorteil: „Das Vererben und Verschenken des Vermögens kann gleichmäßiger verteilt und die Freibeträge nach beiden Eltern ausgenutzt werden, was zur Folge hat, dass die Höhe der jeweiligen Erwerbe der Kinder und damit die Steuersätze sinken“, sagt Fritz weiter. Dabei handelt es sich dann um die sogenannte Kettenschenkung. Hier ist allerdings Vorsicht geboten.

Beispiel: „Ludwig Listig möchte seinem Sohn gerne 800.000 Euro schenken, da dieser ein eigenes Geschäft aufmachen möchte, aber selbst nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügt. Allerdings müsste der Sohn bei einer so hohen Schenkung auf eine Summe von 400.000 Euro Schenkungsteuer in einer Höhe von 60.000 Euro an den Staat bezahlen. Ludwig Listig hat aber eine Idee. Damit sein Sohn die volle Summe bekommen kann, überträgt er zunächst seiner Frau Ludmilla 400.000 Euro (steuerfrei). Diese wiederum schenkt dem Sohn den gleichen Betrag, Ludwig gibt dieselbe Summe dazu. Damit haben beide Elternteile den Steuerfreibetrag voll ausgenutzt und der Sohn bekommt die gewünschte Summe, ohne auch nur einen Cent an den Fiskus abdrücken zu müssen. Allerdings ist hier zu empfehlen, dass die Mutter einen gewissen Zeitraum zwischen den beiden Schenkungen vergehen lässt. Wird die Mutter zudem vom Vater verpflichtet, das Geld an den Sohn weiterzuleiten, stellt dies einen unzulässigen Gestaltungsmissbrauch dar.“

Tipp 4: Das Familien-Wohnheim

Als Besonderheit im Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht gilt das Familienheim, also eine Immobilie, in der der Schenker bzw. Erblasser wohnt und die der Mittelpunkt des Lebens darstellt. Eine Ferienwohnung auf Mallorca zählt nicht in diese Kategorie. Das Familienwohnheim „kann an den Ehegatten zu Lebzeiten komplett steuerfrei übertragen werden“, erklärt Dr. Fritz. Erfolgt die Übertragung von Todes wegen, so müsste allerdings eine weitere Voraussetzung zu erfüllen sein, so Dr. Fritz: „Der Ehegatte muss weitere zehn Jahre in dieser Immobilie wohnen bleiben“. Für Kinder gelte Ähnliches, aber hier darf die Wohnfläche 200 m² nicht übersteigen. Zudem müssen die Kinder ebenfalls mindestens zehn Jahre in der Immobilie wohnen - sowohl bei einer Schenkung als auch bei der Erbschaft.

Beispiel: „Siegfried Sesshaft hat eine schöne 150-m²-Wohnung sowie 400.000 Euro Barvermögen. Als er verstirbt, wird sein Sohn Severin Alleinerbe. Da Severin schon immer heiß auf die Wohnung seines Vaters war, zieht er sofort in die Wohnung ein. Weder auf die Wohnung noch auf die 400.000 Euro Barvermögen (Freibetrag) zahlt er Erbschaftsteuer. Bei einer Schenkung zu Lebzeiten wäre nur das Barvermögen steuerfrei gewesen. Die Steuerbefreiung für die Wohnung allerdings bleibt nur bestehen, wenn Severin die nächsten zehn Jahre darin wohnt.“

Tipp 5: Vorsicht: Berliner Testament

„Auch aus steuerlicher Sicht nicht unbedenklich ist ein von vielen Deutschen verwendetes Modell - das sogenannte Berliner Testament“, sagt Dr. Fritz. In einem solchen Testament bestimmen die Eheleute, dass sie sich im Todesfall eines Ehegatten zunächst gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Erst wenn der zweite Ehepartner verstirbt, sollen die Kinder alles erben. „Zwar macht dieses Modell aus Sicht der Eltern Sinn, denn der überlebende Ehegatte soll ausreichend abgesichert sein. Aus steuerlicher Sicht kann dies aber unter Umständen zu einer Doppelversteuerung führen“, mahnt Dr. Fritz.

Beispiel: „Anton und Brigitte Gleich haben jeweils ein Vermögen in Höhe von 800.000 Euro, also insgesamt 1,6 Mio. Euro. Gemeinsam verfassen Sie das folgende Testament: „... Der Überlebende von uns wird Alleinerbe nach dem Erstversterbenden. Nach dem Tod des Zweitversterbenden erben unsere Kinder zu gleichen Teilen.“ Als Anton verstirbt, erbt Brigitte seine 800.000 Euro. Hierfür zahlt sie Erbschaftsteuer in Höhe von 33.000 Euro. Als sie elf Jahre später selbst verstirbt, erben beide Kinder das Vermögen von der Mutter in Höhe von 1,567 Mio. Euro. Jeder zahlt auf seinen Erwerb von 783.500 Euro Erbschaftsteuer - für beide Kinder sind das insgesamt 148.050 Euro. Dieses hohe Ergebnis hätte die Familie vermeiden können, wenn die Eltern bereits zu Lebzeiten den Kindern etwas geschenkt hätten. Eine frühzeitige Schenkung hätte nämlich die Erbschaft deutlich gesenkt, was auch die Erbschaftsteuerabgaben gemindert hätte. Da diese Alternativen sehr komplex sind, sollte hierzu in jedem Fall anwaltlicher Rat eingeholt werden.“

Wegweiser Schenken

Was kann ich alles verschenken?

In der Theorie gibt es da keine Einschränkungen. Jeder materielle Besitz kann für eine Schenkung hergenommen werden. Von der Antiquität über das Auto bis zur Immobilie oder einem Geldbetrag.

Muss eine Schenkung notariell beurkundet werden?

Ja, wenn es sich nur um ein Schenkungsversprechen handelt: Wenn also der Schenker dem Beschenkten eine Leistung erst zu einem späteren Zeitpunkt geben möchte, die Verpflichtung dazu aber schon zu einem früheren Zeitpunkt schriftlich festgelegt wird. Wird das Geschenk allerdings dann doch noch vor der notariellen Beurkundung übergeben, so ist die Schenkung und somit auch der Vertrag trotz fehlender notarieller Beurkundung wirksam.

Gilt das für alle Schenkungen?

Oft fällt das Schenkungsversprechen und die Übertragung des geschenkten Gegenstandes in einem Akt zusammen: Das Zeugnisgeld für das Enkelkind, ein Geldgeschenk zum Geburtstag oder zu Weihnachten wird direkt übergeben mit den Worten „das schenke ich dir zu Weihnachten“ (oder Ähnliches). Bei diesen einfachen Schenkungen spricht man von sogenannten Handschenkungen, die weder schriftlich gemacht werden noch notariell beurkundet werden müssen.

Wann ist eine schriftliche Fixierung sinnvoll?

Bei Schenkungen von höherem Wert, und zwar auch dann, wenn zeitgleich der Schenkungsbetrag übergeben wird. Die schriftliche Fixierung ist deswegen wichtig, damit klar ist, dass das Geld als Schenkung gegeben wurde – und nicht etwa als Darlehen oder beispielsweise (bei Kunstwerken) als Leihgabe. Wenn das Geld dann gleich nach der Unterschrift übergeben wird, braucht man auch keine notarielle Beurkundung des schriftlichen Vertrages. Eine Schenkung, die Eigentum von Grundstücken oder Immobilien mit einschließt, muss stets notariell beurkundet werden. Auf dieser Grundlage wird dann auch die Übertragung im Grundbuch vorgenommen.

Wie viel kann ich verschenken?

Das steht jedem frei, allerdings ist immer Vorsicht geboten. Rechtsexperte Dr. Fritz gibt hier den klaren Tipp: „Es muss auch darauf geachtet werden, dass man mit jeder Schenkung Vermögenssubstanz aus der Hand gibt. Behält man nicht genug Kapital für sich selbst zurück, so besteht die Gefahr, dass man eines Tages ohne das nötige Geld für seinen Lebensabend dasteht. Insbesondere dann, wenn man zum Pflegefall wird, kann man mit erheblichen Kosten konfrontiert werden. Leider passiert es dabei oft genug, dass die eigenen Kinder in dieser Situation den Eltern die notwendige Unterstützung versagen, selbst dann, wenn sie möglicherweise vorher reichlich beschenkt wurden. Man sollte sich also stets gut überlegen, was und wieviel man für seinen Lebensabend selbst noch benötigt. Klare Richtlinien hierfür gibt es nicht.

Kann eine Schenkung zurückgefordert werden?

In der Regel gilt: Geschenkt ist geschenkt! Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, sofern eine Schenkung vertraglich geregelt ist. „Wenn man so viel verschenkt, dass man am Ende auf staatliche Hilfe angewiesen ist, kann der Sozialhilfeträger unter Umständen Schenkungen wieder rückgängig machen“, sagt Dr. Fritz. In einen Vertrag können zudem Rückforderungsklauseln eingetragen werden. Diese werden dann zum Beispiel gültig, wenn der Beschenkte vorzeitig stirbt oder er in die Privatinsolvenz geht. Auch eine Rückforderung auf Widerruf ist möglich. Dies geht allerdings nur, wenn eine schwere Verfehlung des Beschenkten gegenüber dem Schenker oder dessen nahen Angehörigen vorliegt. Dazu zählt beispielsweise die Bedrohung des Lebens und körperliche Misshandlung. Auch bei einer Privatinsolvenz des Schenkers können eventuelle Gläubiger die Schenkungssumme zurück verlangen.

Dominik Laska

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