Grundsicherung im Alter

Fragen und Antworten: Was tun, wenn die Rente nicht reicht? 

Längst nicht jeder verdient genug, damit am Ende eine ordentliche Rente herauskommt. Viele fragen sich, was eigentlich auf sie zukommt, falls das Geld nicht reichen sollte. Wir klären die wichtigsten Fragen zur Grundsicherung im Alter.

Die Grundsicherung ist die staatliche Mindestsicherung, die greift, wenn das Geld für den Lebensunterhalt nicht ausreicht. Sie lag laut Statistischem Bundesamt 2015 bei durchschnittlich knapp 800 Euro im Monat. Die Stiftung Warentest klärt in ihrer neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wer zahlt, wenn im Alter mein Geld nicht reicht?

Wer im Alter seinen Lebensbedarf nicht selbst decken kann, kann „Grundsicherung im Alter“ beantragen. Das ist eine steuerfinanzierte Sozialleistung.

Wo beantrage ich Grundsicherung?

Grundsicherung beantragt man beim Sozialhilfeträger. Das sind meist die Kommunalbehörden, also Städte, Kreise, Landschaftsverbände, Bezirke oder Landessozialämter. Man kann den Antrag aber auch bei der Deutschen Rentenversicherung stellen. Die leitet ihn dann an die zuständige Stelle weiter. Zum Renteneintritt informiert die Rentenversicherung mit dem Rentenbescheid auch über die Leistungen der Grundsicherung.

Wie hoch ist die Grundsicherung im Alter?

Das Sozialamt legt fest, wie hoch der Bedarf im Einzelfall ist. Im Jahr 2015 lag er nach Angaben des Bundesamts für Statistik im Durchschnitt bei 799 Euro im Monat. Einen Teil des Lebensunterhalts wie Nahrung, Kleidung, Hausrat, Körperpflege, Strom zahlt das Sozialamt als Pauschale – den Regelsatz. Er liegt für Alleinstehende bei 409 Euro im Monat, für Paare bei 368 Euro pro Person im Monat. Es kommt aber auch auf den individuellen Bedarf an. Geht etwa die Waschmaschine kaputt, lohnt es sich, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Hinzu kommen Leistungen für Unterkunft und Heizung.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Voraussetzungen für einen Anspruch auf Grundsicherung im Alter sind:

-Die Regelaltersgrenze ist erreicht. Die steigt für jeden Jahrgang bis zum Jahr 2031 stetig auf 67 Jahre an. 2017 liegt sie bei 65 Jahren und sechs Monaten.

-Das Einkommen und Vermögen reichen nicht aus, um den notwendigen Bedarf etwa für Lebensmittel, Kleidung, Heizung und Miete selbst zu decken.

-Das Einkommen und Vermögen des Partners ist nicht so hoch, dass er damit den Lebensunterhalt beider bestreiten könnte. Wer mit einem Partner zusammenlebt, bildet eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft, auch wenn man nicht verheiratet oder verpartnert ist.

Welches Einkommen wird auf die Grundsicherung angerechnet?

Bisher rechnet das Sozialamt im Prinzip alle Einkommensarten auf die Grundsicherung an: Renten (private, betriebliche und gesetzliche), Pensionen, Miet- und Pachteinnahmen, Einkünfte aus Kapitalvermögen wie Zinsen, aber auch Unterhaltszahlungen eines getrennt lebenden oder geschiedenen Ehepartners. Es berücksichtigt dabei aber nicht das volle Bruttoeinkommen. Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung zieht es ab. Auch private Haftpflicht-, Hausrat- und bestimmte Sterbegeldversicherungen können angerechnet werden.

Muss ich wirklich auch mein gesamtes Vermögen erst aufbrauchen, bevor der Staat Grundsicherung zahlt?

Fast alles. Behalten kann man ein angemessenes Haus mit Grundstück, wenn man selbst dort alleine oder mit Angehörigen wohnt. Auch das sogenannte Schonvermögen lässt einem der Staat. Viel ist das nicht: 2600 Euro bei Alleinstehenden, bei Verheirateten oder Partnern 3214 Euro.

Was zählt alles zum Vermögen?

Im Sozialrecht gehört neben Bargeld fast alles andere zum Vermögen, was theoretisch irgendwie zu Geld zu machen ist: Bankguthaben, Wertpapiere, Bausparverträge, Ansprüche aus Kapitallebensversicherungen, Schenkungen, Erbansprüche, Haus- und Immobilienbesitz, aber auch Erbbau- und Nießbrauchsrechte sowie Gemälde, Schmuck. Das Sozialamt prüft, ob und welche Vermögensgegenstände überhaupt verwertbar sind und dann, ob es nicht zum Schonvermögen gehört oder der Verkauf eine besondere Härte darstellen würde. Das kann etwa bei einem Familien- und Erbstück der Fall sein.

Holt sich das Sozialamt später das Geld, das es für mich zahlt, von meinen Kindern zurück?

Nein. Bei der Grundsicherung im Alter verzichten die Behörden auf den sogenannten Unterhaltsrückgriff auf die Kinder. Auch Erben müssen keine Kosten erstatten. Ist das Einkommen eines der Kinder allerdings sehr hoch (mindestens 100 000 Euro jährlich), entfällt der Grundsicherungsanspruch für die Eltern. In diesem Fall haben sie aber Anspruch auf Hilfe zum Lebensunterhalt. Diese können sich die Sozialämter allerdings von ihren Kindern wieder zurückerstatten lassen. Es gibt aber auch hier Freigrenzen.

Kann ich in meiner Mietwohnung bleiben?

Ja, solange Kosten für Unterkunft und Heizung dem Sozialamt angemessen erscheinen. Die können in München natürlich völlig anders ausfallen als in Hof. Als Richtschnur für eine angemessene Größe gelten etwa 45 bis 50 Quadratmeter für eine Person und 85 bis 90 Quadratmeter oder vier Zimmer für vier Personen. Erachtet das Sozialamt die Wohnung als unangemessen, kann es eine Aufforderung geben, sich eine andere Bleibe zu suchen. Andernfalls können die Zahlungen gekürzt werden.

Muss ich mein Wohneigentum verkaufen?

Nein, solange es in den Augen der Behörden angemessen ist und man es selbst bewohnt. Häuser dürfen in der Regel bis 130 Quadratmeter groß sein, Wohnungen bis 120 Quadratmeter.

Wie wehre ich mich gegen Entscheidungen des Sozialamts?

Bis zu einem Monat nach Erhalt des Bescheids ist Widerspruch bei der Behörde möglich. Die entscheidet dann erneut und schickt einen Widerspruchsbescheid. Dann hat man wieder einen Monat Zeit, um vor dem Sozialgericht dagegen zu klagen. Verfahrensgebühren fallen nicht an.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Investment-Größe wettert: Bitcoin ist "Müll"
Immer mehr Negativstimmen erheben sich gegen den Bitcoin. Erst der Chef einer US-Großbank, nun ein mächtiger Investor. Haben sie am Ende Recht mit ihrer Kritik?
Investment-Größe wettert: Bitcoin ist "Müll"
18-jähriger Bitcoin-Millionär sagt DAS voraus
Der erst 18-jährige Erik Finman ist durch Bitcoin Millionär geworden. Nun gibt er eine Prognose für die Kryptowährung ab - und die ist wirklich erstaunlich.
18-jähriger Bitcoin-Millionär sagt DAS voraus
Einstieg in die digitale Welt – Tablets für Kinder im Test
Schon die Kleinsten sind fasziniert von digitalen Inhalten und den dazugehörigen Geräten. Deshalb gibt es mittlerweile Tablets für Kinder. Doch welche sind geeignet?
Einstieg in die digitale Welt – Tablets für Kinder im Test
Laptop-Kauf einfach gemacht: Alles was Sie wissen müssen
Wer sich ein neues Laptop zulegen will, hat die Qual der Wahl. Windows-Geräte gibt es schon zu relativ günstigen Preisen. Doch auch Apple hat nachgelegt und tritt wieder …
Laptop-Kauf einfach gemacht: Alles was Sie wissen müssen

Kommentare