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Auch vererben will gelernt sein.

Experte erklärt

Goldene Regeln beim Vererben: Die Tricks der Profis

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Jahr für Jahr vererben und schenken die Deutschen ein Vermögen im zweistelligen Milliardenbereich. Daran verdient auch der Fiskus. Das können Sie mit diesen Tricks vermeiden.

Der Münchener Fachanwalt für Erbrecht und Experte im Erbschaftsteuerrecht Ludger Bornewasser gibt zehn goldene Tipps, um die Steuerbelastung möglichst gering zu halten:

Freibeträge alle zehn Jahre nutzen

„Versteuert wird nicht jeder ererbte oder geschenkte Euro. Viele Zuwendungen bleiben innerhalb der Steuerfreibeträge“, erklärt Bornewasser. Für Familienmitglieder sind diese recht großzügig bemessen. „Der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner hat einen Freibetrag von 500 000 Euro. Kinder haben gegenüber jedem Elternteil einen Freibetrag von 400 000 Euro und Enkelkinder können steuerfrei 200 000 Euro bekommen“, sagt Bornewasser. Für entfernte Verwandte oder Freunde und Bekannte sieht die Sache dagegen anders aus. „Sie haben lediglich einen Freibetrag in Höhe von 20 000“, weiß Bornewasser.

Der Vorteil bei Freibeträgen: Der Steuerpflichtige kann sie immer wieder nutzen. „Alle zehn Jahre können die Freibeträge erneut genutzt werden. Zudem haben Kinder Freibeträge sowohl nach ihrer Mutter als auch nach ihrem Vater“, erklärt Bornewasser.

Der Anwalt erklärt dies anhand eines Beispiels: „Eltern schenken ihrem gemeinsamen Sohn jeweils 400 000 Euro und wiederholen dies nach zehn Jahren. So wird dem Sohn ein Gesamtvermögen von 1,6 Millionen Euro völlig steuerfrei übertragen. Werden dann noch die Enkelkinder einbezogen, sind leicht Schenkungen im Wert von mehreren Millionen steuerfrei möglich.“

Schenkung unter Nießbrauchsvorbehalt

Hier kann der Schenkende gleich mehrere Vorteile kombinieren: „Die Übertragung einer Immobilie unter Vorbehalt eines Nießbrauchs hat nicht nur den Vorteil, dass der Schenker die Immobilie auch nach der Schenkung noch selber nutzen kann. Sie ist auch steuerlich von großem Vorteil, weil der Wert des Nießbrauchs bei der Berechnung der Steuer abzuziehen ist“, sagt Bornewasser.

Ein Beispiel aus der Praxis: „Die Tochter, die von ihrem Vater ein Haus im Wert von 600 000 Euro gegen Vorbehalt eines Nießbrauchs erwirbt, muss nicht die vollen 600 000 Euro versteuern, sondern nur das, was nach Abzug des Nießbrauchs verbleibt. Ist der Nießbrauch 200 000 Euro wert, liegt der Wert der Schenkung mit 400 000 Euro innerhalb des Steuerfreibetrags der Tochter.“ Es fällt in diesem Fall also keine Steuer an.

An den Richtigen schenken

Wer schon zu Lebzeiten Teile des Vermögens weitergeben will, sollte sich gut überlegen, wen er damit bedenkt. „Wollen Eltern ihre Tochter und ihren Schwiegersohn beim Hausbau finanziell unterstützen, sollten sie keine Schenkung an die Tochter und den Schwiegersohn vornehmen“, rät Bornewasser. Der Grund sind die Freibeträge. „Der Schwiegersohn hat nämlich lediglich einen Freibetrag in Höhe von 20 000 Euro und versteuert alles darüber hinaus mit mindestens 15 Prozent Schenkungsteuer“, warnt Rechtsanwalt Bornewasser. In dem Fall wäre es richtig, allein die Tochter zu beschenken. „Diese kann dann ihrerseits steuergünstig Teile des erhaltenen Geschenkes an ihren Ehemann weiterschenken“, rät Bornewasser.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Tochter zunächst frei über das Geschenk verfügen kann und aus freiem Willen ihrem Ehemann etwas schenkt. Andernfalls wird eine solche „Kettenschenkung“ vom Fiskus als Missbrauch betrachtet und als Schenkung der Eltern an die Tochter und den Schwiegersohn versteuert.

Eine weitere Möglichkeit: „Steuergünstige Kettenschenkungen sind auch sinnvoll, wenn das Vermögen unter den Ehegatten ungleich verteilt ist“, sagt Bornewasser. Zur Ausnutzung der Steuerfreibeträge der Kinder durch beide Elternteile sollte der vermögende Ehegatte dem anderen etwas schenken, was dieser dann nach einer „Schamfrist“ an die Kinder weiterschenken kann. „So können die Freibeträge von beiden Eltern genutzt werden“, erklärt Bornewasser.

Steuerfreie Zuwendungen unter Ehegatten

Niemand wird allein aus Steuerspargründen den Bund fürs Leben eingehen – trotzdem ist die Heirat immer noch der beste Tipp, um dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen. „Unter Ehegatten sind große Vermögensübertragungen möglich, ohne dass ein Cent Steuern anfällt“, weiß Bornewasser. So kann ein Ehegatte dem anderen ein Familienheim oder auch seinen Anteil, etwa die Hälfte an dem Familienheim, steuerfrei schenken. „Voraussetzung ist lediglich, dass das Haus oder die Wohnung den Mittelpunkt des familiären Lebens zu Wohnzwecken darstellt“, sagt Bornewasser. Für Ferien- und Wochenendhäuser kommt diese Sparmöglichkeit also nicht in Betracht.

Dafür kann – ebenfalls steuerfrei – ein sogenannter Zugewinnausgleich stattfinden. „Hat beispielsweise der Ehemann in den vergangenen Ehejahren ein umfangreiches Vermögen aufgebaut, die Ehefrau hingegen während der Ehe nichts erworben, können die Eheleute den Güterstand der Zugewinngemeinschaft beenden und im Rahmen des notariellen Ehevertrages regeln, dass Teile des Vermögens des Ehemannes als Ausgleich des Zugewinns auf die Ehefrau steuerfrei übertragen werden“, so Bornewasser.

Steuerneutrale Lebensversicherung

Lebensversicherungen unterliegen der Schenkung- und Erbschaftsteuer. „Das gilt jedoch nicht für Risikolebensversicherungen, die der Begünstigte selber abgeschlossen und bezahlt hat“, erklärt Bornewasser.

Sein Trick: „Wollen sich nichteheliche Lebenspartner oder Geschäftspartner durch eine Risikolebensversicherung gegenseitig absichern, wäre es ein Fehler, jeweils das eigene Leben zu versichern und als Bezugsberechtigten der Versicherung den jeweils anderen einzutragen.“ Denn steuerfrei ist die Versicherung nur, wenn derjenige, der die Versicherung abschließt und die Beiträge zahlt, das Leben des anderen versichert. Wenn dieser dann verstirbt, entfällt auf die Versicherungssumme keine Steuer!

Freibeträge

Persönlicher Freibetrag nach § 16 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz bei unbeschränkter Steuerpflicht:

Steuerklasse

Personenkreis

Freibetrag

I

Ehegatte, eingetragener Lebenspartner

500 000 Euro

I

Kinder oder Stiefkinder Kinder verstorbener (Stief-)Kinder

400 000 Euro

I

Kinder noch lebender (Stief-)Kinder

200 000 Euro

I

andere Abkömmlinge der (Stief-) Kinder, (Adoptiv-)Eltern oder Voreltern (nur beim Erwerb von Todes wegen)

100 000 Euro

II

Adoptiv-)Eltern und Voreltern (nur bei Schenkungen), Geschwister, Nichten, Neffen, Stiefeltern, geschiedener Ehegatte, aufgehobene Lebenspartnerschaft, Schwiegerkinder, Schwiegereltern

20 000 Euro

III

Übrige Erwerber und Zweckzuwendungen

20 000 Euro

Das steueroptimierte Testament

Der Klassiker des Berliner Testamentes, mit welchem sich Ehegatten gegenseitig zu Erben einsetzen und die Kinder erst im Falle des Todes des Letztversterbenden etwas erhalten, ist oft steuerlich ungünstig. „Da die Kinder beim ersten Todesfall nichts erhalten, verlieren sie beim Tod des erstversterbenden Elternteils ihre Freibeträge“, warnt Bornewasser.

Der Anwalt weiß, wie sich dieser Effekt vermeiden lässt: „Ein Vermächtnis, mit welchem im Todesfall einzelne Sachen oder Gelder übertragen werden, kann zugunsten der Kinder bestimmt werden.“ Ist kein Geld zur Nutzung der Steuerfreibeträge vorhanden, kann auch eine Immobilie im Wege des Vermächtnisses gegen Vorbehalt eines Nießbrauchs übertragen werden.

Das funktioniert so: Ein Erblasser kann seine Ehefrau als Alleinerbin dazu verpflichten, an die Kinder ein im Nachlass vorhandenes Haus gegen Vorbehalt eines lebenslangen Nießbrauchs zu übertragen. „So erhalten die Kinder die Immobilie zur Ausnutzung ihrer Steuerfreibeträge, wohingegen die Ehefrau nur den Nießbrauch an dem Haus erhält und versteuern muss“, sagt Erbrechtsexperte Bornewasser.

Die richtigen Dinge vererben

Unternehmer können ihre Firma steuerbegünstigt oder gar steuerfrei auf die nachkommende Generation übertragen. Doch nicht nur Unternehmer kommen in den Genuss einer solchen Regelung. Bornewasser weist darauf hin: „Der Gesetzgeber verschont teilweise auch privates Vermögen.“ So unterliegt die Vererbung oder Verschenkung einer vermieteten Immobilie nur zu 90 Prozent der Erbschaft- und Schenkungsteuer.

Für München kommt noch ein weiterer Effekt hinzu: „Der steuerliche Wert von Immobilien in Großstädten und strukturstarken Gegenden liegt oft weit unter dem tatsächlichen Wert. Deshalb ist die Vererbung einer Immobilie immer noch günstiger als die Vererbung von Geld oder Wertpapieren“, erläutert Bornewasser.

Ein Beispiel aus der Praxis: „Der Vater, der seiner Tochter 600 000 Euro schenken möchte, tut gut daran, kein Geld zu schenken, sondern eine vermietete Immobilie in einer Großstadt. Mit etwas Glück und Planung entspricht der steuerliche Wert der Immobilie nicht dem tatsächlichen Wert von 600 000 Euro, sondern errechnet sich mit etwa 500 000 Euro. Hiervon werden aufgrund der Vermietung nochmals zehn Prozent abgezogen“, so Bornewasser.

Er rechnet vor: „Zu versteuern sind dann lediglich 450 000 Euro. Die Steuer hierauf beträgt unter Berücksichtigung des Freibetrages von € 400 000 Euro nur noch 3500 Euro. Bei Zuwendung eines Barbetrages von 600 000 Euro wären dagegen 22 000 Euro angefallen.“ Noch günstiger ist die Vererbung einer vom Erblasser bis zu seinem Tode selbst bewohnten Immobilie dann, wenn der Erbe selber die Immobilie zehn Jahre nach dem Tod des Erblassers zu eigenen Wohnzwecken nutzt. In einem solchen Fall ist die Vererbung der Immobilie an den Ehegatten oder die Kinder steuerfrei.

Darf es ein Kind mehr sein?

Heiraten kann man nur einen Partner, doch es gibt eine weitere Möglichkeit, ein steuergünstiges Verwandtschaftsverhältnis herzustellen. „Die hohen Steuersätze unter nicht verwandten Personen können durch eine Adoption vermieden werden“, weiß Bornewasser.

Der Clou: „Nicht nur minderjährige Kinder, auch erwachsene Menschen können adoptiert werden“, erklärt der Erbrechtsanwalt. Voraussetzung hierfür ist jedoch eine sogenannte sittliche Rechtfertigung. „So wird bei einer Volljährigenadoption überprüft, ob zwischen dem Annehmenden und dem Anzunehmenden bereits ein Eltern-Kind-Verhältnis besteht“, sagt Bornewasser. Dies ist beispielsweise bei einem Leben in einem gemeinsamen Hausstand, bei persönlichen, über bloße Dienstleistung hinausgehenden Betreuungen und bei einem länger währenden gegenseitigen Einstehen füreinander der Fall.

Steuern sparen nach dem Erbfall

Auch nach dem Erbfall ist noch nicht alles verloren und eine steuerliche Optimierung weiterhin möglich. Der Münchener Erbrechtsanwalt Bornewasser: „So können durch Pflichtteilsansprüche Steuerfreibeträge genutzt werden. Auch kann eine Erbschaft gegen Zahlung eines Entgelts ausgeschlagen werden.“

Ein Beispiel für eine solche Regelung: „Die überlebende Ehefrau als Alleinerbin, die nach dem plötzlichen Tode ihres Ehemannes feststellt, dass sie erheblichen Steuern ausgesetzt ist, kann die Erbschaft ausschlagen und mit den Kindern zuvor notariell vereinbaren, dass sie eine Gegenleistung für die Ausschlagungerhält“, erklärt Bornewasser. Allerdings müssen sich in einem solchen Fall alle Beteiligten schnell einig werden. „Derartige Regelungen müssen sehr schnell erfolgen, da eine Ausschlagung nur innerhalb von sechs Wochen nach Kenntnis von der Erbschaft möglich ist“, erklärt Bornewasser.

Gutes Tun und Steuern sparen

Findet sich keiner, dem das Vermögen steuergünstig übertragen werden kann, da nur entfernte Verwandte oder nichtverwandte Personen vorhanden sind oder weil nahe Verwandte gerade nichts erhalten sollen, empfiehlt sich die Vererbung an gemeinnützige Organisationen. „Zuwendungen an Organisationen, die ausschließlich kirchliche, gemeinnützige oder mildtätige Zwecke verfolgen und als solche anerkannt sind, unterliegen keiner Erbschaft- oder Schenkungsteuer“, sagt Bornewasser.

Die verwitwete kinderlose Rentnerin, die ihr Vermögen in keinem Falle ihrem verhassten Bruder überlassen möchte und die auch nicht möchte, dass 30 Prozent ihres Vermögens in den allgemeinen Steuertopf gelangen, wird aufgrund ihres lebzeitig unerfüllten Kinderwunsches möglicherweise einen Verein zum Erben einsetzen, der sich um Kinder in Not kümmert.

Steuersätze nach Steuerklasse

Wert des steuerpflichtigen Erwerbs

Steuerklasse I

Steuerklasse II

Steuerklasse III

75 000 Euro

7 Prozent

15 Prozent

30 Prozent

300 000 Euro

11 Prozent

20 Prozent

30 Prozent

600 000 Euro

15 Prozent

25 Prozent

30 Prozent

6 000 000 Euro

19 Prozent

30 Prozent

30 Prozent

13 000 000 Euro

23 Prozent

35 Prozent

50 Prozent

26 000 000 Euro

27 Prozent

40 Prozent

50 Prozent

über 26 000 000 Euro

30 Prozent

43 Prozent

50 Prozent

Marc Kniekamp

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