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Höherer Freibetrag für Rentner: Wer jetzt mehr Geld bekommt

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Die Rentenkasse könnte durch die Coronakrise Probleme bekommen.
Viele Rentner profitieren ab Januar von dem Zuschlag. © picture alliance/dpa

Mit dem neuen Rentenfreibetrag bei der Grundsicherung im Alter können Betroffene ab 2021 bis zu 223 Euro mehr bekommen. Erfahren Sie hier mehr über die Neuerung.

Alle Welt hat in diesem Jahr von der Grundrente geredet. Dabei ist für Millionen Senioren* der neue Rentenfreibetrag bei der Grundsicherung im Alter viel, viel wichtiger. Wer bislang Grundsicherung bekommen hat, kann monatlich dank der neuen Grundsicherung Plus bis zu 223 Euro mehr erhalten. Damit bedeutet Grundsicherung oft nicht mehr den Absturz auf Hartz-IV-Niveau.

Wer kann den Freibetrag geltend machen?

Wer mindestens 33 Jahre in die Rentenkasse einbezahlt hat und eine niedrige Rente hat. Entscheidend für die Anerkennung des Freibetrags durch das Sozialamt sind dabei die sogenannten Grundrentenzeiten: Dazu gehören unter anderem alle Pflichtbeitragszeiten aus Erwerbstätigkeit einschließlich der Zeiten eines versicherungspflichtigen Minijobs sowie Zeiten der Kindererziehung bis zum zehnten Geburtstag des Kindes, bei mehreren Kindern in der Regel bis das jüngste Kind zehn Jahre alt wird. Hunderttausende Senioren haben durch den neuen Freibetrag erstmals Anspruch auf diese Alters-Sozialhilfe.

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Was bedeutet das für Rentner, die die hohen Mieten in München zahlen müssen?

Ein Beispiel: Ein Rentner aus München bezieht eine Bruttorente in Höhe von 1.300 Euro. Davon gehen 143 Euro für die Kranken- und Pflegeversicherung ab. Es bleiben also 1.157 Euro. Die Grundsicherungs-Rechnung wäre: 690 Euro Miete (in München nicht zu viel) und 468 Euro Regelbedarf für Alleinstehende (so viel gibt es nur in München): Sind also zusammen 1.158 Euro. Ein Euro mehr als die Rente. Jetzt greift aber der neue Freibetrag. Da braucht unser Rentner nicht mehr lang rechnen. Ab 510 Euro Rente wird die Sozialhilfe um den Höchstbetrag von 223 Euro aufgestockt. Also hat der Rentner jetzt 1.381 Euro.

Die Neuregelung kommt vielen Rentnern zugute – auch bei sehr geringen Alterseinkünften. Bereits bei 320 Euro Rente werden Sozialleistungen um 166 Euro aufgestockt.

Muss man einen Antrag stellen? 

Das kommt darauf an, ob man schon Grundsicherung bekommt. Wer durch den Freibetrag erstmals einen Anspruch erhält, muss einen Antrag stellen. Nur wer im Januar Grundsicherung beantragt, kann später auf eine Nachzahlung ab Anfang 2021 hoffen. Wer heute bereits Grundsicherung erhält, bekommt automatisch eine Nachzahlung – ohne Antrag.

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Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Grundsicherung aus?

Wer im Januar 2021 Grundsicherung im Alter beantragt, profitiert auch von der Corona-Sonderregelung zum erleichterten Grundsicherungsbezug. Diese gilt für alle Anträge, die bis Ende März 2021 gestellt werden. Wichtig dabei: Bei einem Alleinstehenden zählt ein Geldvermögen von bis zu 60.000 Euro als „nicht erheblich“ und steht einem Grundsicherungsanspruch nicht entgegen. Für jede weitere Person, die im Haushalt lebt, wird sie um 30.000 Euroerhöht. Auch die Angemessenheit einer selbst genutzten Immobilie wird derzeit nicht geprüft.

Wann wird das Geld ausgezahlt? 

Ein wenig trübt die Freude über den neuen Geldsegen, dass die Auszahlung aufgeschoben wird. Denn ausgezahlt werden können die neuen Ansprüche erst, nachdem die Deutsche Rentenversicherung über 20 Millionen Rentenkonten geprüft hat und feststellt, wer auf 33 Grundrentenjahre kommt. Wer ab Juli 2021 erstmals Rente bewilligt bekommt, dessen Rentenbescheid wird „eine Aufstellung über Grundrentenzeiten beigefügt“, erklärt Gundula Sennewald von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Für alle anderen heißt es: Abwarten – gegebenenfalls bis Ende 2022. Die Sozialämter sind bei Nachweis über die Grundrentenzeiten zur Berücksichtigung des Freibetrags verpflichtet. Später wird der volle Betrag nachgezahlt.

Was ist mit Zusatzvorsorge? 

Der Freibetrag wird laut Bundesarbeitsministerium nicht mit dem alten Alterssicherungsfreibetrag verrechnet, der bereits seit 2018 gilt. Dieser alte Freibetrag kann ebenfalls bis zu 223 Euro betragen. Er gilt für zusätzliche Altersvorsorge, also für Betriebsrenten, Riester-Renten, private Renten, aber auch für den Teil der Altersrente, der durch freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung erworben wurde.

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Neuer Rentenfreibetrag ab 2021 – drei Rechenbeispiele

Rechenbeispiel 1: Ein Rentner mit 850 Euro Nettorente bekommt auf Antrag Grundsicherung bewilligt. Von der Rente darf er einiges behalten: 100 Euro Freibetrag und 30 Prozent vom Rest. Machen rechnerisch 325 Euro, doch ist der Freibetrag auf maximal 223 Euro begrenzt. Diesen Betrag darf er ab 2021 zusätzlich zu den Sozialleistungen behalten. Er hat also im kommenden Jahr spürbar mehr zum Leben.

Rechenbeispiel 2: Eine alleinstehende Rentnerin erhielt bislang 600 Euro Bruttorente. Das reichte nicht zum Leben. Das Sozialamt sprang ein, mit Grundsicherung und Miete. Damit hatte sie nicht mehr als jeder andere Hartz IV-Empfänger. Ab Januar bekommt sie Grundrente. 250 Euro mehr, weil sie 33 Beitragsjahre nachweisen kann. Sie hat nun 850 Euro – und damit immer noch zu wenig. Die Grundrente alleine bringt ihr also noch nichts. Aber dafür der Freibetrag: Der beträgt bei dieser Rente 223 Euro. Dieses Geld bleibt ihr zusätzlich zu den staatlichen Leistungen.

Rechenbeispiel 3: Eine alleinstehenden Floristin mit wenig Rente steht künftig besser da. Sie hat 40 Jahre voll gearbeitet und 40 Prozent des Durchschnittslohns verdient. Sie hat Rente von 547 Euro, hinzukommt jetzt eine Grundrente von 418 Euro. Somit hat sie monatlich 965,87 Euro. Trotzdem sinkt wegen der hohen Miete ihr Einkommen auf Hartz IV-Nivau. Künftig bleibt ihr ein Freibetrag von 223 Euro zusätzlich zu staatlichen Leistungen. *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rolf Winkel / Martin Prem/ S. Sasse

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