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Gold: Echt oder Fälschung?

Edelmetall

Immer mehr Fälschungen: Der Goldrausch und die Folgen

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In Krisenzeiten gilt Gold als sicherer Hafen. Und Niedrigzinszeit ist Krisenzeit. Die Nachfrage nach dem Edelmetall boomt. Mehrere Goldhändler vermelden Umsatzrekorde für das vergangene Jahr. Die hohe Nachfrage ruft aber offenbar auch Betrüger auf den Plan.

Tonnenweise ist Gold im vergangenen Jahr über den Ladentisch gegangen. Das Edelmetall ist bei den Händlern gefragt wie nie. So vermeldete die BayernLB gestern einen Absatzrekord für 2016. Mehr als 50 Tonnen wurden bei den Münchnern, die Unternehmen, Banken und Sparkassen beliefern, gehandelt – 2,5 Tonnen mehr als im Vorjahr. Auch die Degussa, die ihr Geschäft vor allem mit Endkunden macht, verkaufte im vergangenen Jahr rund 20 Prozent mehr als 2015 – über 35 Tonnen Gold. Der Goldumsatz bei Pro Aurum lag mit knapp 38,8 Tonnen 25 Prozent höher als im Jahr zuvor.

Niedrigzins und Preisrückgang

Glaubt man den Händlern, hat der Gold-Boom verschiedene Gründe. Michael Eubel, Leiter der Abteilung Sorten & Edelmetalle der BayernLB, führt die gestiegene Nachfrage vor allem auf die anhaltend niedrigen Zinsen zurück. Beliebte Sparprodukte wie Tages- und Festgeld werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab. Anleger, die den Aktienmarkt scheuen, greifen auf Gold zurück.

Bei Degussa begründet man die gestiegenen Umsätze auch mit dem niedrigen Gold-Preis Ende 2016. Von gut 1300 Dollar (gut 1200 Euro) je Feinunze (31,1 Gramm) Anfang November sank der Preis auf 1128 Dollar Mitte Dezember. Gold-Liebhaber nutzten die Gunst der Stunde. „Außerdem haben viele Gold als Weihnachtsgeschenk gekauft“, berichtet Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Sprecher der Degussa-Geschäftsführung.

2,5 bis 10 Prozent Goldanteil im Depot

Wer Gold kaufen möchte, kann das übrigens in Papierform (als Zertifikat) tun – oder in Form von Münzen und Barren in verschiedenen Stückelungen. Auf den Internetseiten von Edelmetallhändlern kann man vorab Preise vergleichen. Experten empfehlen Anlegern Gold als Beimischung zum Gesamtvermögen. Stefanie Kühn, Finanzberaterin aus Grafing, etwa rät zu einem Anteil zwischen 2,5 und zehn Prozent – je nach Vermögenssituation. „Münzen gelten durch die Prägung als fälschungssicherer, Barren haben dagegen eine geringere Differenz zwischen An- und Verkaufspreis“, so Finanzberaterin Kühn.

Zahl der Fälschungen hat zugenommen

Ja, auch Gold kann gefälscht werden. Und die hohe Nachfrage ruft immer mehr Betrüger auf den Plan. „Die Zahl der angebotenen Fälschungen hat bei uns wie in der gesamten Branche in den letzten Wochen massiv zugenommen“, sagt Daniel Marburger vom Edelmetallhändler CoinInvest. „Fälschungen kommen tatsächlich häufiger vor als früher“, heißt es auch bei Pro Aurum. Bei den im Umlauf befindlichen Fälschungen handelt es sich laut CoinInvest vor allem um Goldbarren mit einer Feinunze Gewicht, vereinzelt aber auch um Münzen. Die Täter sind Marburgers Erfahrung zufolge einerseits professionelle Betrüger, andererseits arglose Privatpersonen, die fälschlicherweise meinen, im Internet ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Die eigentlichen Fälscher sitzen laut CoinInvest meist in China. Dort produzieren sie die für Laien realistisch wirkenden Duplikate mit originalgetreuer Verpackung. Auch gefälschte Echtheitszertifikate liefern die Betrüger. Dabei reicht die Palette von einfachen Fälschungen, die aus einem goldfarbenen Stück Messing bestehen, bis zu professionellen Fälschungen – etwa mit echtem Gold ummantelte Barren mit einem Kern aus Wolfram. Das Übergangsmetall besitzt eine ähnliche spezifische Dichte wie Gold; weshalb eine Gewichtskontrolle hier keine Fälschung entlarvt. Verkauft werden die Barren und Münzen dann über Plattformen wie eBay oder das chinesische Gegenstück Alibaba für einen vergleichsweise geringen Preis. Beliebtestes Motiv unter Fälschern ist laut CoinInvest derzeit eine Feinunze Gold der australischen Prägestätte Perth Mint.

Schnäppchen gibt es bei Gold nicht

Bei professionellen Goldhändlern haben Fälschungen wenig Chancen. Mit Prüfsteinen, Prüfsäure, Magnet- und Feinwaagen sowie Röntgenanalysegeräten kommen die Experten den Betrügern schnell auf die Schliche. Privatanlegern ohne spezielle Vorkenntnisse rät Marburger, bei vermeintlichen Schnäppchen hellhörig zu werden, denn Gold werde niemals unter dem Marktpreis verkauft. Derzeit liegt der Preis für eine Feinunze Gold bei knapp 1214 US-Dollar, also rund 1130 Euro. Auch Wrzesniok-Rossbach von Degussa warnt: „Bei Gold gibt es keine Schnäppchen.“

Gold-Kauf beim zertifizierten Händler

Grundsätzlich gilt zudem: Bei Angeboten auf Online-Verkaufsplattformen oder in Kleinanzeigenportalenist Vorsicht geboten. „Wenn man Gold kaufen möchte, sollte man das an verlässlicher Stelle tun“, so Wrzesniok-Rossbach. Wer bei einem zertifizierten Händler kauft, ist auf der sicheren Seite. Die Mitgliedschaft bei der Londoner Handelsorganisation London Bullion Market Association (LBMA) ist zum Beispiel ein Hinweis auf einen seriösen Händler. Auch ein Trusted-Shops-Zertifikat (im Online-Handel) oder die Mitgliedschaft im Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels weisen auf vertrauenswürdige Edelmetall-Händler hin.

von Manuela Dollinger

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