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Immer mehr Menschen nehmen Kredite auf

Die Zahl der in Anspruch genommene Kredite steigt jedes Jahr. Eine Kreditaufnahme ist von der Ausnahme beinahe zum Normalzustand geworden.

Kredite sind zu einem beliebten Handelsgut geworden. Die meisten Menschen haben in ihrem Leben schon mindestens einmal einen Kredit in Anspruch genommen oder haben die Absicht, dies in absehbarer Zukunft einmal zu tun. Was vor ein paar Jahrzehnten noch eher die Ausnahme war, scheint heute beinahe zum guten Ton zu gehören. Selbst für eine Reise würden immer mehr Menschen einen Kredit aufnehmen.

Der klassische Immobilienkredit ist längst nicht mehr das einzige Darlehen, das Menschen im Laufe ihrer Lebensplanung aufnehmen. Ein neues Auto aus eigenen finanziellen Mitteln sofort bar bezahlen? Vor allem im Bereich der Autofinanzierung sind Kredite inzwischen fast schon der Normalfall geworden. Bei der Frage, ob leihen oder leasen, scheiden sich zwar naturgemäß die Geister, eine mittel- oder langfristige Finanzierung des Autokaufs ist allerdings inzwischen das klassische Modell.

Bei großen Anschaffungen wie einem Immobilienkauf oder dem Erwerb eines Neuwagens hört der Enthusiasmus für geliehenes Geld allerdings noch lange nicht auf. Bei vielen größeren und kleineren Käufen neigen Verbraucher inzwischen dazu, nicht allzu streng mit den vorhandenen Eigenkapitalreserven zu sein und ohne große Bedenken auf eine kleine oder auch größere Finanzspritze Dritter zurückzugreifen. Ob es sich um ein Darlehen im privaten Bereich handelt oder eine der vielfältigen Formen des Ratenkredites, den Banken und Finanzdienstleister zur Verfügung stellen, die Bereitschaft, mithilfe von geliehenem Geld auch über die eigenen finanziellen Möglichkeiten hinaus zu leben, ist so hoch wie nie. Die schicke Wohnzimmereinrichtung, der große Flatscreen, die neue Küche, in vielen deutschen Haushalten stehen Einrichtungsgegenstände und Geräte, die eigentlich noch der Bank oder dem Händler gehören. Den Wohnkomfort und die Freude am Shoppen scheint diese Tatsache allerdings nicht zu schmälern. Selbst in den Urlaub fahren oder fliegen immer mehr Menschen auf Pump. Für die alljährliche Entspannung und einen Hauch von Luxus ist längst kein dickes Bankkonto mehr erforderlich. Was unseren Großeltern und auch unseren Eltern oft noch schlaflose Nächte bereitete, ist heute keine große Sache mehr. Der Wandel, den das Leben auf Pump und sein Ruf damit vollzogen haben, könnte wohl kaum größer sein.

Bloß keine Schulden machen

In den Generationen, die vor uns lebten und wirtschafteten, waren Schulden noch etwas Unangenehmes, das es so gut wie möglich zu vermeiden galt. Tatsächlich stammt die Formulierung „auf Pump leben“ aus der Gaunersprache. Im 17. Jahrhundert kann der Begriff „pumpen“, auch „pompen“, bereits mit der Bedeutung „etwas borgen“ in Textdokumenten nachgewiesen werden. Die Redewendung „auf Pump leben“ wird ungefähr seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verwendet. Da mag es kaum verwundern, dass frühere Generationen das Thema Schulden mit ganz anderen Augen sahen als wir es heute tun.

Für Geld wurde gearbeitet und die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel bestimmten den Lebensstandard. Auf größere Anschaffungen wurde oftmals lange Zeit hingespart. Immer war das nicht möglich. Ein Haus bauen oder kaufen konnten sicher auch unsere Großeltern nicht so ohne Weiteres aus eigener Tasche. Vor allem der Immobilienkredit nahm deshalb irgendwie schon immer eine gewisse Sonderstellung ein. Als Investition in die Zukunft und in die Altersvorsorge ließ sich ein Darlehen für das Eigenheim unter anderen Gesichtspunkten bewerten. Bis heute ist die Finanzierung einer Immobilie der häufigste Grund, aus dem Menschen ein Darlehen aufnehmen oder für die Zukunft damit planen (. Der häufigste ja, aber längst nicht der einzige. Wie kommt es, dass das Thema Schulden heute so völlig anders bewertet wird als früher?

Einfacher Zugang zu finanziellen Mitteln

Der Hauptgrund dafür, dass bei vielen Menschen das geliehene Geld heute sehr locker sitzt, ist wahrscheinlich der einfache Zugang zu finanziellen Mitteln aller Art durch den Dispokredit, Kreditkarten und zunehmende Anbieter von Online-Krediten. Hohe Überziehungszinsen können die Kosten zwar ganz schön in die Höhe treiben, trotzdem hat der Kreditrahmen, den Banken und Finanzdienstleister ihren Kunden inzwischen einräumen, die Nullgrenze des eigenen Kontos verschwimmen lassen. Durch bargeldloses Bezahlen geht heute bei den meisten Käufen kein Bargeld mehr über den Tisch. Dass das Portemonnaie langsam leerer wird, fällt nicht mehr so deutlich auf.

Hinzu kommen die nahezu unendlichen Möglichkeiten, ganz einfach online einen Kredit zu beantragen. Wer kurzfristig finanzielle Mittel benötigt, kann mit wenigen Klicks unzählige Kredite miteinander vergleichen und häufig ebenso unkompliziert das gewünschte Darlehen beantragen. Damit fällt auch noch die letzte Hürde, die zwischen dem Konsum und der tatsächlich vorhandenen Kaufkraft stand.

Wer nicht unbedingt ein Händchen für Geld hat, kann auf diese Weise schnell in eine böse Kostenfalle tappen. Mit geliehenem Geld lässt sich heute ohne große Probleme ein Lebensstandard einrichten, der über den tatsächlichen Möglichkeiten liegt. Die Werbebranche ist schließlich auch nicht gerade zimperlich damit, Begehrlichkeiten zu wecken und das Mekka der Finanzierungsmöglichkeiten und der niedrigen Zinsen anzupreisen. Damit ist geliehenes Geld kaum noch teurer als Eigenkapital.

Vor allem in der Elektronikbranche sind günstige Finanzierungen zu einem verbreiteten Marketinginstrument geworden. Die ganz großen Anbieter locken immer wieder mit den viel umworbenen 0-Prozent-Finanzierungen. Im Bereich der Unterhaltungselektronik werden solche Aktionen mit besonderer Vorliebe genutzt. Einen echten Vorteil können Verbraucher aus den günstigen Finanzierungen ziehen, wenn sie beispielsweise für die Anschaffung eines energieeffizienteren Haushaltsgerätes wie einer Waschmaschine, eines Trockners oder eines Kühlschrankes geht. Mit einer 0-Prozent-Finanzierung können die niedrigeren Energiekosten in diesem Fall die Haushaltskasse langfristig entlasten.

Trotzdem bleibt es wichtig, vor jeder Finanzierungsentscheidung genau hinzuschauen und kritisch zu hinterfragen, ob eine Anschaffung auch ohne ausreichendes Eigenkapital wirklich erforderlich ist. So einfach und unkompliziert es heute auch sein mag, ein Leben auf Pump zu gestalten, der Überblick über die vorhandenen Verbindlichkeiten sollte niemals verloren gehen.

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