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So machen Sie mehr aus Ihrem Geld

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Von: Susanne Stockmann

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Geld
Mehr Geld zur Verfügung haben: Das ist leichter, als viele denken! © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist, die Urlaubskasse nur eine statt der dringend benötigten drei Wochen Erholung gestattet und die kaputte Waschmaschine eine finanzielle Höchstleistung fordert, ist es Zeit für Ihren persönlichen Vermögens-Booster! Wie das klappt, lesen Sie hier.

Der Geldspeicher von Dagobert Duck und dessen Suchen nach dem nächsten Goldschatz hat den Finanzexperten Thomas Kehl (32) als kleiner Bub sehr fasziniert. Schon als Schüler begeisterte er sich für Aktien, lernte später Bankkaufmann, machte seinen Betriebswirt und arbeitete als Investmentprofi in Paris. Parallel dazu begann er mit seinem Schulfreund Arno Krieger Youtube-Videos zu Finanzfragen zu produzieren und gründete die Firma Finanzfluss . Thomas Kehl will zeigen, wie einfach es ist, Geld für sich arbeiten zu lassen. So dass jeder dem Traum vom eigenen Geldspeicher näherkommt.

Die Antworten auf Anleger-Fragen, die Finanzfluss erreichen, haben Kehl und seine Co-Autorin Mona Linke nun zum Buch verarbeitet und nennen es selbstbewusst: Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest! In drei großen Schritten werden Sie zum Profi für die eigenen Finanzen: Kassensturz machen, Sparziele formulieren – und am schwierigsten: Die Anlagestrategie finden, mit der man sich wohlfühlt, und wenig Arbeit hat. Thomas Kehl sagt: „Im Monat beschäftige ich mich nur ein bis zwei Stunden mit meiner persönlichen Geldanlage.“

In drei Schritten zum finanziellen Polster - zuerst der Kassensturz

Für die Zukunftsplanung ist es wichtig zu wissen, wo man steht: Um das Nettoguthaben zu ermitteln, werden alle Vermögenswerte zusammengerechnet (z. B. Geld auf Konten, Spar­büchern, Depots, der Wert von Renten- oder Lebensversicherungen sowie Autos, Motorräder, Immobilien oder Kunst- und Schmuckgegenstände). Davon müssen Schulden und Verbindlichkeiten (Kredite samt Zinsen, Leasing­raten etc.) abgezogen werden. Anschließend wird der Cashflow betrachtet: Was kommt an Geld im Monat rein, was geht raus? Auf der Einnahmeseite stehen z. B. Gehalt, Kindergeld, evtl. Einkünfte aus Vermietungen. Bei den Ausgaben gibt es fixe Kosten wie Miete, Handyvertrag oder Monatskarte für den MVV. Variable Ausgaben des täglichen Bedarfs wie für Einkaufen, Essen gehen oder Kulturveranstaltungen haben die Wenigsten im Blick. Hier hilft, ein paar Wochen ein Haushaltsbuch zu führen. Das legt auch Einsparpotenziale offen: Muss es täglich ein Kaffee-to-go sein? Nicht jede Versicherung ist nötig (unverzichtbar: Privathaftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung).

Buchcover
Geldanlage einfach erklärt: Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest © Ullstein-Verlag

Geld, das monatlich übrigbleibt, kann gespart werden. Zehn Prozent vom Nettolohn gilt als Minimum, um ein finanzielles Polster aufzubauen. Bei 2000 Euro Netto-Einkommen sollten 200 Euro im Monat auf die hohe Kante wandern. Steht die Summe fest, sollte sie automatisch vom Konto abgebucht und zum Vermögenskonto transferiert werden. Thomas Kehl empfiehlt, drei Konten zu nutzen: das Girokonto fürs Alltägliche, ein Tagesgeldkonto mit drei bis vier Monatsgehältern als Notgroschen sowie ein Vermögenskonto, an das ein Depot angeschlossen ist.

Schritt 2: Wissen, warum und wofür gespart wird

Wer weiß, wofür er spart, legt leichter Geld zurück. Da lockt ein Auslandsjahr, der vorzeitige Ruhestand oder die Idee von der Weltreise. Viele träumen vom Eigenheim. So unterschiedlich die Visionen vom guten Leben sind, eines ist sicher: Die Rente wird deutlich niedriger sein als das gewohnte Nettoeinkommen. Gegen diese Rentenlücke anzusparen, lohnt sich auf jeden Fall. Wichtig ist, sein Ziel konkret zu formulieren und aufzuschreiben, etwa so: Was ist mein Ziel? Im Ruhestand 800 Euro mehr pro Monat haben. Wann will ich dieses Ziel erreicht haben? Mit 67 Jahren (Renteneintritt). Wie viel Kapital benötige ich? Bei 800 Euro netto im Monat sind insgesamt 132 600 Euro nötig (reicht für gut 13 Jahre, bei einer statistischen Lebenserwartung von 81 Jahren). Was muss ich tun, um mein Ziel zu erreichen? Monatlich einen festen Betrag sparen und anlegen. Ein 30-Jähriger müsste durchschnittlich 170 Euro anlegen, um dieses Ziel zu erreichen. (Beim Kalkulieren hilft der Rentenlückenrechner.) Je früher man mit dem Geld anlegen beginnt, desto stärker profitiert man vom Zinseszinseffekt. Das bedeutet: Jeder erzielte Zinseuro wird wieder verzinst. Das Geld vermehrt sich also von allein!

Schritt 3: Persönliche Geldanlage finden

Klassische Anlageformen: Sparbuch und Tagesgeldkonto sind ein Parkplatz für die Notreserve für den schnellen Zugriff. Für Bausparer spricht, dass der Staat dazu bezahlt. Allerdings liegt die maximale Förderung bei circa 110 Euro im Jahr. Wer später bauen möchte, kann sich niedrige Zinsen sichern. Dagegen sprechen relativ hohe Abschlussprovisionen (z.B. 2000 € bei einem Abschluss über 20 000 €) und jährliche Gebühren. Gut überlegt sein sollte der Abschluss einer Lebens- oder Rentenversicherung, deren Garantiezins aktuell 0,25 beträgt. Kein gutes Geschäft! Bei schlecht verzinsten Altverträgen kann es sinnvoll sein, diese beitragsfrei zu stellen. Das spart Stornogebühren, erhält den Vertragswert, der später samt Zinsen ausbezahlt wird. Fondsgebundene Rentenversicherungen klingen verlockend, rentabler ist, ohne Vermittler in Fonds zu investieren. Riester und Rürup sind staatlich geförderte Versicherungen und ähnlich unrentabel wie die Privaten.

Moderne Anlageformen: Aktien sind winzige Anteile an Unternehmen, und jeder Aktionär ist ein kleiner Mitteilhaber der Firma. Geld verdienen Aktionäre mit Kursgewinnen, die an Börsen erzielt werden. Außerdem schütten manche Unternehmen Dividenden pro Aktie aus, beides zusammen ist die Aktienrendite. Der Preis bestimmt sich nach dem Prinzip Nachfrage und Angebot: Ist eine Aktie beliebt, weil Anleger hohe Gewinne der Firma erwarten, wird sie knapper und teurer. Kriselt die Branche des Unternehmens, fällt der Firmenwert. Kurse werden also maßgeblich von Erwartungen getrieben und können stark schwanken. Das ist das Risiko, auf das sich Käufer einlassen. Aktieninvestitionen zahlen sich auf lange Sicht aus, der Anlage­horizont sollte mindestens 15 Jahre betragen. Wer sein Vermögen streut, also nicht auf eine Firma oder eine Branche setzt, senkt das Verlustrisiko drastisch, ohne auf Rendite verzichten zu müssen. In den vergangenen 20 Jahren lag diese durchschnittlich pro Jahr bei sieben Prozent vor der Inflation, so Kehl. Bevor Sie zum Aktionär werden, müssen Sie klären, welches anderweitig angelegte Finanzpolster Ihre Nerven beruhigt. Sie müssen Abstürze aussitzen können! Das ist in jungen Jahren einfacher als kurz vor der Rente. Zu Beginn der Corona-Krise rauschten die Kurse 30 Prozent nach unten. Das Schlimmste ist, dann die Nerven zu verlieren und alles zu verkaufen. Die klassische Frage nach dem besten Einstiegszeitpunkt ist übrigens schnell beantwortet: Je früher, desto besser!

Index-Fonds (ETFs) eignen sich für Aktien-Anfänger. Mit einer Einzahlung oder einer monatlichen Ansparsumme sind Investitionen in vielen hundert oder sogar 1000 Unternehmen gleichzeitig möglich. Eine einfache, aber gute Anlagestrategie ist es, nach der Einrichtung eines monatlichen Sparplans 15 Jahre nichts zu tun, außer sich ab und zu am Depotwert zu erfreuen. Für den Handel mit Aktien muss ein Depot eröffnet werden, viele Direktbanken (im Internet) bieten dafür kostenlose Depots an.

Mieten oder Kaufen - ein Vergleich

Ein Dach über dem Kopf braucht jeder: Viele fragen sich, ob es besser sei ein Eigenheim zu finanzieren oder Miete zu zahlen und zusätzlich Geld anzulegen? Nach Erfahrung von Thomas Kehl und seinem Team von Finanzfluss ist dies eine sehr persönliche Lebensstil-Entscheidung und letztlich Gefühlssache. Betongold kann von Unwägbarkeiten wie Baumängeln sowie unkalkulierbaren Instandhaltungskosten begleitet werden und ist meist nicht so rentabel wie andere Anlageformen. Für die bessere Vorstellung, wie sich Vermögen entwickeln kann, gibt es bei Finanzfluss einen Mieten-Kaufen-Vergleichsrechner. In dem Rechner wird die Wertsteigerung einer Immobilie und Mieterhöhungen nicht geschätzt und nicht in den Vergleich einberechnet. Beides würde sich in der Bilanz zugunsten einer Immobilie auswirken! Wir haben zwei Szenarien getestet:

Szenario 1: Anna (31) wohnt in München zur Miete, für ihre Zweizimmerwohnung zahlt sie 1200 Euro kalt, sie könnte insgesamt 1500 Euro fürs Wohnen ausgeben. Gespart hat sie 35 000 Euro. Sie hofft, eine Wohnung in München für 350 000 Euro zu kaufen. Oder ist es besser, die 300 Euro, die sie monatlich noch zur Verfügung hat, an der Börse anzulegen? (Geschätzte Rendite: vier Prozent.) Der Finanzfluss-Rechner kommt zu dem Ergebnis, dass Anna nach 20 Jahren als Wohnungsbesitzerin über ein Vermögen von 66000 Euro verfügen würde, hätte sie ihre Wohnung weiter gemietet und ihr Geld angelegt, könnte sie über 186000 Euro verfügen.

Szenario 2: Familie Winter will im Münchner Umland eine Doppelhaushälfte für 700 000 Euro kaufen, nachdem die Oma ihnen 150 000 Euro vererbt hat. Aktuell zahlen sie 1800 Euro kalt Miete, fürs Wohnen kann das Ehepaar 2500 Euro ausgeben. Die Familie kommt nach 20 Jahren als Hausbesitzer auf ein Vermögen von 112000 Euro, hätte sie sich den Kauf gespart, hätten sich 584000 Euro auf dem Konto angesammelt.

Fazit der Berechnungen: Die weit verbreitete Meinung, dass Miete zum Fenster herausgeworfenes Geld ist, stimmt nicht. Man muss jedoch konsequent darin sein, zur Verfügung stehendes Geld gut und langfristig anzulegen. Wer an der Wertsteigerung von Immobilien teilhaben möchte, sei mit Aktien von Immobilienunternehmen ebenfalls gut beraten, rät Finanzfluss.

„Die eigenen Emotionen sind der größte Feind an der Börse“

Porträt des Mitbegründers der Berliner Firma Finanzfluss, Thomas Kehl
Thomas Kehl © Finanzfluss

Sie empfehlen, im Monat zehn Prozent vom Nettoeinkommen zu sparen. Wenn man das nicht schafft, ist dann alles sinnlos?

Thomas Kehl: Alles ist besser als nichts. Ich verstehe gut, dass nicht bei jedem diese zehn Prozent übrig sind. Man sollte versuchen, dorthin zu kommen, indem man sich überlegt, auf was man zumindest für gewisse Zeit verzichten kann. Wenn ich mir Sparen nicht leisten kann, schade ich mir für die Zukunft.

Bei manchen Gehaltsklassen fällt es halt leichter!

Thomas Kehl: Wobei ich häufiger Leute treffe, die sagen, später verdiene ich mehr, dann lege ich Geld beiseite. Das ist ein Trugschluss.

Weil wir den Zinseszins-Effekt unterschätzen?

Thomas Kehl: Wir haben Schwierigkeiten, exponentiell zu denken: Der Zinseszins ist superlange sehr flach, da passiert nicht viel. Aber mit der Zeit hat jedes zusätzliche Jahr einen umso mächtigeren Effekt!

Das schlägt ja auch beim Mieten-Kaufen-Vergleich sehr zu Buche!

Thomas Kehl: Wir sind gespannt auf die Reaktionen auf unseren Rechner. Immobilien sind ein besonders emotionales Thema. Wir zeigen, dass eine Immobilie aus rein finanzieller Sicht nicht immer die richtige Entscheidung sein muss. Wer den Traum vom Eigenheim hat, sollte sich diesen natürlich erfüllen.

Was sind die größten Fehler beim Geldanlegen?

Thomas Kehl: Menschen ohne Erfahrungen am Kapitalmarkt zögern sehr lange und trauen sich ewig nicht loszulegen. Mein Tipp wäre mit einem kleinen Betrag wie 50 Euro im Monat einfach mal anzufangen. Auf der anderen Seite sehe ich oft Menschen, die in Finanzprodukte investieren, die sie nicht verstehen, die auf Modetrends wie Derivate setzen. Da gibt es Zockerprodukte, die nicht wie Aktien standardisiert sind. Davor kann ich nur warnen!

Sie empfehlen Indexfonds (ETFs) . Wie halten Sie es selbst: Haben Sie Lieblingsaktien?

Thomas Kehl: Ich interessiere mich ungemein für Aktien und einzelne Aktiengesellschaften. Doch ich trenne klar zwischen meinem Interesse und meinem Investment. Ich investiere ausschließlich in ETFs und zu einem kleinen Teil in Bitcoin. Kryptowährung haben wir in unserem Buch nicht aufgenommen, weil es kein Muss und nur für Menschen geeignet ist, die sich damit intensiv auseinandersetzen.

Kennen Sie Menschen, die mit Ihren Tipps reich geworden sind?

Thomas Kehl: Es ist nicht unser Ziel, Menschen zum Millionär zu machen. Uns geht es darum, ganz normalen Leuten, das Thema Finanzen so verständlich zu machen, dass sie es selbst in die Hand nehmen. Wer Millionär werden will, indem er die Sparquote hochschraubt und in ETFs investiert, investiert auf jeden Fall in seine gute Zukunft.

Geldanlegen ist ein sehr emotionales Thema. Jeder möchte reich werden mit Aktien, doch beim Kauf stellt man sich eher vor, dass in fünf Jahren das ganze schöne Geld verloren ist“

Thomas Kehl: Deswegen ist es so wichtig, den rationalen und emotionalen Aspekt zu trennen. Die einen verlieben sich in eine Firma und stecken ihr ganzes Geld in die eine Aktie. Andere haben Angst, weil ihre Eltern viel Geld mit der Telekom verloren haben, und halten Aktien für Zockerei. Dabei sind sie als Anlageform alternativlos. Die eigenen Emotionen sind der größte Feind an der Börse!

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