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Was ist „Kalte Progression“?

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Von: Janine Napirca

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Stempel „Progression“ liegt auf Euroscheinen
Was man unter „Kalter Progression“ versteht, erfahren Sie im Folgenden. © Sascha Steinach/Imago

Haben Sie schon einmal etwas von „Kalter Progression“ gehört? Was man darunter versteht, erfahren Sie hier.

Definition des Bundesfinanzministeriums

Als kalte Progression wird der Anstieg des durchschnittlichen Steuersatzes der Einkommensteuer bezeichnet, der allein auf Lohn- und Gehaltserhöhungen zurückzuführen ist, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten haben, um den allgemeinen Preisanstieg (Inflation) auszugleichen.

Kalte Progression anschaulich an einem Beispiel erklärt

Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) hat anhand eines Beispiels versucht, die Kalte Progression anschaulich zu erläutern.

  1. Ina ist Single in Steuerklasse I und verdient 3.500 Euro brutto pro Monat. Ihr Chef ist zufrieden mit ihrer Arbeit und gibt ihr 2022 eine Gehaltserhöhung von drei Prozent. Das sind immerhin 105 Euro, die Ina monatlich brutto mehr bekommt.
  2. Allerdings bleiben netto von den 105 Euro nur 54,16 Euro übrig. Denn während Inas Bruttogehalt um drei Prozent steigt, klettert ihr Nettogehalt nur um 2,35 Prozent.
  3. Das liegt daran, dass Ina mit 3.605 Euro Einkommen einen höheren Steuersatz bezahlen muss als mit 3.500 Euro. Die Steuerbelastung wächst prozentual stärker als das Bruttoeinkommen. In Zahlen: Der durchschnittliche Steuersatz von Ina steigt durch die Gehaltserhöhung von 14,69 Prozent auf 15,03 Prozent (ohne Kirchensteuer).

Quelle: Vereinigte Lohnsteuerhilfe

Kalte Progression: Wenn man sich trotz Gehaltserhöhung weniger leisten kann als vorher

Schuld daran, dass man sich trotz einer Gehaltserhöhung weniger leisten kann, als zuvor, sind dem Bericht zufolge zwei Faktoren:

In der Regel steigt dem Bericht nach bei einer Gehaltserhöhung aufgrund der Steuerprogression das Nettogehalt weniger an als das Bruttogehalt. Hinzu kommt die Inflation. Wie Sie Ihr Geld vor der Inflation retten* können, erfahren Sie hier. Gemessen wird der Preisanstieg mit der Inflationsrate. Im Januar lag die Inflationsrate laut VLH bei 1 Prozent, im Dezember 2021 bei 5,3 Prozent. In diesem Fall wäre Ina aus dem Beispiel von der Gehaltserhöhung nichts übrig geblieben. Wenn ihr Chef nur die Inflationsrate ausgleicht, entsteht kalte Progression. Im März 2022 stieg die Inflationsrate sogar auf 7,3 Prozent an.

Übrigens

Kalte Progression wird auch als schleichende oder heimliche Steuererhöhung bezeichnet.

Wen trifft die Kalte Progression?

Laut Bericht trifft die Kalte Progression vor allem Steuerzahlerinnen und Steuerzahler mit geringem und mittlerem Einkommen. Das liegt am Einkommenssteuersystem in Deutschland. Alles, was unter dem Grundfreibetrag liegt, bleibt steuerfrei. Aber schon der erste Euro über dem Grundfreibetrag wird mit 14 Prozent besteuert. Von da an läuft die Kurve zunächst steil, bevor sie abflacht. Für Spitzenverdiener bleibt der Steuersatz laut VLH konstant bei 42 Prozent, weshalb sich die Kalte Progression bei gut Verdienenden weniger stark auswirkt. Ob Sie Anspruch auf Grundrente haben, erfahren Sie hier.

So könnte man die Kalte Progression in Deutschland abmildern

Die Politik müsste laut der Vereinigten Lohnsteuerhilfe den Steuertarif jährlich an die Inflationsrate anpassen, wie zum Beispiel in den USA, Frankreich oder in der Schweiz. Der Bund der Steuerzahler fordert dem Bericht zufolge, den Einkommensteuertarif automatisch sowohl an Preis-, als auch Lohnsteigerungen anzupassen.

Gegner und Gegnerinnen einer Steuerreform führen an, dass solche Anpassungen den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern nur wenig bringen, den Staat dagegen viel kosten würden. (jn) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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