+
"Granny Aupair war von A bis Z ein voller Erfolg", sagt Sibylle Steck (63). Sie war schon immer sehr reiselustig, lebte nun bei einer Familie in Spanien und entdeckte das Land für sich.

Finanziell absichern im Alter

Leih-Oma oder Nießbrauchrecht: So schön kann Ihre Rente sein

Wer ins Rentenalter kommt, macht sich oft Sorgen um die finanzielle Absicherung. Doch mit diesen ungewöhnliche Methoden, schaffen Sie es, diese zu sichern.

Plötzlich Rente – und dann? Mit dem Eintritt in die Rente ist der größte Lebensabschnitt plötzlich vorbei. Statt Arbeitsalltag ständig Freizeit. Doch die Rente bringt auch ihre Tücken mit. Finanziell müssen eventuell Abstriche gemacht werden, die komplette Lebensumstellung kann zudem auch zu Schwierigkeiten führen.

Doch es gibt Tipps und Tricks, wie Sie auch im Alter finanziell gut gestellt bleiben können. Zudem geben wir Beispiele, wie Sie sich Ihre Rente noch schöner gestalten und Abwechslung in den Alltag bringen. Zum Beispiel, im Alter noch einmal im Ausland leben, neue Sitten und Kulturen kennenlernen und dabei Geld verdienen.

Leih-Oma sein - neue Abenteuer erleben und Geld dazuverdienen

Das Konzept der Granny Aupair (zu deutsch: "Leih-Oma") ist zum Beispiel die perfekte Möglichkeit dazu. Auf der Internetseite www.granny-aupair.com können Seniorinnen ein persönliches Profil erstellen und werden dann an Familien vermittelt, die auf der Suche nach einer Leih-Oma sind. Und das weltweit. Hier berichten zwei Frauen, die sich auf ein solches Abenteuer bereits eingelassen haben.

Reiselustig war Sibylle Steck (63) schon immer. Seit Juni 2015 ist die Münchnerin in Altersteilzeitfreistellung, direkt danach wollte sie gemeinsam mit einer Freundin für drei Wochen in den Pyrenäen wandern gehen.

Doch die Gesundheit machte ihr einen Strich durch die Rechnung, aufgrund einer zurückliegenden Krebserkrankung ist zu große Anstrengung nicht möglich. Sie musste das Projekt abbrechen. Der Reisedrang aber blieb.

Dann hörte sie von der Möglichkeit, als Granny Aupair ins Ausland zu gehen. "Südamerika ist immer noch ein großer Traum, den ich mir erfüllen möchte und deshalb dachte ich mir, ich gehe einfach mal nach Spanien, um auch die Sprache zu lernen", erklärt sie.

Keine zwei Wochen nach der Anmeldung bei Granny Aupair hatte sie auch schon eine Familie gefunden, in der spanischen Region La Rioja im Norden Spaniens. Im September stieg sie ins Flugzeug und blieb drei Monate. Tagsüber ging Sibylle Steck in die Schule, lernte jeden Tag ein bisschen mehr von der Sprache und der Kultur kennen.

Die Familie selbst lebte in einem kleinen Dorf mit nur 120 Einwohnern, die 40 Kilometer zur Schule fuhr sie mit dem Familienauto. Nach dem Sprachkurs ging es weiter mit Kinderbetreuung. Aber wirklich überarbeitet habe sie sich nicht, sagt sie schmunzelnd.

Generell, so sagt sie, "kam auch nie das Gefühl auf, dass ich in dieser Familie fremd wäre, ich war voll integriert. Wenn Freunde kamen, war ich dabei, die Familie hat mich überall mit hingeschleppt. Es war einfach toll."

Sie habe die spanische Kultur aus erster Hand erfahren. Im Endeffekt, erzählt sie weiter, war sie mehr wie eine große Schwester, sowohl für die Kinder, als auch für die Mutter der Familie. Natürlich ging die Zeit schnell vorbei, aber der Reisedrang ließ nicht ab.

Im Februar 2016 flog sie nach Neuseeland, kaufte sich ein Auto und erkundete drei Monate lang das Land auf eigene Faust. Im Herbst ging es weiter. Zurück in Deutschland setzte sie sich in ihr eigenes Auto und fuhr einfach los. Über die Schweiz, nach Italien, über Frankreich zurück nach Spanien.

Und natürlich besuchte sie auch ihre neu gewonnenen Freunde in La Rioja, mit denen sie weiterhin regen Kontakt hat und die sie auch jederzeit besuchen kann. "Granny Aupair war von A bis Z ein voller Erfolg", sagt Sibylle Steck.

Spanisch hat sie nebenbei auch gelernt, nun ist sie gewappnet, um sich den großen Traum Südamerika zu erfüllen. Wohin? "Vielleicht nach Bolivien. Und auf eigene Faust." Immer bereit für das nächste Abenteuer.

Granny Aupair - das Leben im Ausland bestreiten

Gerlinde Reinhold (70) ist ein echter Familienmensch. Seit 53 Jahren ist sie mit ihrem Mann (75) verheiratet, sie hat drei Kinder und fünf Enkelkinder. In ihrer Wohnung in München stehen Familienbilder und Fotoalben aneinandergereiht. 30 Jahre arbeitete sie in einer Zahnarztpraxis, gereist ist sie immer schon gerne. Bis dann im Jahr 2001 die Bombe platzte – Krebs.

Gerlinde Reinhold ging in die Erwerbsunfähigkeit, doch sie sagte sich, dass es das doch nicht gewesen sein könne. Sie sei sowieso ein Mensch, "der nie gerne zu Hause auf der Couch sitzt und wartet, dass der Tag vorbeigeht", verrät sie.

Und als sie dann viele Jahre später von Granny Aupair hörte, war sie sofort Feuer und Flamme. "Im Oktober 2011 habe ich das zum ersten Mal gehört und es ging mir nicht mehr aus dem Kopf", sagt sie. Ihren Mann habe sie am nächsten Tag beim Frühstück davon erzählt und als dieser sagte, sie solle es machen, das sei ja schon immer ihr Traum gewesen, ins Ausland zu gehen, stand der Entschluss fest.

"Danach ging es relativ schnell, ich hatte Kontakt mit Familien in Australien, Neuseeland und den USA aufgebaut, aber auf Anhieb war nichts dabei. Dann rief mich aber eines Tages die Inhaberin von www.granny-aupair.com, Michaela Hansen, an und sagte mir, sie hätte etwas in Washington D.C., das müsse aber relativ schnell gehen."

Das war am 29. Dezember, einen Tag später kontaktierte sie die Familie in den USA und an Silvester 2011 war die Sache klar. Nur acht Tage später bestieg Gerlinde Reinhold das Flugzeug mit Ziel Washington. Die Familie lebte etwas außerhalb. Und schon der Empfang war herzlich. Vom ersten Moment an fühlte sie sich nicht fremd, sondern in die Familie integriert. "Ich musste mich um die kleine Tochter (1) der Familie kümmern."

Drei Monate, länger hätte Gerlinde Reinhold das Projekt eh nicht machen wollen. "Ich habe ja schließlich auch eine eigene Familie, meinen Mann, drei eigene Kinder und fünf Enkelkinder." Und die waren von ihrer Oma begeistert und sagten: "Boah, was haben wir für eine coole Oma, die einfach mal so abhaut".

Bis heute hat sie Kontakt mit der Familie und wird auch ab und zu um erzieherische Ratschläge gebeten. Einfach mal so abhauen, das geht tatsächlich relativ einfach. Doch muss man sich auch im Klaren sein, worauf man sich einlässt. "Wichtig ist vorab zu klären, wofür die Granny Aupair zuständig ist und wie viel Freiraum man für die eigene Entfaltung hat", betont sie.

Man gehe ja nicht in ein fremdes Land, nur um da zu arbeiten, sondern auch, um persönlich etwas mitzunehmen. Dass eine vormalige Absprache auch ein Reinfall sein kann, hat Gerlinde Reinhold bei ihrem zweiten Abenteuer in den USA erlebt – in Portland, Oregon.

Dort wurde ihr vorab gesagt, sie müsse sich täglich sechs bis sieben Stunden um die Kinder kümmern, am Ende waren es über zwölf Stunden. "Es wurde dann auch erwartet, dass ich zusätzlich den Haushalt führe und da habe ich gesagt, dass das nicht die Aufgaben einer Granny Aupair sind und ich habe mich durchgesetzt."

Natürlich blieb neben den Aufgaben als Granny Aupair auch Zeit, das Land zu erkunden. Mit dem Auto ist sie die Küste entlang gefahren und hat sich dabei gedacht: "Es ist genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Einfach frei sein und das machen, was ich möchte", sagt Gerlinde Reinhold.

Auch ein drittes Mal würde sie sich auf ein solches Abenteuer einlassen. Wo es sie dann hin verschlägt, das weiß sie noch nicht. Australien, USA, vielleicht auch Großbritannien. Die Erfahrungen als Granny Aupair haben Gerlinde Reinhold in jedem Fall begeistert und bereichert. "Ich habe ja schließlich nur dieses eine Leben", sagt sie. Und das kostet sie voll aus.

Alternative: Finanziell frei im Alter - Experte empfiehlt Nießbrauch

Maria (73) und Bernd Huber (75, Namen von der Redaktion geändert) haben allen Grund zur Freude. Denn sie sind die finanziellen Sorgen los. Die Altlasten, die aufgrund eines Wohnungskaufes noch auf das Portemonnaie drückten, sind weg. Mit einem Mal. Wie das geht? Sie haben vom Nießbrauchrecht Gebrauch gemacht.

Nießbrauch, das ist eine perfekte Möglichkeit, um sich im Alter eine finanzielle Absicherung zu garantieren und trotzdem lebenslang wirtschaftlicher Besitzer seiner eigenen Immobilie zu bleiben. Wie das Prinzip funktioniert, erklärt Anton Hiltmair, Leiter von HausplusRente München und Geschäftsführer Otto Kiebler.

"Prinzipiell ist es so, dass wir Senioren die Möglichkeit bieten, auch im Alter noch an Kapital zu kommen, welches in der Immobilie gebunden ist. Zudem sichern sich die Senioren weiterhin den lebenslangen Nutzen an ihrer Immobilie." Das Ehepaar Huber hatte, bevor sie sich an HausplusRente wandte, versucht, eine Hypothek bei einer Bank zu bekommen. Doch im hohen Alter ist das für Senioren beinahe unmöglich.

Also entschlossen sie sich, ihre Immobilie zu verrenten, das heißt, die Senioren können weiterhin lebenslang den Nutzen aus ihrer Immobilie ziehen und erhalten heute schon das in der Immobilie gebundene Kapital als Auszahlungsbetrag. Dabei wird durch einen Gutachter ermittelt, was für einen Wert die Wohnung oder das Haus besitzt.

Von diesem Wert wird der Nießbrauchwert abgezogen, der sich vor allem aus den Lebenserwartungen der deutschen Versicherungsmathematiker ergibt. Der ermittelte Endwert wird dem Nießbrauchempfänger ausgezahlt. Anders als bei der Leibrente, wird hier kein Abhängigkeitsverhältnis geschaffen. Der Betrag ist eine steuerfreie Einmalzahlung. Wie wird das finanziert?

Hinter Hausplus-Rente stehen vorgemerkte Investoren, die das nötige Kapital mitbringen, um eine solche Einmalzahlung aufbringen zu können. Der Investor erwirbt die Immobilie, jedoch bleibt gleichzeitig an erster Rangstelle das lebenslange Nießbrauchrecht für die Verkäufer. Das bescheinigt in unserem Beispiel Ehepaar Huber ein Nutzungsrecht ihrer Immobilie bis an ihr Lebensende.

"Sogar, wenn der Umzug in ein Seniorenheim notwendig ist, haben sie immer noch die Möglichkeit, ihre Wohnung zu vermieten, um weitere Zusatzeinnahmen zu generieren", erklärt Anton Hiltmair. Erst nach dem Ableben der Nießbrauchsempfänger endet dieses Recht. Sogar, wenn der Investor in die Insolvenz gehen sollte, ist das ausgezahlte Vermögen sowie die Immobilie für die Senioren gesichert, da der Nießbrauch im Grundbuch an erster Stelle abgesichert ist.

"Jeder Steuerberater, jeder Rechtsanwalt und jeder Notar wird sagen, dass es für Senioren nichts Sichereres gibt", sagt Otto Kiebler. Die Hubers sind glücklich mit ihrer Entscheidung. Große Wünsche wollen sie sich erst einmal nicht erfüllen, ein bisschen müsse in der Wohnung gemacht werden, zum Beispiel soll das Bad altersgerecht renoviert werden. Ansonsten genießen sie es einfach, sich keine finanziellen Sorgen machen zu müssen.

tz

Fotostrecke

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

So haben Sie Ihre Finanzen in nur sieben Schritten im Griff
Sind Sie meist Mitte des Monats schon wieder blank? Dann sollten Sie Ihr Haushaltsbuch in Schuss bringen. Diese sieben Schritte helfen Ihnen dabei.
So haben Sie Ihre Finanzen in nur sieben Schritten im Griff
Wussten Sie's? Mit diesen Steuer-Tipps sparen Sie viel Geld
Wer seine Steuererklärung machen muss, steht meist vor einem großen Fragezeichen. Egal, ob als Angestellter oder Firmeninhaber. Hier die wichtigsten Fakten.
Wussten Sie's? Mit diesen Steuer-Tipps sparen Sie viel Geld
Krass: So sparen Sie bei Strom 114 Euro an Steuern
Schätzungen zufolge müssten Verbraucher 3,7 Milliarden Euro weniger zahlen, wenn Strom endlich als lebensnotwendiges Gut geringer besteuert würde.
Krass: So sparen Sie bei Strom 114 Euro an Steuern
Die 80-20-Regel: Wenden Sie diese an - und Sie werden reich
Wieso sind nur einige wenige steinreich? Die Lösung des Rätsels heißt Pareto-Prinzip. Hier erfahren Sie, was es ist – und wie Sie es für sich nutzen können.
Die 80-20-Regel: Wenden Sie diese an - und Sie werden reich

Kommentare