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Ist die Rentenangleichung fair? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Angleichung zwischen Ost und West

Wie gerecht ist die Renten-Einheit?

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München - Bis zum Jahr 2025 sollen sich die Renten zwischen Ost und West in Deutschland angleichen. Aber: Ist das überhaupt fair? Wir erklären, wer profitiert - und wer nicht.

Deutschland einig Rentenland! Im Jahr 2025 – exakt 35 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung – soll es so weit sein: Die Renten in Ost und West sollen dann vollständig angeglichen sein. Derzeit ist der Rentenwert im Osten noch niedriger als im Westen, allerdings werden die Beiträge zur Rentenversicherung im Osten höher bewertet. Damit soll bald Schluss sein. Doch wie gerecht ist diese Angleichung?

Die tz erklärt, wie die Renten in ganz Deutschland auf ein Niveau angeglichen werden sollen – und wer die Gewinner und Verlierer sind:

Wie soll die Angleichung der Renten in Ost und West funktionieren? 

Schrittweise, beginnend im kommenden Jahr. „Wir heben den Rentenwert der Ostrenten an und im Gegenzug dazu nehmen wir die Höherbewertung der Ostrenten zurück“, erklärt Karl Schiewerling, der sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion. Im kommenden Jahr soll der aktuelle Rentenwert (Ost) von derzeit 94,1 Prozent auf 95,8 Prozent des Westwerts angehoben werden. Im Gegenzug soll die höhere Bewertung der Löhne für die Rentenberechnung im Osten ebenfalls in sieben Schritten abgesenkt werden.

Was kostet der Spaß? 

Die jährlichen Kosten sollen bei bis zu maximal 3,9 Milliarden Euro im Jahr 2025 liegen. Sie werden aus Beitrags- und Steuermitteln finanziert. Dazu wird der Bundeszuschuss für die Rente erhöht – auf bis zu zwei Milliarden Euro ab 2025.

Wie wirken sich die unterschiedlichen Rentenwerte aus? 

Der Rentenwert ist der Betrag, den ein Rentner pro erworbenem Entgeltpunkt in der Rentenversicherung als Rente erhält. Der aktuelle Rentenwert im Westen liegt bei 30,45 Euro, im Osten dagegen bei 28,66 Euro. Viele Ostrentner empfinden diesen Abstand als Ungerechtigkeit. Er ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Denn auf der anderen Seite werden die Löhne im Osten bei der Berechnung des Rentenwerts höher gewertet.

Wie funktioniert das? 

Rentenangleichung in Deutschland. Fair oder nicht?

Jeder Euro, der in den neuen Bundesländern in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wird, führt zu einem höheren Rentenanspruch als im Westen. Der Ost-Vorteil liegt derzeit bei 8,5 Prozent. Der Grund: Im Osten ist der Durchschnittsverdienst immer noch niedriger als im Westen. Ein Beispiel für die Aufwertung: Wenn ein Versicherter aus München im vergangenen Jahr 36 267 Euro brutto verdient – exakt der Durchschnittswert West – hätte er also exakt einen Entgeltpunkt erworben. Verdient ein Arbeitnehmer in Rostock genauso viel Geld, wird sein Jahreseinkommen höher gewertet. Er erhält dann 1,1479 Entgeltpunkte – dafür müsste der Münchner Kollege 41 631 Euro verdienen. Auch diese Ungleichheit soll bis 2025 beseitigt werden.

Wie hoch sind die Durchschnittsrenten in Ost und West? 

Im Westen bekommen Männer derzeit durchschnittlich 1040 Euro Rente, Frauen müssen sich im Schnitt mit 580 Euro begnügen. Im Osten erhalten Männer dagegen 1124 Euro und Frauen 846 Euro Rente.

Wer profitiert von der Angleichung der Ost-Renten? 

Die Bestandsrentner in den neuen Bundesländern. Ihre Renten werden bis 2025 stärker steigen als die Renten in Westdeutschland – insgesamt erwartet sie eine knapp sechsprozentige Sonderanhebung.

Und wer sind die größten Verlierer? 

Die Jüngeren, die jetzt im Osten in die Rentenkassen einzahlen. Ihr Einkommen wird ab 2025 so wie West-Einkommen behandelt.

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