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Endlich kostenlos surfen im Ausland: Das ist seit dem 15. Juni möglich. Doch mancher Urlauber erlebt sein blaues Wunder.

Im EU-Ausland

So tricksen Mobilfunkanbieter heimlich beim Gratis-Roaming

Zu früh gefreut? Angeblich erschweren einige Telefonanbieter das Gratis-Roaming im EU-Ausland - und drosseln das Surfvolumen. Was Sie dagegen tun können.

Kostenlos im Ausland telefonieren: Viele Urlauber freuen sich besonders in den Sommerferien darüber, dass die Roaming-Gebühren weg sind. Seit dem 15. Juni gilt: In allen EU-Staaten können Sie Ihr Handy genauso so nutzen wie zuhause.

Egal, ob surfen oder simsen – wer eine Flatrate hat, hat sie auch in Spanien, Italien & Co. Eigentlich. Doch für die Anbieter bedeutet die neue Regelung einen enormen finanziellen Verlust – schließlich kommt ihnen das neue Gesetz teuer zu stehen.

Kunden nutzen jetzt genauso häufig, wenn nicht sogar vermehrt, ihr Surfvolumen im Ausland – die Anbieter können aber nichts mehr dafür verlangen.

Kostenlos roamen im EU-Ausland: Mobilfunkanbieter drosseln automatisch das Surfvolumen?

Doch laut der Bild sollen sich angeblich nicht alle an die neue Richtlinie halten – oder jederzeit kostenloses Roaming anbieten. Besonders seien hier Deutschlands größter Netzbetreiber Telefónica (mit 48 Millionen Mobilfunkkunden) und der Provider Drillisch (etwa 3,6 Millionen Kunden) mit den Marken Smartmobil, Maxxim oder DeutschlandSIM negativ aufgefallen.

Dagegen können sich Telekom (sogar in Nicht-EU-Ländern wie Norwegen und der Schweiz), Vodafone (plus Norwegen) und Discounter-Anbieter wie Congstar, Otelo oder Klarmobil im Vergleich auf die Schulter klopfen: Hier haben alle Netzbetreiber automatisch auf Gratis-Roaming umgestellt.

Telefónica (dazu gehören O2 und E-Plus) macht allerdings Urlaubern das Roaming im Ferienort schwer – hier können Kunden nur eingeschränkt kostenlos surfen und telefonieren.

Das heißt konkret: Sobald das maximale Surfvolumen (für bestehende Verträge) von einem Giga-Byte verbraucht ist, wird die Geschwindigkeit bedeutend langsamer.

Und es kommt noch dicker: Kunden von O2, die bereits vor der Gesetzesänderung Gratis-EU-Roaming hatten, haben jetzt angeblich sogar das Nachsehen.

So sollen Vertragskunden, die das O2 Blue All-In L-Paket gebucht haben, zwar vier GB Surfvolumen in Deutschland besitzen – im EU-Ausland sind es allerdings nur noch ein GB.

Das sind also drei GB weniger, als das Gesetz es erlaubt - schließlich heißt es ja darin, dass das gesamte Volumen überall gleich bleibt und genutzt werden kann.

Dagegen stellt Drillisch klar, die EU-Regulierung vollumgänglich umzusetzen. "Die überwiegende Mehrheit unserer Kunden, kann seit dem 15. Juni ihren Tarif in den Ländern der EU und des Europäischen Wirtschaftsraum in angemessenem Umfang ohne Aufschläge nutzen", erklärt Archibald Preuschat, Pressereferent Unternehmenskommunikation der Drillisch AG.  

Telefónica hält über Roaming-Vorteile dicht - so kommen Sie zu Ihrem Recht

Die Kunden wissen davon allerdings nichts – denn O2 soll angeblich Roaming-Vorteile des neuen Tarifs verheimlichen. Zwar werden auf der Homepage die Vor- und Nachteile des schlechteren Alttarifs und des neuen EU-Tarifs erklärt – allerdings nur, wenn Sie aktiv nach dem Thema suchen und dann sind die Klauseln meist zu schwer für Laien, sie zu verstehen.

Lesen Sie hier weiter, wie Sie sich am besten gegen Telefonabzocken wehren können.  

Doch O2 hält dagegen – angeblich wurden Kunden in der Telefonabrechnung für Mai 2017 bereits darauf hingewiesen. Das Pikante daran: Es steht nur im Kleingedruckten.

Wer allerdings jetzt noch schnell seinen Tarif umstellen möchte, sollte lieber nochmal zweimal überlegen: Denn laut einem O2-Sprecher sei der Alt-Tarif angeblich nach wie vor attraktiver als der neue EU-Tarif.

"Das Auslands-Datenvolumen wird nicht auf das Inlands-Datenvolumen angerechnet, im EU-Tarif wird das Auslands-Volumen dagegen immer angerechnet."

Falls Sie dennoch wechseln wollen, weil Ihnen ein GB im EU-Ausland zu wenig ist, dann ist das ganz einfach. Dazu müssen Sie nur eine SMS mit dem Kennwort "JA" an die 65544 schicken. Sie erhalten eine Bestätigungs-SMS und können das GB-Upgrade namens "Roam like at home" im Ausland nutzen.

Smartmobil & Co.: "Europa-Paket" - mit weniger Surfvolumen?

Diejenigen, die Kunden beim Anbieter Drillisch sind, haben es allerdings noch schlechter getroffen: Hier gibt es sogar bei Neuverträgen nur das sogenannte "Europa-Paket" mit erheblich gedrosseltem Surfvolumen. Bei Smartmobil soll es sogar nur ein Viertel sein.

Allerdings müssen Kunden das nicht hinnehmen – und dürfen ebenfalls einen Tarifwechsel anstreben. Doch auch hier muss der Kunde selbst auf der Homepage aktiv werden, um sich darüber informieren zu können.

Hier ist dann die Sprache von einem "alternativen Roamingtarif" – wer von diesem in einen "regulierten EU-Roamingtarif" wechseln wolle, könne diese jederzeit kostenlos tun.

"Kunden mit einer EU-Option können diese jederzeit in ihrer Service-Welt deaktivieren und wechseln dann in den regulierten EU-Tarif."

Alternative Roamingtarife - wirklich die bessere Alternative?

Doch auch die alternativen Roamingtarife von smartmobil.de & Co. sollen erhebliche Vorteile bieten. "Das Europa-Paket lässt sich auch in Ländern nutzen, in denen die EU-Regulierung nicht greift, allen voran in der Schweiz, aber auch in Andorra auf den Kanalinseln Guernsey und Jersey sowie der Isle of Man. Insgesamt lässt sich das Europa-Paket in 43 Ländern, einschließlich einiger französischer Überseegebiete, nutzen", so Preuschat. 

"Das Volumen von bis zu einem GB des Europa-Pakets wird nicht vom gebuchten Datenvolumen abgezogen, sondern kommt noch on top. Im Klartext: Hat ein Kunde einen Tarif mit zum Beispiel vier GB Datenvolumen und einem Europa-Paket kann er monatlich fünf GB versurfen, vier GB in Deutschland und ein GB in 43 Ländern außerhalb Deutschlands", stellt er klar.

Auch interessant: So werden Kunden von Vodafone "zwangsbeglückt": Sie erhalten automatisch ein Surfvolumen-Upgrade - und am Ende eine saftige Monatsabrechnung.

Lesen Sie hier außerdem für Ihren nächsten Städtetrip: In diesen zehn EU-Hauptstädten gibt es das meiste WLAN.

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