Das Airbräu -­ zum Abheben

München - Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast im Airbräu am Franz-Josef-Strauß-Flughafen.

Nur eine schnelle Küche ist für die Asiaten eine gute Küche. Für die Spanier und Franzosen ist der Gradmesser, ob ständig gefüllte Wasserkaraffen auf dem Tisch stehen. Die Amerikaner sind dagegen pflegeleichter: Sie sind schon mit einem Krug Bier in der Hand zufrieden. Wer am Flughafen arbeitet, muss die Gepflogenheiten anderer Nationen kennen. So wie Michael Weyer (41). Er ist der Wirt vom "Airbräu". Sein Publikum ist international, seine Mannschaft auch: Die 65 Angestellten des Flughafen-Restaurants kommen aus 42 Nationen und servieren täglich rund 1200 Essen.

Aller Internationalität und Hektik der Reisenden zum Trotz: das Airbräu ist ein Hort bayerischer Gemütlichkeit, für manche gar ein Stück Heimat. Für viele ist es der letzte Ort, noch mal eine Münchner Weißwurst zu essen, bevor man für lange Zeit Deutschland verlässt. Für andere erster Kontakt mit dem ersehnten Zuhause: Ein Professor aus Melbourne in Australien ruft Michael Weyer beispielsweise regelmäßig an, bevor er nach München fliegt. Dann weiß der Wirt, dass er für seinen Stammgast eine extra schöne Schweinshaxn reservieren muss.

Und wären da nicht die vielen Koffer, die die meisten Reisenden mit sich führen, man würde fast glauben, mitten in einem ur-bayerischen Gastronomie-Betrieb zu sitzen und nicht auf einem der größten Flughäfen Deutschlands.

Seit 1999 gibt es das Airbräu am Flughafen, Michael Weyer ist im achten Jahr dabei. Eher zufällig ist der gebürtige Münchner hier gelandet. Nach einer Ausbildung zum Koch in Regensburg zog es ihn in die weite Welt hinaus. Zuletzt war er in einem Luxushotel in Davos. Beim Skifahren renkte er sich allerdings die Schulter aus, kam zurück in seine Heimatstadt. "Ich war längere Zeit ruhiggestellt", sagt er und las Stellenausschreibungen. "Ein Zufall, dass ich hierher kam", sagt er heute.

Das stimmt nur bedingt. Denn schon als kleiner Bub schnupperte Michael Weyer den Duft der weiten Welt: Die Eltern sind beide seit Jahrzehnten am Flughafen Frankfurt beschäftigt. Selbst der Großvater war Gastronom, er betrieb seinerzeit unter anderem das Autobahn-Rasthaus bei Würzburg.

Jetzt ist das "Äirbräu" der große Stolz von Michael Weyer. Der Wirt freut sich insbesondere über die zahlreichen Stammtische. Die Flugzeug-Hobbyfotografen treffen sich hier ebenso wie die Frauen der Flughafengesellschaft. Viele sitzen in der Zirbelstube. Ein urgemütlicher Raum mit grünem Kachelofen, der schon im Restaurant "Windrose" am Flughafen Riem aufgebaut war. "Die Stube ist bereits Ende des 19. Jahrhunderts gezimmert", erklärt Weyer.

In einem bayerischen Wirtshaus darf ein Biergarten nicht fehlen. Auch am Flughafen sitzt der Gast unter Kastanienlaub - die tonnenschweren Bäume sind allerdings nicht im Boden verwurzelt - das geht aus statischen Gründen nicht, der S-Bahn-Tunnel ist direkt darunter. Die Bäume wachsen deshalb in riesigen Containern.

Dass hier freche Spatzen nach Brotkrumen suchen - "eine kuriose Geschichte", lacht der Wirt und erzählt: Am Anfang spielte das "Airbräu" Tonbänder mit Vogelstimmen, um "richtiges Biergartenflair" zu verbreiten. Eines Tages tauchten die gefiederten Gäste in echt zwischen den 40 Meter hohen Glasfronten auf. Seitdem sind sie nicht mehr fortgeflogen. Nur das Entenpaar im See ist nach wie vor aus Plastik. "Und das bleibt hoffentlich auch so", sagt der Wirt.

Der einzige Unterschied zum klassischen Biergarten ist, dass man hier unter einem 42 Meter hohen Glasdach sitzt. "Das hat den Vorteil, dass der Gast selbst bei Regen in aller Gemütlichkeit sein Bier draußen trinken kann." Ein überdachter Biergarten - einzigartig in München. Einfach zum Abheben.

Das Airbräu

im München Airport Center (Haupthaus) am Franz-Josef-Strauß-Flughafen.

Telefon (089) 97 59 31 11

www.airbraeu.de.

Öffnungszeiten:

täglich geöffnet von 8 bis 1 Uhr. Warme Küche bis 0.45 Uhr.

Hinkommen:

am besten mit der S-Bahn. Haltestelle Flughafen München.

Sonstiges:

Jeden Tag gibt es ein Spezialessen für 8,90 Euro. Im Preis inbegriffen ist eine Halbe Bier. Ab Oktober ist sonntags wieder Brunch (für 20 Euro). Außerdem Thementage wie samstags Spanferkeltag und montags Schnitzeltag.

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