Andi Hüller haut fast alles in die Pfanne

München - Immer freitags schauen wir oberbayerischen Wirten über die Schulter. Heute sind wir im Café Hüller in der Münchner Au. Spezialität des Hauses sind Pfannkuchen.

Hier sieht es ein bisschen so aus wie in einer Studentenbude: Das CD-Regal quillt über, die Platten stapeln sich neben dem Plattenspieler. Auf dem Regal im Eck stehen vereinzelt Flaschen mit Alkohol, dazwischen Gläser ­ die allerdings hübsch ordentlich gereiht. Das Inventar ist gebraucht und nur zum Teil mit Farbe aufpoliert, an den Wänden hängen riesige Spiegel, die den Raum größer erscheinen lassen. Kurz: ein Wohlfühlraum.

"Modern, aber auf keinen Fall szenig" ­ so stellte sich Andi Hüller (36) sein Lokal vor, als er es im Juni 2005 in der Münchner Au eröffnete. Eine Mischung aus Alt und Neu, sowohl was die Einrichtung betrifft als auch die Speisekarte. "Das passt zu mir", sagt der Gastronom, der erst über Umwege zu seiner Berufung gefunden hat ­ "mein Leben ist ein Zickzackkurs".

Denn ursprünglich hat Andi Hüller Schreiner gelernt, nachdem er zwei Semester Bauingenieurswesen studiert hatte. Doch schon bald füllte ihn das Arbeiten mit Holz nicht mehr aus. Den Oberbayern aus dem Tegernseer Tal zog es in die "Stadt der Kreativität, nach New York". Um sich über Wasser halten zu können, jobbte er in einer Jugendherberge. "Damals hatte ich das erste Mal mit Gästen zu tun. Das machte mir viel Spaß."

Zurück in München ging Andi Hüller auf die "Akademie für Gestaltung". Das Studium finanzierte er sich als Barmann im "Rothmund". Mit seiner Band "Los Dickinsons" tourte er anschließend zwei Jahre durch Deutschland. Das lief ganz gut, doch dann wurde Andi Hüller 30 Jahre alt und fragte sich: "Was jetzt?" Seine Antwort darauf: ein Lokal. Zwei Jahre suchte der Wirt in spe nach einem geeigneten Raum und wurde schließlich in einem Ecklokal in der Münchner Au fündig.

Andi Hüller liebt die Au. 14 Jahre wohnte er hier, beobachtete, wie sich das ehemalige Handwerker- und Rentnerviertel verjüngte. Immer mehr Familien zogen in den vergangenen Jahren in das Viertel am rechten Isarufer, Rechtsanwälte, Designer und Architekten lassen sich gerne mit ihren Büros nieder. Und trotzdem ist es hier (noch) nicht ganz so schick wie im gegenüberliegenden Glockenbachviertel.

Kurz drohte das Café-Projekt noch zu scheitern, der Kompagnon sprang eine Woche vor Vertragsunterzeichnung ab. "Doch ich war entschlossen, das Projekt durchzuziehen", sagt Hüller rückblickend. Sechs Monate renovierte er den Raum mit Freunden ­ nur der alte Dielenboden und der Lastenaufzug sind geblieben.

Knapp drei Jahre ist das her, der zähe Anfang ist geschafft. Heute ist Andi Hüller stolzer Wirt eines gut laufenden Tagescafés. Unter der Woche kommen die Auer ­ Familien ebenso wie Angestellte aus den umliegenden Büros. Am Wochenende machen viele Isar-Spaziergänger hier einen Stopp. Und essen bevorzugt Pfannkuchen.

Pfannkuchen ­ auch wieder so eine Mischung aus Alt und Neu. "Deshalb passt er so gut zu mir", sagt der Wirt. Der Grundteig ist ein Klassiker, die Zutaten für Füllungen oft modern: Besonders beliebt sind zur Zeit die Kichererbsen- oder die Rhabarber-Ziegenkäse-Füllungen. Insgesamt acht Variationen (vier süße und vier salzige) stehen auf der Speisekarte, dazu ein Spezial auf der Tageskarte. "Dass man sich bei uns für unter sechs Euro satt essen kann, hat sich herumgesprochen", sagt der Wirt.

Das "Hüller" bietet aber mehr als nur Speis und Trank. Regelmäßig finden hier Ausstellungen statt, im Winter hat der Wirt die Lesereihe "Dorfgiganten ­ Geschichten über Querköpfe und heimische Lieblinge aus unserem Weltdorf mit Herz" ins Leben gerufen. Die nächste Lesung findet am Samstag, 10. Mai, 20 Uhr, statt und handelt von "Franziska zu Reventlow ­ Der Braut von ganz Schwabing".

Nicht zu vergessen die Musik: Auch sie spielt in dem windschiefen Gastraum eine bedeutende Rolle. Allein schon wegen der guten Akustik. Nerviges Radio-Gedudel bekommt man hier nicht zu hören, das Service-Personal legt stattdessen CDs oder Platten auf ­ je nach eigenen Vorlieben. So kommt eine bunte Mischung aus Pop, Jazz und Klassik zustande.

Manchmal gibt es auch Live-Musik. Beim nächsten Konzert am Samstag, 26. April, 20 Uhr, spielt die Band "Klaustrophonie" eine bunte Mischung aus Modern Jazz & Latin. Der Eintritt ist frei, es geht ein Hut rum.

Und vielleicht tritt eines Tages hier auch die "Café-Hüller-Band" auf ­ mit dem Sänger Andi Hüller. Dann will er in bairischer Sprache singen. "Das klingt einfach am besten."

Cafe Hüller:

Adresse:

Eduard-Schmid-Straße 8

81541 München;

Telefon (089) 18 93 87 13

www.cafe-hueller.de

Hinkommen:

Am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. U.a. mit der U 2 Haltestelle Fraunhoferstraße.

Öffnungszeiten:

Montags bis freitags von 11 bis 23 Uhr, am Wochenende von 10.30 bis 23 Uhr.

Sonstiges:

Spezialität des Hauses ist der Pfannkuchen. Außerdem: Regelmäßig Kunstausstellungen (z.Z. Anika Ising), Konzerte und Dichterlesungen.

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