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Äpfel gehören zu den beliebtesten Obstsorten in Deutschland

BayWa

So kommt der Apfel vom Baum in den Supermarkt

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Ravensburg - Die BayWa ist der größte Apfelhändler Deutschlands. Der Weg vom Baum in den Supermarkt dauert dabei oft nur wenige Tage, manchmal aber auch Monate.

Die Äste neigen sich unter dem Gewicht der Äpfel. Stephan Jehle greift zu, und wiegt einen Apfel in der Hand. Schön rot. Nicht zu groß und nicht zu klein. Keine Wurmlöcher, keine braunen Stellen. Er beißt zu. Säuerlich. Genau wie es sein soll bei der Sorte Topaz. Zufrieden nickt der Landwirt seinen Erntehelfern zu. Jeder der Männer pflückt an diesem Tag bis zu 1500 Kilo – mehr als 10.000 Äpfel. Innerhalb von Minuten landen zehn bis zwölf Kilo im Brustkorb. Ausleeren und weiter geht’s zum nächsten Baum.

Die Bäume, die gerade abgeerntet werden, stehen im fünften Laub. So nennen Landwirte Obstbäume, die vor fünf Jahren gepflanzt wurden. Zwei Jahre wurden sie zuvor in der Baumschule gezogen – macht sieben. Ein gutes Alter für einen Apfelbaum. „Vollertrag liefern Bäume, die zwischen fünf und zehn Jahren alt sind“, sagt Jehle. Er ist zufrieden mit der Parzelle, die gerade abgeerntet wird.

Im Oktober läuft die Apfelernte am Bodensee auf Hochtouren. Auf rund 7000 Hektar wachsen hier Apfelbäume. Die meisten Landwirte stehen bei Europas größtem Agrarhändler BayWa unter Vertrag. Konventionell angebautes Obst liefern die Bauern an den BayWa-Großmarkt in Kressbronn (Bodenseekreis). Ökologisch erzeugte Ware wird am Bio-Standort Ravensburg wenige Kilometer weiter gelagert, sortiert und verpackt.

Die BayWa ist im Obstgeschäft eine Größe. Rund 1000 Landwirte in Deutschland liefern Obst an das Münchner Unternehmen. Neben Birnen, Beeren und Steinobst machen Äpfel mit 90 Prozent den Löwenanteil im BayWa-Obstgeschäft aus. Die Region Bodensee ist dabei das größte Apfelanbaugebiet in Deutschland für die BayWa. Der Biolandbau spielt dabei eine immer größere Rolle. 15 Prozent der Äpfel stammen mittlerweile aus ökologischem Anbau. Am Bodensee wachsen auf 450 Hektar Bio-Äpfel. Die Parzellen werden von 30 Landwirten bewirtschaftet. Zum Großteil Familienbetriebe – wie der Jehle Bio-Obsthof.

Viele Landwirte, wie etwa Stephan Jehle, stehen bei der BayWa unter Vertrag

Stephan Jehle (29) ist Apfelbauer in zweiter Generation. Er hat Agrarwissenschaften studiert und ist vor sechs Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen. Sein Vater hat mit dem Anbau konventioneller Sorten begonnen. 2001 stellte der Betrieb auf Biolandbau um. „Das hatte ökologische und finanzielle Gründe“, erzählt Jehle. Die Nachfrage nach Bio-Obst stieg um die Jahrtausendwende. Die BayWa spezialisierte sich im Jahr 2000 am Standort Ravensburg auf Bio-Äpfel. Jehle zog mit. Für ihn hat sich die Umstellung gelohnt – auch wenn im Bio-Apfelanbau mehr Handarbeit anfällt. Weil keine Herbizide gespritzt werden, wächst Unkraut entlang der Bäume, das regelmäßig gehackt werden muss. Die Bäume sind krankheitsanfälliger und müssen öfter zugeschnitten werden. Doch der Bioanbau wird gefördert und die BayWa ist ein zuverlässiger Abnehmer.

Die Anbauflächen von Bauer Jehle liegen rund 15 Kilometer Luftlinie entfernt vom Bodensee. Bevor der Landwirt seine Äpfel zur BayWa bringt, taucht er die Apfel-Kisten in heißes Wasser. Zwei Minuten bei 53 Grad. Das tötet Schadorganismen ab – die Bio-Äpfel sind länger haltbar.

In Ravensburg kommen derzeit täglich Landwirte wie Jehle mit ihren Anhängern an. Sie haben 300-Kilo-Kisten geladen. Rund 250.000 solcher BayWa-Kisten sind in Deutschland in Umlauf. Die Äpfel werden gewogen. Fallobst, Äpfel mit Macken oder in Übergröße werden aussortiert. Die Ware geht an Mostereien oder andere Industriebetriebe und wird zu Saft, Apfelmus oder Apfelchips verarbeitet. Die Kisten werden etikettiert, damit jeder Apfel rückverfolgt werden kann: Anlieferdatum, Partienummer, Name des Landwirts, Sorte und Zertifizierungsstatus.

Ein Teil der Kisten wandert nun direkt Richtung Sortieranlage. Vom Baum bis ins Supermarktregal dauert es mitunter nur vier bis fünf Tage. Der Großteil der Äpfel wird allerdings nicht sofort verkauft, sondern eingelagert – damit auch in den Monaten nach der Ernte der Handel mit Äpfeln beliefert werden kann.

In 30 Lagerräumen stapeln sich die Apfel-Kisten. „Lebensgefahr“ warnen Schilder an den Türen. Die „kontrollierte Atmosphäre“, die in den Lagern herrscht, ist für Menschen nicht geeignet. Je nach Sorte liegt die Temperatur dort zwischen einem und vier Grad. Der Luft im Raum wird Sauerstoff entzogen – so bleiben die Äpfel möglichst lang frisch und knackig. „Die Äpfel werden in eine Art Winterschlaf versetzt“, erklärt Hans-Josef Stärk. Er ist seit acht Jahren Betriebsleiter am Bio-Standort Ravensburg.

Ist die Tür zum Lagerraum zu, wird sie oft erst Monate später wieder geöffnet. „Je nach Sorte können Äpfel bis zu 12 Monate gelagert werden“, erklärt Stärk. Bio-Äpfel schaffen es allerdings maximal zehn Monate. Wer im Sommer in Deutschland einen Bio-Apfel kauft, muss deshalb zwangsläufig zu Ware aus dem Ausland greifen. Zum Thema Nachhaltigkeit gibt Stärk allerdings zu bedenken: Beim Energieverbrauch heben sich Logistik und Lagerhaltung zu einem großen Teil auf. Ein Apfel aus der Region, der Monate lang gelagert wurde, ist nicht unbedingt nachhaltiger als einer, der um die halbe Welt transportiert wurde.

Wenige Meter neben den Lagerräumen steht die Sortieranlage. Die Äpfel liegen nicht auf einem Fließband. Sie schwimmen im Wasser, damit keine Druckstellen entstehen. Eine Hochleistungskamera fotografiert Apfel für Apfel – von oben, unten, rechts und links. 28 Bilder, um den Rotanteil zu bestimmen und die Äpfel auf Schäden zu kontrollieren. Jeder Apfel wird außerdem vermessen und gewogen. Bis zu 30 Kategorien ergeben sich so für jede Apfelsorte – mal groß, mal klein, mal mehr, mal weniger rot. Zehn Tonnen pro Stunde laufen durch die Sortieranlage.

Danach geht es ans Verpacken. Je nach Kundenwunsch landen die Äpfel in Netzen, Plastikbeuteln oder in einer Pappschale à vier Stück. An den fünf Produktionslinien kontrollieren Mitarbeiter per Hand nochmal alle Äpfel auf äußere Qualität. Die Endkontrolle erfolgt, bevor die Äpfel verladen und zum Kunden gebracht werden. „99 Prozent der Bio-Äpfel aus Ravensburg sind für den deutschen Markt“, sagt Stärk. Naturkost-Läden und beinah der gesamte deutsche Einzelhandel sind Kunde bei der BayWa. Die Chance im Supermarkt nach einem BayWa-Apfel zu greifen ist entsprechend hoch – vor allem bei Bio-Äpfeln.

Die BayWa schickt Äpfel um die Welt

Mitte November sind die Bäume am Bodensee abgeerntet, die Lagerräume in Ravensburg voll. Irgendwo auf der Welt ist bei der BayWa allerdings immer Erntezeit. Nachdem die Münchner 2012 das neuseeländische Unternehmen Turners & Growers (T&G) übernommen haben, ist die BayWa zu einem der weltweit führenden Anbieter im Apfelhandel geworden. Der wichtigste Absatzmarkt ist allerdings nach wie vor Deutschland. Lediglich zehn Prozent der Ernte werden momentan exportiert.

Bauer Jehle bereitet sich nach der Erntezeit bereits auf das kommende Jahr vor. Der Boden wird gemulcht, die Bäume zugeschnitten. „Der perfekte Apfelbaum sieht aus wie ein lichter Tannenbaum“, erklärt der Landwirt. „Der Ertrag ist im unteren Bereich und überall kommt die Sonne gut hin.“ Mindestens zwei seiner 50 Hektar Anbaufläche muss Jehle außerdem jedes Jahr roden. Alte Bäume, die nicht mehr genug Ertrag bringen, werden gefällt und zu Hackschnitzeln verarbeitet. 10 000 junge Bäume müssen gepflanzt werden. Regelmäßig stellt er Mausefallen auf. „Eine Wühlmaus kann 50 Bäume zerstören“, sagt Jehle. Eine handfeste Bedrohung für die Ernte im kommenden Jahr. So wie das Wetter.

„Schön rot werden die Äpfel, wenn tagsüber die Sonne scheint und es nachts kalt wird – die Temperatur muss unter zehn Grad fallen“, weiß Jehle aus Erfahrung. Kommt der Frost im Frühjahr, erfrieren die Apfelblüten. Bleibt der Regen aus, gibt das zu kleine Äpfel. Zu viel Sonne und die Äpfel bekommen einen Sonnenbrand. Ein Schutz gegen Hagel bieten Netze, die Jehle über die Baumreihen spannt. Dann hilft nur noch hoffen.

Manuela Dollinger

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