Bayerische Weihnacht

Uffing - rmalerweise verraten Leser in unserer Freitags-Serie ihr Küchengeheimnis. Diesmal, kurz vor Weihnachten, haben wir den Münchner Illustrator Reinhard Michl (64) gebeten, uns ein Festtags-Menü zusammenzustellen, das nicht nur gut schmeckt, sondern auch schnell geht. Michl verspricht: „So kommt garantiert kein Stress auf."

In der Küche von Reinhard Michl spielt sich das Leben ab. Hier wird nicht nur gekocht und gegessen, in Großmutters Küche stand sogar der erste Zeichentisch des Münchner Illustrators. In Form eines einfachen Holzstuhls. Den schob der damals Dreijährige in die Nähe des Ofens. War er fertig mit dem Zeichnen, half Reinhard Michl beim Backen.

Zeichnen und Kochen. Das sind bis heute die liebsten Beschäftigungen von Reinhard Michl, der teils in der Münchner Maxvorstadt, teils in Uffing am Staffelsee wohnt. Nach Kehlheim, dem Ort seiner Jugend, kommt Reinhard Michl nur noch selten.

An der Isar ging Michl zunächst auf die „Akademie für das Grafische Gewerbe“, als er Anfang der 1970er Jahre noch die „Akademie der Bildenden Künste“ draufsattelte, „dachten meine Eltern schon, ich sei der ewige Student“. So sollte es nicht kommen: Mittlerweile hat er über 100 Bücher illustriert. Zu Michls bekanntesten Bilderbüchern gehört „Der Findefuchs“, ein Kinderbuch von Irina Korschunow, und „Es klopft bei Wanja in der Nacht“.

Bücher spielten schon immer eine wichtige Rolle im Leben der Michls. Der Vater zelebrierte das Vorlesen. „Für mich waren diese Momente eine Möglichkeit aus dem engen, banalen Alltag zu flüchten“, erinnert sich der Künstler.

Viele seiner Figuren sind am Staffelsee entstanden. „Hier habe ich Ruhe zum Zeichnen“, sagt der Illustrator. In Uffing wird aber nicht nur gearbeitet. In der großen Küche des Zeichners kocht er am Wochenende mit seinem Freund Ernst, der ebenfalls mit seiner Familie im Haus wohnt. Davor ein Spaziergang am Staffelsee - „das ist das Schönste für mich am Wochenende“.

Die Vorbereitungen dafür beginnen bereits Mitte der Woche. Zumindest gedanklich. Michl bringt exotische Zutaten aus der Stadt mit. Freund Ernst kümmert sich um den Wein und das Fleisch. So stammen die Hirschfiletstücke aus der Region.Die Küche ist zudem seit zehn Jahren Treffpunkt der Murnauer Hobbyköche.

„Werkstatt-Charakter“ hat seine Küche, wie Michl das nennt. Es gibt keine geschlossenen Küchenschränke, an der petrolfarbenen Holzpanälenwand sind Regale mit zahlreichen Töpfen festgeschraubt. Über dem großen Herd hängen die Kupferpfannen.

Zu Weihnachten würde Reinhard Michl am liebsten eine Gans auftischen, doch davon hält seine Frau Uta nichts. Deshalb hat er sich für die Hirschtornados entschieden. Der Vorteil: „Sie lassen sich zum Teil vorbereiten, gehen schnell und schmecken fantastisch.“ Das Rezept stammt ursprünglich von einem der Murnauer Hobbyköchen.

In „Mein bayrisches Kochbuch“ hat es Michl jüngst verewigt. Dazu gibt’s Spätzle. „Auch die lassen sich vorbereiten“, sagt der Hobbykoch, ebenso wie die Forellenmousse und der Nachtisch. Das ist für Reinhard Michl wichtig: „So kommt kein Stress auf. Und man hat an Weihnachten Zeit für seine Lieben.“

Alle Rezepte stehen in einer Rezeptbuch-Sammlung. Ein Jahr hat Reinhard Michl an seinem Kochbuch geschrieben und gezeichnet. und mit hintersinnigen Sprüchen garniert. Als er es handschriftlich beim Verlag abgeben wollte, musste er feststellen: „So etwas gibt es heute nicht mehr.“

Dass es zum Schluss Nachtisch gibt, steht außer Frage: „Der gehört einfach dazu“, sagt Michl. Das Rezept stammt von seinem Freund Hermann. „Nur das Beste kommt in den Kuchen oder Topf“ -, so lautete das Credo seines mittlerweile Verstorbenen Freundes. Er war es auch, der Reinhard Michl einst zu hohen Kunst des Kochens gebracht hat. „Davor war ich nur Studentenküche gewohnt.“

Später am Abend, wenn die Teller schon längst abgeräumt sind, wird Michl den Weihnachtsabend bei einer Zigarre und einem Glas Whiskey ausklingen lassen. Stephanie Ebner

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