1. Startseite
  2. Leben
  3. Genuss
  4. Biergarten

Sie sammelt Unterschriften für Rauchen im Biergarten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Schmidt

Kommentare

null
Will sich das Rauchen im Biergarten nicht verbieten lassen: Christa Philipp zeigt ihre gesammelten Unterschriften. foto: ms

München - Die Raucher kämpfen um eines ihrer letzten Refugien. Eine passionierte Qualmerin befürchtet, dass Zigaretten bald auch aus Biergärten verbannt werden. Für den Fall der Fälle sammelt sie schon mal Unterschriften. 14 000 hat sie bereits.

Im Frühjahr wurde es Christa Philipp zu bunt. Damals, mit dem Start der Schifffahrtssaison, verbot Finanzminister Markus Söder (CSU) das

Dampfen auf allen Dampfern der weißblauen Seen-Flotte. Im Fahrwasser der Entscheidung meldete sich die Nichtraucher-Initiative München zu Wort und forderte das Rauchverbot auch für Biergärten. Da war für Philipp das Maß voll. Die 62-Jährige ist eine überzeugte Raucherin. „Wir werden mehr und mehr entmündigt“, klagt sie. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet und soll mir jetzt vom Staat vorschreiben lassen, wie ich zu leben habe?“ Ein Rauchverbot im Biergarten? Für Philipp eine düstere Vorstellung.

Noch gibt es keine politische Initiative, keine konzertierte Aktion, kein Bündnis gegen Qualm in Biergärten. „Aber die Nichtraucher sind ja auch noch nicht am Ziel“, glaubt Franz Bergmüller, Kämpfer für die Kippe und Vorsitzender des Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur. „Die wollen das totale Rauchverbot, diese Forderung wird hundertprozentig kommen.“

Genau das fürchtet auch Philipp - und wurde aktiv. Sie beschloss, präventiv Unterschriften gegen ein Qualmverbot im Biergarten zu sammeln. Die selbstständige Buchhalterin schob alles beiseite und zieht seit Ende April regelmäßig mit Bekannten und Gleichgesinnten los, um Listen an Kneipen, Restaurants und Kioske zu verteilen.

Die Resonanz, sagt sie, sei fast durchweg positiv. Täglich kämen vollgeschriebene Listen per Fax bei ihr an. „Diesmal“, meint Philipp, „sind auch viele Nichtraucher auf unserer Seite.“ Bis heute habe sie 14 000 Unterschriften gesammelt. Das Ziel bis Ende August: 20 000. Die will sie dann Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) überreichen. „Das soll ein Zeichen sein, dass wir nicht mehr still dasitzen wie die Deppen.“

Bergmüller unterstützt die 62-Jährige. „Ich finde es toll, dass sie sich engagiert“, lobt der Wirt. Viele Raucher würden sich wegducken. „Doch den Volkserziehern, den Bevormundern, den Weltverbesserern muss Einhalt geboten werden!“, poltert Bergmüller.

Der Angriff zielt - unter anderem - auf Ernst-Günther Krause von der Nichtraucher-Initiative München. Krause wünscht sich abgetrennte Bereiche in Biergärten, will, dass Raucher hinter Büschen, Holz- oder Plexiglaswänden qualmen. „Ich kann gut verstehen, dass sich Raucher dagegen wehren“, sagt er. „Aber es geht um den Schutz der Nichtraucher.“ Selbst im Freien würde sich die Feinstaubbelastung in der Nähe einer Zigarette schnell vervierfachen. „Wir leben in einer Demokratie. Jeder hat das Recht, seine Meinung kund zu tun“, sagt Krause. Auch Christa Philipp? „Aber ja, selbstverständlich.“

Auf Krauses Idee mit den Plexiglaswänden angesprochen muss Philipp allerdings kurz schlucken. „Haben die sonst nichts zu tun?“, ärgert sie sich. „Das wären keine Biergärten mehr, sondern Irrgärten!“

Krauses Forderung, ein Irrweg? Eine Luftnummer? Die Zeit für ein Rauchverbot in Biergärten sei noch nicht reif, sagt er selbst. Noch nicht. Auch das Gesundheitsministerium sieht derzeit keinen Handlungsbedarf: „Die bayerische Bevölkerung hat per Volksentscheid einen umfassenden Nichtraucherschutz beschlossen“, betont Sprecher Thomas Marzahn. Für Änderungen an dieser Regelung sehe man keinen Bedarf.

Auf solche Zusagen will sich Christa Philipp nicht verlassen. „Denen“, sagt sie, „traue ich alles zu.“

Angelo Rychel und Thomas Schmidt

Auch interessant

Kommentare