"Bruder Barnabas" in der Küche

St. Wolfgang - Immer freitags schauen wir oberbayerischen Wirten über die Schulter. Heute bereitet Anton Silbernagl, Metzger und Wirt vom Gasthaus "Zum Schex" eine Triologie vom Ochsen zu.

"Heutzutage werden hier nur noch die Preißn aufgehängt, wenn sie dumme Fragen stellen. An einem Haken in der Gaststube." Schalk leuchtet aus den Augen von Anton Silbernagl, wenn er die Geschichte seines Gasthauses erzählt: Einst wurde in dem Anwesen direkt neben der Kirche Recht gesprochen. Die Anfangsbuchstaben des Richterspruches auf der spätgotischen Balkendecke erinnern noch heute an diese Zeit.

Der spätere Karl VII. hatte St. Wolfgang zur Hofmark erhoben und dem Ort damit die Niedere Gerichtsbarkeit verliehen. Dieses Ereignis lernt heute noch jedes Kind in der Grundschule und auch Anton Silbernagl kann den Spruch ohne Nachdenken runterrattern: "O Richter richte recht, Gott ist Herr und Du bist Knecht, gleich wie Du Mensch wirst hier richten mich, so wird Gott auch dort richten Dich."

Doch nicht Urteile wurden in dem Gebäude am Kirchplatz gesprochen. So mancher von den alten St. Wolfgangern hat hier den Bund fürs Leben geschlossen. In der Amtsstube des Bürgermeisters, die bis in die 60er Jahre im Gasthaus "Zum Schex" untergebracht war. Damals war der Wirt gleichzeitig der Bürgermeister.

Einen kurzen Ausflug in die Kommunalpolitik hat auch dessen Enkel, der jetzige Wirt, hinter sich: Der 46-Jährige saß für eine Wahlperiode im Gemeinderat - "eher aus Gefälligkeit", wie er heute sagt. Bei einer Aufstellungsversammlung der Freien Wähler, die einst im "Schex" stattfand, fehlten noch Namen auf der Liste. Gegen fünf Flaschen Wein ließ sich Silbernagl auf die Liste setzen, "zum Auffüllen auf den letzten Platz". Die Wolfganger wählten ihn nach vorne, Silbernagl war Gemeinderat.

Ganz ohne Politik will der Wirt dennoch nicht sein: Er hat in seinem Wirtshaus das Politiker-Derbleckn eingeführt - den Bruder Barnabas aus München zum Vorbild. Zum Auftakt des Starkbierfestes wird er zusammen mit einem Hochzeitslader heuer am 7. März die Kommunalpolitiker wieder durch den Kakao ziehen. Die Ideen dazu kommen dem Marathonläufer beim mittäglichen Joggen - "das ist der einzige Moment, wo ich dafür Zeit habe. Da fällt mir immer was ein." Wer heuer sein Fett abkriegt, das verrät Silbernagl noch nicht. Nur so viel: "Die Schwarzen sollten sich warm anziehen."

Das Gasthaus Schex will ganz bewusst eine Dorfwirtschaft sein - neben dem Essen spielt die Unterhaltung eine große Rolle: Stammtsiche treffen sich, oben im ersten Stock werden nicht nur Hochzeiten gefeiert. Hier treten auch Künstler auf - die Landjugend ebenso wie die Kabarettisten Monika Gruber. Die Vorpremiere ihres neuen Programms war innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.

In erster Linie ist Silbernagl aber Wirt. "Ich lebe das Wirtshaus", sagt er selber von sich. "Da darf man nicht die Stunden zählen, die man arbeitet." Auch wenn der Beruf des Gastronomen ursprünglich nicht sein Traum war. "Ich wollte eigentlich Lehrer werden." Doch als Anton Silbernagls älterer Bruder Martin verunglückte, musste er sich entscheiden: Entweder gibt die Familie den Betrieb auf oder er übernimmt den Laden. Anton Silbernagl gab die Schule auf, lernte erst Metzger, dann Koch. 1993 übernahm er den Betrieb zusammen mit seiner Ehefrau Anita, die ihm zuliebe den Beruf der Steuergehilfin aufgab und bei Alfons Schuhbeck Restaurantfachfrau lernte. Die beiden führen ihr Gasthaus mit eigener Metzgerei so erfolgreich, dass sie seit Jahren zu den Preisträgern "Wettbewerb Bayerische Küche" gehören. "Ich bin in der Küche auch sehr eitel", sagt Anton Silbernagl so auch über sich. Das wissen auch seine elf Angestellten: "Wenn in der Küche was danebengeht, bin ich ganz gram."

Typisch für die Schex-Küche sind altbairische Schmankerl, wie der "Häuberling" oder das Kalbslüngerl. Solche Gerichte hat ihm Mutter Elisabeth beigebracht - "eine hervorragende Köchin. Den Apfelstrudel bekomme ich heut noch nicht so gut hin."

Noch hat die nächste Generation - Silbernagls vier Töchter - mehr Interesse am Wirtsgarten mit dem großen Spielplatz. Nur bei der Dekoration helfen sie schon mit: Sie gestalten Kieselsteine zu Stammtisch- oder Reservierungsschildern. Ein Anfang.

Gasthaus zum Schex: Familie Anton Silbernagl

Adresse:

84427 St. Wolfgang (Landkreis Erding)

Telefon (0 80 85) 205

E-Mail: ZumSchex@t-online.de

Hinkommen:

Aus München die A 94 bis zum Autobahnende nehmen, von der auf der B 12 Richtung Passau. Bei Haag auf die B 15 Richtung Landshut abbiegen. Nach ca. sieben Kilometern erreicht man St. Wolfgang.

Öffnungszeiten:

Dienstags und mittwochs von 9 bis 15 Uhr, donnerstags bis sonntags von 9 bis 24 Uhr.

Sonstiges: 

Eigene Metzgerei. Dienstags, mittwochs und donnerstags von 7.30 bis 18 Uhr, freitags von 7 bis 18 Uhr und am Samstag von 7 bis 12 Uhr. Montags geschlossen.

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