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In Berliner Cafés sehen die Gäste Gratis-Internet als selbstverständlich an.

Gratis WLAN, aber nichts bestellen

Café-Betreiber beschweren sich über schamlose Gäste

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Gratis-Internet, solange man im Café isst und trinkt. Vor allem junge Menschen werden von diesem Geschäftsmodell angelockt. Doch es hat auch Schattenseiten.

Mittlerweile ist es normal, nicht mehr ins Büro zu gehen oder von zu Hause zu arbeiten - man bestellt einfach eine Tasse Cappuccino im Café und genießt das kostenlose WLAN, den ganzen Tag lang. Diese Mentalität stößt nun immer mehr Cafe-Betreibern sauer auf.

Kaffeehaus-Kultur mit Gratis-Internet

Bereits in der Wiener Kaffeehaus-Kultur war es normal, dass die intellektuelle Szene am besten in gleichgesinnter Gesellschaft und mit einem unerschöpfbaren Vorrat an Kaffee schreibt. Diese Kultur versuchen moderne Cafés mit Hipster-Flair zu imitieren. Dazu ist heutzutage selbstverständlich kostenloser Internetzugang selbstverständlich, um in der digitalen Welt arbeiten zu können.

Das Café Sankt Oberholz in Berlin Mitte ist eines der Hot-Spots der jungen Gründerszene. Viele Start-Ups haben sich hier gegründet, unter saßen hier bereits die Betreiber von Zalando zusammen und haben ihre ersten Deals abgeschlossen. Die Tische sind hier absichtlich so breit, dass Laptops gut Platz haben. Bereits seit 2005 gibt es hier freies WLAN, wie das Portal gruenderszene.de schreibt.

Ansgar Oberholz, der Betreiber des Berliner Cafés, wendet sich nun in einem offenen Brief an die Millennials, welche die Gratis-Mentalität nun auf die Spitze treiben. Bisher habe die ungeschriebene Regel gut funktioniert, dass es Gratis-Internet gäbe, wenn auch etwas bestellt wird

So dreist verhalten sich Berliner Café-Gäste

Vor Kurzem soll sich ein Gast sogar einen Döner mit ins Café mitgebracht haben. Oberholz schreibt in seinem offenen Brief, dass der Gast es nicht eingesehen hätte, etwas vor Ort zu bestellen, da er "gestern auch schon einen Kaffee gekauft" habe. Außerdem sei das Café selbst schuld, wenn es dort nun mal keinen Döner gäbe.

Ein weiterer Gast habe sich im Supermarkt um die Ecke einen "Club Mate" gekauft und diesen ins Café mitgebracht. Dort habe er später behauptet, das Getränk vor Ort bestellt zu haben. 

Um seine mitgebrachte Fünf-Minuten-Terrine aufzukochen, fragte ein anderer Gast nach heißem Wasser. Bezahlen wollte er nicht dafür.

In seinem Brief geht der Café-Betreiber auf die Problematik ein:

"Die Verhaltensweise der Gäste deutet auf ein vermindertes Schuldempfinden und unterdrückte Schamfähigkeit hin. Denn sonst würde man sich eher für sein Verhalten entschuldigen und sich erwischt fühlen, als mit dem Gastronomen auch noch über selbstmitgebrachte Speisen diskutieren. Es scheint aber überhaupt kein Unrechtsempfinden in der Bewertung des eigenen Verhaltens vorhanden zu sein."

Vor allem bei Millennials sei dieses Verhalten vorzufinden. Oberholz versteht das nicht, schließlich hätten diese heute mehr Geld zur Verfügung als die Journalisten, Architekten und Designer noch vor zehn Jahren hätten.

Seine Konsequenz: Die Kellner weisen die Gäste nun höflich, aber bestimmt darauf hin, hin und wieder etwas zu bestellen. Seitdem seien die Umsätze auch wieder gestiegen.

Hier können Sie Ihr Kaffee-Wissen in unserem Quiz testen.

Das Geheimnis guten Kaffees: Röstung und Zubereitung

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