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Das Obst und Gemüse im Supermarkt müsste eigentlich teuer sein.

Erschreckende ARD-Recherche

Obst und Gemüse aus Spanien: Darum sollten Sie die Finger davon lassen

In den Obst- und Gemüsetheken der Supermärkte und Discounter herrscht ein gnadenloser Preiskampf. Aber das Geld, was Sie sparen, muss bezahlt werden.

Wenn bei Äpfeln und Gurken die Preise steigen, wird kollektiv gestöhnt und dabei verkannt, dass die Preise trotzdem noch viel zu billig sind.

Was zahlen Supermärkte und Discounter den Händlern, wenn sie selbst Gurken für 39 Cent oder ähnliche Kampfpreise ausschreiben? Und was kommt davon überhaupt noch beim Bauern oder den Erntehelfern an.

Erschreckende Recherche in Südeuropa

Das Recherche-Team von "Die Story im Ersten" (ARD, 9. Juli, 22.35 Uhr) ging dieser Frage auf den Grund. Das Team recherchierte für die Sendung "Europas dreckige Ernte – das Leid hinter dem Geschäft mit Obst und Gemüse" in den Herkunftsländern der billigen Obst- und Gemüsesorten. Diese werden meist in Spanien und anderen südeuropäischen Ländern angebaut.

Zum Beispiel in der andalusischen Provinz Almeria. Hier erstreckt sich die weltweit größte Fläche von Gewächshäusern. Auf 400 Quadratkilometern arbeiten etwa 130.000 Mensche n. Der größte Abnehmer? Deutsche Supermärkte. Filmen darf das ARD-Team in den Gewächshäusern, aber es sind nirgendwo Erntehelfer zu sehen. Kein Wunder, sind diese doch zumeist illegale Einwanderer aus Afrika, die nur die Hälfte des Tariflohns bekommen. Statt 50 Euro pro Tag, schuften sie für gerade einmal 25 Euro.

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Ausbeutung und gefährliche Arbeitsbedingungen

Da sie keinen gültigen Arbeitsvertrag und kein festes Einkommen haben, leben die Arbeiter in heruntergekommenen Hütten im Hinterland und pilgern jeden Tag zum so genannten "Arbeitsstrich", um eine Anstellung für den Tag zu finden. Um die Kosten und damit auch die Preise für Obst und Gemüse weiter zu drücken, werden von den Bauern immer mehr Sozialstandards nicht eingehalten. Zum Beispiel wird beim Gemüseproduzenten Bio Sabor beim Sprühen von Pestiziden komplett auf Schutzkleidung verzichtet. Ein Erntehelfer berichtet dem ARD-Team, dass er durch die giftigen Substanzen die Sehkraft auf einem Auge verloren habe. Der Produzent beliefert unter anderem Edeka, Rewe, Real und Penny und wirbt mit seinen hohen Biostandards.

Preiskampf zwingt Bauern in die Knie

Aber auch die Bauern selbst, die sich in der Genossenschaft organisiert haben, kämpfen unter dem Preisdruck um ihr wirtschaftliches Überleben. Bauer David Sanchez Olivera müsste eigentlich 14 Cent pro Kilo für seine Zucchinis verlangen, die Genossenschaft bietet ihm aber nur drei Cent. „Das kann doch nicht sein, dass du für drei Cent pro Kilo erntest und die Supermärkte das dann für zwei Euro verkaufen“, schimpft der Landwirt. „Du bist der Dumme, du fühlst dich bestohlen.“ Der Druck sei so hoch, dass einige benachbarte Bauern ihren Vertragspflichten nicht mehr nachkommen konnten und sich das Leben genommen hätten, berichtet er.

Diese Zustände finden sich auch in anderen Anbauregionen, wie z. B. Süditalien. Hier hat sogar die Mafia ihre Finger im Spiel und verdient kräftig mit an der Landwirtschaft und an Agrarsubventionen der Europäischen Union, während die Arbeiter sich für geringe Löhne kaputt schuften.

Supermärkte verweisen auf zweifelhafte Siegel

Die Ergebnisse der Recherche sind erschreckend. Sind die Bedingungen, unter denen das Obst und Gemüse angebaut wird den deutschen Supermärkten etwa unbekannt? Auf Anfrage des ARD-Teams verweisen die großen deutschen Supermarktketten auf lokale und regionale Kontrollen – in Almeria kommen auf 17.000 Betriebe 22 Kontrolleure – und auf das internationale Siegel Global G.A.P.. Dieses Siegel soll faire Arbeitsbedingungen garantieren, doch laut der Hilfsorganisation Oxfam handelt es sich hierbei nicht um ein unabhängiges Label. Die Handelsbranche hat es sich vielmehr selbst ausgedacht. Eine verlässliche Alternative für Konsumenten sei das Fair-Trade-Label.

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